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Forschende weisen Grönland-Schmelzwasser im Ozean nach

19.10.2018
Zufluss aus Grönland bislang keine Wirkung auf Golfstrom-Zirkulation
Ein Eisberg nahe Grönland. Das hier entstehende submarine Schmelzwasser wirkt zwar auf den Meeresspiegel, jedoch bislang nicht auf die Golfstrom-Zirkulation. Foto: MARUM – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften, Universität Bremen; V. Diekamp
Ein Eisberg nahe Grönland. Das hier entstehende submarine Schmelzwasser wirkt zwar auf den Meeresspiegel, jedoch bislang nicht auf die Golfstrom-Zirkulation. Foto: MARUM – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften, Universität Bremen; V. Diekamp

Bremer Forschende haben nachgewiesen, dass submarines Schmelzwasser aus Grönland noch nicht in die Schlüsselregionen der Golfstrom-Zirkulation vorgedrungen ist. Der Golfstrom wirkt wie eine Klimaanlage, er transportiert warmes Wasser in den Norden und kaltes Wasser in den Süden. Wird dieses System gestört, schwächt dies die Zirkulation des Golfstroms ab und beschleunigt so die Folgen des Klimawandels. Die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Studie ist jetzt im Journal Geophysical Research Letters erschienen.

Die Schmelzrate des Grönländischen Eisschildes hat sich in den vergangenen 20 Jahren fast vervierfacht und so signifikant dazu beigetragen, dass der globale Meeresspiegel ansteigt. Zwei Gründe gibt es dafür, dass mehr Gletschereis schmilzt: die Atmosphäre wird wärmer, außerdem fließt wärmeres Golfstromwasser in Fjorde mit Gletschern – als Folge schmelzen sie unterhalb der Meeresoberfläche. Das nennen Forschende auch submarines Schmelzwasser. Ein weiterer Effekt könnte das Abschwächen der klimarelevanten Golfstrom-Zirkulation sein.

Bis jetzt waren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf Modellergebnisse angewiesen, um zu untersuchen, wie dieses zusätzliche Schmelzwasser auf die Golfstrom-Zirkulation im Nordatlantischen Ozean wirkt. Entscheidend ist dabei, wie schnell und wohin sich das Schmelzwasser ausbreitet. Nun wurde zum ersten Mal dieses submarine Schmelzwasser eindeutig im Ozean identifiziert.

„Eis enthält Luftbläschen. Wenn Gletschereis schmilzt, dann werden die Edelgase Helium und Neon aus den Luftbläschen im Ozeanwasser gelöst und erhöhen die Konzentration im Wasser um ein Vielfaches“, erklärt Prof. Dr. Monika Rhein vom Institut für Umweltphysik und dem MARUM – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen. Durch dieses Signal können noch Anteile von Schmelzwasser von unter einem Promille nachgewiesen werden. Die größten Anteile von submarinem Schmelzwasser, nämlich 0,6 Prozent – das entspricht sechs Promille –, wurden nahe Grönland und Kanada am Schelfrand gefunden. In der Schlüsselregion der Golfstrom-Zirkulation, der zentralen Labradorsee zwischen Grönland und Kanada, konnte bislang kein Schmelzwasser nachgewiesen werden. 

Kontakt:

Prof. Dr. Monika Rhein
Institut für Umweltphysik, MARUM – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen
Telefon: 0421 218 62160
E-Mail: [Bitte aktivieren Sie Javascript]
Homepage

Ulrike Prange
MARUM Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Telefon: 0421 218 65540
E-Mail: medien@marum.de

 

MARUM entschlüsselt mit modernsten Methoden und eingebunden in internationale Projekte die Rolle des Ozeans im System Erde – insbesondere im Hinblick auf den globalen Wandel. Es erfasst die Wechselwirkungen zwischen geologischen und biologischen Prozessen im Meer und liefert Beiträge für eine nachhaltige Nutzung der Ozeane.

 

Die Edelgasmessungen werden in Bremen mit einem hochempfindlichen Spezial-Massenspektrometer durchgeführt. Foto: Universität Bremen
Die Edelgasmessungen werden in Bremen mit einem hochempfindlichen Spezial-Massenspektrometer durchgeführt. Foto: Universität Bremen

Originalveröffentlichung:

Rhein, M., Steinfeldt, R., Huhn, O. Sültenfuß., J., & Breckenfelder, T. (2018).Greenland submarine melt water observed in the Labrador and Irminger Sea. Geophysical Research Letters, 45. DOI: 10.1029/2018GL079110

 

Mehr Informationen zur Funktion der Golfstromzirkulation