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Staatsqualle - Sturmfluten

Staatsquallen

Was ist eigentlich eine "Portugiesische Galeere"?
Heinrich Kuhn, Emmendingen

Die Portugiesische Galeere gehört zur Gattung der Staatsquallen, den Physalia, die insgesamt etwa 150 Arten umfasst. Ihr Name verweist auf die Organisation dieser Meeresbewohner, die sich im Lauf der Evolution zu Kolonien zusammen getan haben. Die Einzeltiere bleiben Zeit ihres Lebens miteinander verbunden. Sie wurden von Ernst Heckel, einem der bedeutendsten deutschen Zoologen des 19. Jahrhunderts, einst als "Personen" bezeichnet. Ähnlich einer menschlichen Staatsgemeinschaft überleben diese Personen nur dank ihrer ausgefeilten Arbeitsteilung.
Betrachtet man die einzelne Staatsqualle als Kolonie, so lassen sich vier verschiedene Typen stark spezialisierter Polypen unterscheiden: Das Segel wird von einem einzigen Polypen gebildet und sorgt für den Auftrieb. Polypen, die darauf spezialisiert sind, Nahrung zu finden und zu fangen, bilden die Tentakeln. Haben sie Beute erlegt, ziehen sie sich zusammen und übergeben den Fang an die für die Verdauung zuständigen Polypen. Angehörige des vierten Polypentypus sorgen für die Fortpflanzung. Das Nesselgift dieser Staatsquallen ist auch für den Menschen sehr unangenehm und kann bei allergischen Reaktionen ernsthafte gesundheitliche Probleme verursachen.

Stabkarten

Wie konnten Südseeinsulaner mit Hilfe von Stabkarten navigieren?
Veronika Eicher, Regensburg

Vor etwa zehn Jahren bereiste der US-amerikanische Anthropologe Joseph Genz die Marshallinseln. Er kontaktierte die wenigen noch verbliebenen Experten, die sich in der Kunst der Stabkarten-Navigation auskannten. Auf der pazifischen Inselgruppe wurden diese „Karten“ aus den stabartigen Rippen der Kokosblätter zu formenreichen Gitterwerken verschnürt. Darin sind Gehäuse von Kaurischnecken eingearbeitet, die einzelne Eilande symbolisieren. Der Anthropologe betont, dass Stabkarten nicht als geografisches Abbild der Inseln und ihrer Lage zueinander aufgefasst werden dürfen. Vielmehr seien sie als Abstraktion der Meereslandschaft aufzufassen. Kokosblattrippen versinnbildlichen dabei typische Wellenmuster, die entstehen, wenn sich die durch Passatwinde verursachte Dünung an den Inseln bricht. Die Südsee-Navigatoren studierten die Stabkarten und verinnerlichten die darin enthaltenen Informationen. Dann bestiegen sie ihre Kanus. Die Karten ließen sie zurück an Land. Erstaunt beschreibt Genz, wie sensibel die Insulaner Schaukelbewegungen der Kanus wahrnehmen und daraus instinktiv auf bestimmte Wellenmuster rückschließen. Ihr siebter Sinn für das Meer und ihre astronomischen Kenntnisse leiteten sie so sicher ans Ziel.

Stella maris

Vereine, Hospize, Schiffe, Hotels und Lieder tragen den Namen "Stella Maris". Wer oder was verbirgt sich eigentlich dahinter?
Maren Winter, per Email

Die Antwort zu dieser interessanten Frage findet sich in einem 1975 vom Papst herausgegebenen Apostolischen Schreiben über die Seelsorge auf dem Meer. Darin heißt es: "Stella Maris, Meeresstern, ist der beliebteste Beiname, mit dem die Seeleute seit jeher diejenige anriefen, deren Schutz und Beistand sie vertrauen: die Jungfrau Maria." Sie steht, symbolisiert als leuchtender Stern, quasi im Licht ihres Sohnes Jesus, der seine Jünger auf ihren Fischerbooten begleitete, ihnen in Seenot beistand und den Sturm beruhigte. (So versteht sich auch die Kirche als Begleiterin der mit der Seefahrt verbundenen Menschen, "indem sie sich der besonderen geistlichen Bedürfnisse jener Personen annimmt, die sich aus verschiedenen Gründen auf See aufhalten und arbeiten.")

Erstmals taucht der Begriff Stella maris in den Litaneien des Heiligen Augustinus (354 - 430) auf. Später wurde eine in Schottland gegründete Seemannsmission nach dem Meeresstern benannt. Heute firmiert darunter ein weltweites Netzwerk katholischer Seemannsclubs und -heime. Richtig ist indes, dass der Begriff im Lauf der Zeit weltliche Bedeutungen erlangt hat. Auch Campingplätze, Hotels und Ferienclubs tragen heute den Namen Stella Maris.

Stiller Ozean

Woher hat der Stille Ozean seinen Namen?
Daniel Schüz, Zürich

Im Gegensatz zum Atlantik oder dem Indischen Ozean wird dem Pazifik ein Namensgeber zugeschrieben. Dabei handelt es sich um den portugiesischen Seefahrer Fernão de Magalhães (oder Magellan). Er kommandierte jene spanische Flotte, die die Welt umsegelte und dabei als erster europäischer Schiffsverband am 28. November 1520 den Südpazifik vom Osten her erreichte. Bei der Passage der später nach dem Kommandeur benannten Magellanstraße waren Schiffe und Besatzung durch heftige Stürme und Seegang gebeutelt worden. Ein Teilnehmer, der Italiener Antonio Pigafetta, beschreibt in seinem Tagebuch die anschließende Fahrt durch das „pazifische Meer, das zurecht so genannt wurde, denn wir hatten dort keine Stürme“. Das spanische Wort pacifico bedeutet so viel wie friedvoll. Der Begriff erreichte über das Englische in dieser Form auch die deutsche Sprache, bevor im 17. Jahrhundert die Lehnübersetzung Stilles Meer aufkam. Später sprach man häufiger vom Stillen Ozean, bevor schließlich das Lehnwort Pazifik wieder die Überhand gewann. Wie auch bei Grönland, das der Wortherkunft nach grüne Land, stimmt ein Name eben nicht immer mit der Realität überein.

Stockfische

Warum wird an der deutschen Nordseeküste kein Stockfisch hergestellt?
Hans-Werner Klose, Otterndorf

Fisch und Besuch stinken nach drei Tagen sagt der Volksmund. Zumindest für Fisch muss das nicht gelten. Bevor Kühlschrank und Konservendose ihren Siegeszug antraten, garantierten Fisch, Fleisch und Obst in getrockneter Form den Menschen gehaltvolle Nahrung zu jeder Jahreszeit. Beim Trocknen gehen über zwei Drittel jener Flüssigkeit verloren, in der Fäulnisbakterien sich vermehren. Daher halten sich getrocknete Lebensmittel viel länger.

Stockfisch - so die genaue Bezeichnung für getrockneten, aber ungesalzenen Fisch - wird meist aus Kabeljau hergestellt. In Island, Norwegen und auf den Färöer-Inseln wird dieser Fisch in großen Mengen gefangen und gleich nach der Anlandung verarbeitet. Die vor der deutschen Küste gefangenen Speisefische sind fettreicher und eignen sich eher zum Räuchern. Doch auch die Tradition spielt bei der Verbreitung von Stockfisch eine große Rolle: Bereits im Mittelalter verproviantierten sich norwegische und isländische Seefahrer für ihre langen Törns mit Stockfisch.

Strandkrabben

Warum laufen Strandkrabben seitwärts?
Frau Acker, Hamburg

Dwarslöper, Querläufer heißen sie auf Platt. Einige Hundert Krebsarten besitzen Körper, die breiter als lang sind. Trotzdem besitzen auch sie, wie alle Mitglieder der Ordnung der Zehnfußkrebse an den Seiten bis zu fünf Beinpaare.
Um ihre vielen, eng zusammenstehenden Beine nicht durcheinander zu bekommen, laufen sie nicht vorwärts sondern seitwärts. Ihr fester Panzer aus Kalk, der auch die Beine umschließt, lässt ihnen keine andere Wahl. Die Gelenke zwischen Körper und Bein lassen nur einen geringen Spielraum zu. Würden sie ihre Beine vor und zurück bewegen, würden sie sehr schnell über ihre eigenen Füße stolpern oder könnten nur sehr kleine Schritte machen. Da sie aber auf der Speisekarte vieler anderer Tiere ganz oben stehen, müssen sie schnellfüßig sein. Ihre langsameren Verwandten - Hummer und Garnelen - können ihren langen Schwanz schlagartig unterklappen und so rückwärts flüchten. Auch die Vorfahren der Dwarslöper hatten solche Schwänze. Sie haben diese aber nicht gepanzert, wie Hummer und Garnelen, sondern dauerhaft eingeklappt, bis sie verkümmerten.
Warum sich der Körper einiger Krebstiere im Laufe der Evolution so entwickelt hat, ist unklar. Sicher ist nur, dass die ungewollte Komik ihrer Fortbewegung schon so manchen Strandbesucher erheitert hat.

Strandschneckenweitspucken

Gibt es wirklich einen Wettbewerb im Strandschneckenweitspucken?
Bodo Meusel, Fleckeby

Das Leben der Strandschnecke ist hart. Mal ist das Wasser da, dann wieder nicht, sie kämpft mit Hitze und Kälte, meist bedeckt sie salziges Meerwasser, doch dann kommt der süße Regen und auch daran gewöhnt sie sich. Und schließlich wollen Vögel und Krebse an ihr zartes Inneres. Es wundert also nicht, dass sie sich eine harte Schale zugelegt hat. Littorina littorea, so ihr klangvoller Name, ist gut angepasst an das harte Leben in der Gezeitenzone. Doch da gibt es auch noch die Franzosen, und die betrachten le bigorneau, wie die Schnecke im Französischen heißt, als Delikatesse – und als Sportgerät. Denn seit 1996 findet im nordbretonischen Küstendorf Moguériec alljährlich die Weltmeisterschaft im Strandschneckenweitspucken statt. Unbestrittener Meister der Algenfischer Alain Jourden. Er hält wacker den Rekord mit 10,41 Metern. Einzig sein Sohn Thierry könnte ihm Konkurrenz machen, der spuckte immerhin schon 9,58 Meter. Auch Deutsche beteiligen sich am Wettkampf. So zum Beispiel Marion Zahn, die 2006 mit 5,61 den Titel bei den Frauen gewann. Alain Jourden schwört auf seinen Trainingsintervall: Jedes Mal, wenn er eine Schnecke sehe, spucke er sie weit. Bei Besiedelungsdichten von stellenweise mehr als 100 Schnecken je Quadratmeter erstaunt einen sein Meisterstatus nicht. Übrigens: Die Schnecken überleben den Wettkampf sämtlich unbeschadet.

Strandsouvenirs

Woher kommen die Schnecken und Muscheln, die bei uns als Souvenirs angeboten werden?

Tritonshorn, Spinnenschnecke und Löwentatze – sie alle haben eines gemeinsam: Sie stehen zum Verkauf, und zwar auch an Nord- und Ostsee, obwohl sie hier nicht leben. Kein Souvenirladen, der sie nicht führt, die Schildkröte aus Kaurischnecken oder die mit Muscheln besetzte Herzschatulle. An norddeutschen Stränden sucht der Tourist vergeblich nach der farbigen Pracht aus dem Strandshop.

Denn Schalenfarben und -formen scheinen umso exotischer zu werden, je wärmer das Wasser und je größer die Konkurrenz ist. In den kühlen und eher artenarmen Gewässern der Nord- und Ostsee ist beides nicht gerade ausgeprägt. Daher importieren Großhändler die tropischen Schönheiten tonnenweise in Containern, hauptsächlich aus den Philippinen, Indien und andern Regionen des Indopazifiks. Gesammelt werden sie – oft lebend – von Menschen, die sie an lokale Großhändler verkaufen. Doch nicht alle Arten vertragen die Ernte gut und bekommen genügend Nachwuchs.

„Nur weil die gehandelten Arten nicht geschützt sind, heißt das nicht, dass sie nicht bedroht sind“, erklärt Vollrath Wiese vom Haus der Natur in Cismar. Er rät zur Vorsicht. „Wir wissen noch viel zu wenig darüber, welche Rolle Schnecken und Muscheln im Meer spielen, um sie wie wild einzusammeln.“

Strömungsmessung

Wie werden die Strömungen in den Ozeanen gemessen?
Markus Schönrock, Bielefeld

Meere transportieren sehr viel Wärme zwischen tropischen und hohen Breiten und beeinflussen so das Klimageschehen. Für Ozeanographen ist es wichtig zu wissen, wie schnell die Meeresströmungen fließen und wie viel Wasser sie transportieren. Deshalb setzen sie auf ihren Forschungsfahrten Strömungsmesser in unterschiedlichen Tiefen aus, um horizontal verlaufende Strömungen zu erfassen. Die kleinen Propeller dieser Messinstrumente drehen sich mit wachsender Strömungsgeschwindigkeit immer schneller. Aus mehreren solchen Punktmessungen kann man die horizontale Strömung eines Meeresgebietes errechnen.

Vertikale Strömungen werden zumeist mit der so genannten Doppler-Technik erfasst. Dabei wird von der Differenz aus theoretischer und gemessener Laufzeit eines akustischen Signals zwischen Forschungsschiff und fraglichem Wasserkörper auf dessen Strömungsgeschwindigkeit rückgeschlossen.

Der berechnete Wasserdurchlauf wird in der Einheit "Sverdrup" erfasst. Ein Sverdrup entspricht einer Million Kubikmeter Wasser pro Sekunde. Der Golfstrom etwa bewegt 18,5 Sverdrup. Die Einheit erinnert an den norwegischen Meteorologen und Ozeanographen Harald U. Sverdrup (1888 - 1957), der Direktor des berühmten Scripps-Instituts für Ozeanographie in Kalifornien war.

Sturmfluthäufigkeit

Warum sind Sturmfluten im Winter häufiger als im Sommer und warum finden sie häuftiger nachts statt?
Maria Roebbelen, Wilhelmshaven

Ende Mai 2000 fegte ein veritabler Orkan über Norddeutschland hinweg, in dieser Jahreszeit ein seltenes Ereignis, verursacht durch starke Luftdruckgegensätze zwischen einem Tief über dem östlichen Atlantik und einem Hoch weiter südlich. Tatsächlich werden die meisten Stürme im Nordseeraum während des Winterhalbjahrs gezählt. Sie blasen zumeist aus westlichen Richtungen und verursachen je nach Dauer und Zusammenspiel mit Ebbe und Flut unterschiedlich starke Sturmfluten.

Die Sturmtiefs entstehen an der Polarfront, der Grenzregion zwischen warmen atlantischen und kalten subarktischen Luftmassen. Im Sommer verläuft die Polarfront etwa auf 60 Grad nördlicher Breite. Im Winter rückt sie hingegen fünf Grad weiter nach Süden vor und liegt dann auf der Höhe von Mittelengland bzw. Südjütland. Die Zugbahn der Sturmtiefs verläuft also genau über der zentralen Nordsee.

Die Sturmfluten treten tatsächlich häufiger nachts auf: Von Anfang November bis Ende Januar vergehen auf 53,5 Grad Nord zwischen Sonnenunter- und -aufgang zwischen 13,5 und 16,5 Stunden. Bis zu zwei Drittel des Tages ist es also dunkel. Daher entfallen auch 60 bis 70 Prozent aller Sturmfluten – die zwischen Tag und Nacht theoretisch gleich verteilt sind – auf die Nachtstunden.