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Logbuch IODP Exp 378

Warum sind vor 56 Millionen Jahren die Temperaturen auf der Erde sprunghaft angestiegen? Eine Expedition im Rahmen des internationalen Bohrprogramms IODP ist jetzt in den Südpazifik aufgebrochen, um genau diesem Klimaereignis auf den Grund zu gehen. Ziel der Fahrt, geleitet von Dr. Ursula Röhl vom MARUM – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen und Prof. Debbie Thomas von der Texas A&M University (USA), ist es, eine möglichst zusammenhängende Aufzeichnung der Klimageschichte zu erhalten. 

Dafür kehrt das Team an eine Bohrlokation zurück, an der zuletzt 1973 ein Kern erbohrt wurde. Zwar nur stichprobenartig, aber die Daten waren ausreichend, um eine der ersten Temperaturkurven zu berechnen. Diese Kurve zeigt zum ersten Mal das Auf und Ab des Klimas. An ebendieser Stelle soll nun - mit neuer Technik und vollständiger in der Sedimentabfolge - ein neuer Kern gewonnen werden. 

Von der Fahrt berichten Fahrtleiterin Ursula Röhl und weitere Teilnehmerinnen der Expedition. 

Bohrlokationen der Expedition
Zielgebiet der Expedition. Grafik: IODP
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Forschungsbohrschiff JOIDES RESOLUTION
Das Forschungsbohrschiff JOIDES RESOLUTION. Foto: William Crawford, IODP JRSO
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21. Januar: Schwimmendes Labor

Die Wissenschaftler*innen an Bord untersuchen das Kernmaterial ganz genau durch eine ganze Serie von Messungen. Unterstützt werden wir dabei durch die Techniker an Bord, die uns während des Transits bei den Tests und Übungsdurchgängen an den Instrumenten zur Seite gestanden und bei Problemen weiterhin immer ansprechbar sind. Ich hatte ja schon im Eintrag vom 16. Januar kurz erwähnt, dass zunächst die intakten Bohrkernsegmente gemessen werden.

Zerstörungsfreie Messungen bevor der Bohrkern aufgeschnitten wird.
Zerstörungsfreie Messungen bevor der Bohrkern aufgeschnitten wird.
Mackenzie öffnet ein Bohrkernsegment.
Mackenzie öffnet ein Bohrkernsegment.
Mark trennt die beiden Hälften eines Bohrkernsegmentes.
Mark trennt die beiden Hälften eines Bohrkernsegmentes.
Beth, Mark and Mackenzie in Aktion.
Beth, Mark and Mackenzie in Aktion.

Sobald diese Analysen fertig sind, werden die Kernabschnitte der Länge nach aufgeschnitten oder gesägt, je nachdem wie hart bzw. weich das Sediment ist. Eine Hälfte wird als Arbeitshälfte, die andere als Archivhälfte definiert.

Arbeitshälften der Bohrkernsegmente werden in Containern mit schwarzer Kappe aufbewahrt.
Arbeitshälften der Bohrkernsegmente werden in Containern mit schwarzer Kappe aufbewahrt.
Die Archivhälften der Bohrkernsegmente sind durch eine rote Kappe des Lagerungscontainers gekennzeichnet.
Die Archivhälften der Bohrkernsegmente sind durch eine rote Kappe des Lagerungscontainers gekennzeichnet.

Damit immer dieselbe Hälfte innerhalb eines Bohrkerns zur Arbeitshälfte wird – aus dieser dürfen Proben genommen werden – wurde das Plastikrohr, in dem die Kerne beim Bohrvorgang aufgenommen werden, auf einer Seite mit einer Doppellinie und auf der gegenüberliegenden Seite mit einer einfachen Linie markiert. Die Archivhälfte bleibt erstmal intakt, das heißt es werden keine Proben entnommen. Aber es werden eine ganze Reihe von weiteren Untersuchungen von den verschiedenen Laborteams (siehe vorheriger Eintrag von Swaantje) gemacht. Die Fotos zeigen zum Beispiel, wie das Team Physikalische Eigenschaften der Nachtschicht die Schallwellengeschwindigkeiten durch eine Bohrkernhälfte ermittelt.

Elizabeth und Heather messen die Schallwellengeschwindigkeiten durch eine Bohrkernhälfte.
Elizabeth und Heather messen die Schallwellengeschwindigkeiten durch eine Bohrkernhälfte.
Zerstörungsfreie Bohrkernmessung mit Hilfe von Ultraschallwellen.
Zerstörungsfreie Bohrkernmessung mit Hilfe von Ultraschallwellen.
Kernbeschreibung (Simon, Australien, und Swaantje, Deutschland)
Kernbeschreibung (Simon, Australien, und Swaatje, Deutschland)
Swaantje, Hojun und Kazutaka vom Kernbeschreibungsteam in der Nachtschicht
Swaantje, Hojun und Kazutaka vom Kernbeschreibungsteam in der Nachtschicht

Um das visuelle Beschreiben der Kerne zu erleichtern und um ein Bild der Sedimentoberflächen aufzunehmen, werden die Oberflächen der Archivhälften vorsichtig gereinigt und geglättet. Dann sind sie gut vorbereitet, um hinsichtlich ihrer Zusammensetzung, Korngröße, Farbe und anderen Merkmalen beschrieben zu werden.

Unter dem Mikroskop werden kleine Proben von ausgewählten Stellen angeschaut und einzelne Komponenten (zum Beispiel Minerale, Schalen von Mikrofossilien) im Detail bestimmt und die Häufigkeiten beziehungsweise Mengen erfasst. An automatisierten Messbänken nehmen die Sedimentolog*innen dann ein Bild auf, messen die Farbwerte und Wendy und Wei als Paläomagnetiker*in magnetische Parameter.

Kazutaka schaut auf Glasträger aufgetragenes Sediment (
Kazutaka schaut auf Glasträger aufgetragenes Sediment ("smear slides") unter dem Mikroskop an und findet Minerale und Schalen von Mikrofossilien.
Kryogenmagnetometer an Bord der JR, damit werden magnetische Parameter an den Kernhälften gemessen.
Kryogenmagnetometer an Bord der JR, damit werden magnetische Parameter an den Kernhälften gemessen.
Wendy im Paläomagnetik-Labor
Wendy im Paläomagnetik-Labor

Jetzt ist aber erstmal Lunch (5:00 Uhr morgens) für die Nachtschicht angesagt, wir eilen zwei Decks nach unten in die Messe, die sogenannte Galley. Wegen des Wochenendes erwarten uns nicht nur tolle Gerichte (Angebot reicht von Frühstück bis Abendbrot, irgendwer ist immer gerade erst aufgestanden oder hat alternativ die Schicht beendet), sondern auch aufwändig geschnitzte Dekorationen aus Gemüse und Obst. Mehr wie es in den Laboren weitergeht dann später.

20. Januar: Wissenschaft, die Wissen schafft!

Das 30-köpfige Team an Bord der JOIDES RESOLUTION besteht aus Forschenden und Wissenschaftskommunikatoren*innen und deckt über die Dauer der Expedition 378 eine Reichweite an Aufgaben ab, die insgesamt zum Erfolg dieser Expedition beiträgt. Aufgeteilt in sieben Teams, bereiten sich seit dem Aufbruch in den Südpazifik alle fleißig vor, wie in Blog #5 berichtet wurde. Heute werden die einzelnen Teams vorgestellt:

Team Education and Outreach
Team Bildung und Öffentlichkeitsarbeit
Team Bildung und Öffentlichkeitsarbeit

Team:

Lindy Newman, COSI (Center of Science and Industry), Columbus, Ohio, USA

Claire Concannon, Otago Museum, Dunedin, Neuseeland

Yiming Yu, Shanghai Natural History Museum, China

Das Team Öffentlichkeitsarbeit ist unsere Kommunikationszentrale an Bord.  Sie stellen sicher, dass alle spannenden Ereignisse einfach und verständlich an die Öffentlichkeit gelangen. Sie kümmern sich um Soziale Medien wie Facebook, Instagram und Twitter sowie bloggen, um fortlaufend Neuigkeiten von Bord zu kommunizieren. Ziemlich spannend sind unter anderem Live-Videoschalten direkt vom Schiff zu Schulen und Universitäten auf der ganzen Welt. Claire, Lindy und Yiming begleiten uns in unserem täglichen Geschehen: indem sie Artikel schreiben, Videos drehen und Podcasts in Zusammenarbeit mit uns Wissenschaftler*innen herstellen.

Team Sedimentologie/Kernbeschreibung
Team Sedimentologie/Kernbeschreibung
Team Sedimentologie/Kernbeschreibung

Team:

Erika Tanaka, University of Tokyo, Japan

Simon George, Macquarie University, Sydney, Australia

Hojun Lee, Kangwon National University, Südkorea

Kazutaka Yasukawa, University of Tokyo, Japan

Swaantje Brzelinski, Ruprecht Karls Universität Heidelberg, Deutschland

Ingrid Hendy, University of Michigan, USA

Laura Heynes, Department of Marine and Coastal Sciences, Rutgers University, USA

Bei der Kernbeschreibung wird die Zusammensetzung und das Gefüge (Lithologie) des frisch erbohrten Kernmaterials dokumentiert. Dabei wird eine Kombination verschiedener Methoden angewendet. Die Sedimentkerne werden makroskopisch beschrieben. Dabei werden mit dem Auge erkennbare Parameter wie zum Beispiel Farbe, Strukturen und besondere Bestandteile wie etwa kleine Steinchen/Muscheln etc. erfasst.

Bei der mikroskopischen Bestimmung bedarf es, wie der Name schon verrät, eines Mikroskops. Trägt man eine kleine Menge des Sediments auf einen Glasträger auf, lassen sich hochauflösend Fossilbestand, Mineralinventar und -gehalt und weitere kleine Bestandteile im Sediment erkennen. Außerdem werden von der Archivkernhälfte mit einem speziellen Scanner Bilder aufgenommen und mit einem weiteren die magnetische Sensitivität sowie die Reflektion des sichtbaren Lichts (Farbspektren) gemessen. Außerdem wird an ausgewählten Proben per Röntgen-Diffraktometrie der Mineralbestand ermittelt.

Team Physikalische Eigenschaften
Team Physikalische Eigenschaften
Team Physikalische Eigenschaften

Team:

Gabby Kitch, Northwestern University, USA

Alex Reis, University of Kentucky, USA

Heather Jones, Pennsylvania State University, USA

Elizabeth Sibert, Harvard University, USA

Das Team um Gabby, Alex, Elizabeth und Heather ist mit einer Vielzahl von zerstörungsfreien Messungen beschäftigt, die für die Charakterisierung von physikalischen Parametern des Sediments sehr wichtig sind. Magnetische Eigenschaften, Dichte und Porosität, Röntgenbilder, Ausbreitungsgeschwindigkeiten von Schallwellen und thermische Leitfähigkeit des Sediments. Diese Daten werden später zusammen mit den Ergebnissen der Kernbeschreibung Aufschluss über die Sedimentzusammensetzung und das Sedimentgefüge geben.

Team Paläomagnetismus
Team Paläomagnetismus
Team Paläomagnetismus

Team:

Yang Zhang, Purdue University, USA

Wei Yuan, School of Ocean and Earth Science, Tongji University China

Die Wissenschaftler*innen im Paläomagnetik-Labor analysieren die magnetischen Eigenschaften der Bohrkerne mit einem Magnetometer. Diese Daten geben unter anderem Auskunft über das Erdmagnetfeld zum Zeitpunkt der Ablagerung der Sedimente. In der Erdgeschichte hat sich das Erdmagnetfeld mehrfach geändert – und die Zuordnung zum einem bekannten Wechselmuster ergibt eine zeitliche Einordnung, das nennt man deswegen auch Magnetostratigraphie. Die Lagen der Ozean- und Kontinental-Platten haben sich im Lauf der Erdgeschichte verändert, anhand von paläomagnetischen Daten kann man diese Plattenbewegungen nachzeichnen.

Team Mikropaläontologie/Biostratigraphie
Team Mikropaläontologie/Biostratigraphie
Team Mikropaläontologie/Biostratigraphie

Team:

Isabella Raffi, Universitá „G. d’Annunzio“ di Chieti-Pescara, Italien

Qiang Zhang, South China Sea Institute of Oceanology, Chinese Academy of Sciences   (CAS), China

Christopher Hollis, GNS Science New Zealand

Bruna Borba Dias, Universidade Federal Fluminense Brazil

Sonal Khanolkar, Indian Institute of Technology Kanpur, Indien

Rosie Sheward, Goethe Universität Frankfurt, Deutschland

Flavia Boscolo Galazzo, Cardiff University, UK

Im Mikropaläontologie-Labor werden Mikrofossilien untersucht, genauer gesagt arbeiten hier Expert*innen, die sich mit Radiolarien, kalkigem Nannoplankton, sowie benthischen und planktischen Foraminiferen auskennen. Sie suchen im Sediment nach bestimmten Arten dieser Fossilien, sogenannte biostratigraphische Marker oder Indexfossilien, die ideal geeignet sind, um biostratigraphische Horizonte festzulegen. Dabei handelt es sich um feste Zeitintervalle, in denen bestimmte Indexfossilien gelebt haben, genauer gesagt der Zeitraum ihres ersten Auftretens und der Zeitpunkt ihres Aussterbens. Die Identifikation dieser Biohorizonte dient der zeitlichen Datierung der Sedimentkerne (Biostratigraphie).

Team Stratigraphische Korrelation
Team Stratigraphische Korrelation
Team Stratigraphische Korrelation

Team:

Roy Wilkens, Hawaii Institute of Geophysics and Planetology, USA

Dieser Experte muss den Umgang mit umfangreichen Datenmengen gewohnt sein und bearbeitet die Daten und Bilder, die in relativ guter Auflösung durch zerstörungsfreie Messungen relativ zügig gewonnen werden. Im Einzelnen werden dann Horizonte zwischen Parallelbohrungen korreliert und eine komplette Abfolge aus den besten Kernen benachbarter Bohrungen zusammengebastelt. Dieser sogenannte Splice wird uns als „Schnittmuster“ für die spätere Beprobung für unsere Forschungsprojekte in den Heimatlaboren dienen

Team Anorganische/Organische Geochemie
Team Anorganische/Organische Geochemie
Team Anorganische/Organische Geochemie

Team:

Ann Dunlea, Woods Hole Oceanographic Institution, USA

Blanca Ausin, University of Salamanca, Spanien

Eleni Anagnostou, Geomar Kiel, Deutschland

Das Geochemie-Team analysiert als allererstes den Gasgehalt im Sediment. Sie sind deshalb die ersten, die das frisch erbohrte Sediment beproben dürfen, da sie den Methangasgehalt ermitteln. Diese Analyse ist wichtig, da somit verhindert wird, dass wohlmöglich in Methangas-haltige Sedimentschichten gebohrt würde, die sich möglicherweise entzünden könnten.

Die Geochemiker entnehmen dem Bohrkern dann eine Sedimentscheibe, die sie schnell ins Labor bringen und quasi ausquetschen. Sie erhalten so eine sogenannte Porenwasserprobe, die sie umgehend für verschiedene Parameter analysieren (wie z.B. pH-Gehalt), die sich sonst schnell zersetzen würden.. Daneben werden auch Probenteile für aufwändige Analysen in Heimatlaboren abgefüllt und gekühlt gelagert. All diese Analysen geben Aufschluss über Umweltbedingungen zum Zeitpunkt der Ablagerung des Sediments.

Text: Swa­ant­je Brzel­in­ski, Dok­to­ran­din am In­sti­tut für Geo­wis­sen­schaf­ten der Uni­ver­si­tät Hei­del­berg

16. Januar: Kerne, Kerne und noch mehr Kerne!

Vorgestern kurz nach 21 Uhr Ortszeit war es dann soweit, der erste Bohrkern kam an Bord. Alle Teilnehmer*innen der Mittag bis Mitternacht-Schicht – Laurel hatte mich eine halbe Stunde vorher geweckt, damit ich diesen Moment nicht verpasse – waren begeistert, als zum ersten Mal die Durchsage „Core on deck“ durch das Schiff schallte.

Die Technikergruppe eilte hinaus auf den sogenannten Catwalk, ein etwas unterhalb der Bohrplattform liegender, den Laboren vorgeschalteter langer Durchgang, nahmen den ersten 9,6 Meter langen Bohrkern von der Bohr-Crew entgegen und legten diesen in die dafür vorgesehenen Halterungen.

Der erste Bohrkern der Expedition wird dem Bohrstrang entnommen...
Der erste Bohrkern der Expedition wird dem Bohrstrang entnommen...
und an die Techniker (mit den blauen Handschuh) auf dem Catwalk übergeben.
und an die Techniker (mit den blauen Handschuh) auf dem Catwalk übergeben.

Ein neuer Bohrkern kommt auf den Catwalk.

Der erste Bohrkern ist auf dem Catwalk angekommen.
Der erste Bohrkern ist auf dem Catwalk angekommen.
Ein Bohrkernabschnitt mit Endkappen auf dem Catwalk, kurz bevor dieser ins Labor genommen wird.
Ein Bohrkernabschnitt mit Endkappen auf dem Catwalk, kurz bevor dieser ins Labor genommen wird.

Dort wird der Bohrkern in 1,5 Meter-Segmente aufgeteilt, diese werden beschriftet und erste Proben für geochemische und mikrobiologische Untersuchungen gesichert . Die einzelnen Segmente werden dann an den Enden mit Kappen verschlossen – dabei kennzeichnen die blauen Kappen „oben“ und transparente Kappen „unten“, an den Enden, wo Proben entnommen wurden werden gelbe Kappen verwendet.

Der Bohrkern wird beschriftet und markiert sowie in 1,5 Meter Segment zerteilt.
Der Bohrkern wird beschriftet und markiert sowie in 1,5 Meter Segment zerteilt.
Techniker säubern und markieren den gerade auf dem Catwalk eingetroffenen ersten Bohrkern.
Techniker säubern und markieren den gerade auf dem Catwalk eingetroffenen ersten Bohrkern.
Probennahme für geochemische Untersuchungen auf dem Catwalk.
Probennahme für geochemische Untersuchungen auf dem Catwalk.

Geochemiker warten auf dem Catwalk auf den nächsten Bohrkern um Proben für umgehende Untersuchungen im Labor zu entnehmen.
Geochemiker warten auf dem Catwalk auf den nächsten Bohrkern um Proben für umgehende Untersuchungen im Labor zu entnehmen.
 

Aus dem Kernfänger am unteren Ende des Bohrstrangs wird eine größere Probe entnommen und den Mikropaläontolog*innen übergeben. Wir haben Expert*innen für verschiedene Mikrofossilgruppen an Bord, die im Labor das Material umgehend vorbereiten, um es an den Mikroskopen zu untersuchen und Altersinformationen zu ermitteln.

 

Eine Kernfängerprobe.
Eine Kernfängerprobe.



Der Kernfänger enthält Probenmaterial, dass von den Mikropaläontologen auf dem Catwalk abgeholt und im Labor untersucht wird.
Der Kernfänger enthält Probenmaterial, dass von den Mikropaläontologen auf dem Catwalk abgeholt und im Labor untersucht wird.
Die Kernfängerprobe wird von Mikropaläontologen für Untersuchungen am Mikroskop vorbereitet.
Die Kernfängerprobe wird von Mikropaläontologen für Untersuchungen am Mikroskop vorbereitet.
Isabella an ihrem Mikroskop an dem sie kalkiges Nannoplankton bestimmt. Diese Informationen sind für eine Altersabschätzung der Proben wichtig.
Isabella an ihrem Mikroskop an dem sie kalkiges Nannoplankton bestimmt. Diese Informationen sind für eine Altersabschätzung der Proben wichtig.

Im Labor werden die Bezeichnungen der Bohrkernabschnitte mit einem Laser eingraviert, das passiert mit der sogenannten Laser Kitty, und danach zunächst umfangreiche, zerstörungsfreie Messungen an den noch ungeöffneten Bohrkernen vorgenommen.

Wie es weitergeht, nachdem die Kerne geöffnet wurden, berichte ich, sobald es geht. Bisher kommt alle 40 Minuten ein weiterer 10 Meter-Bohrkern an Bord und es ist viel zu tun. Swaantje wird in ihrem nächsten Beitrag erstmal die verschiedenen Arbeitsgruppen und ihre Laborbereiche und Zuständigkeiten vorstellen.

Laser-Kitty zum Gravieren der Bohrkernsegmente in Aktion.
Laser-Kitty zum Gravieren der Bohrkernsegmente in Aktion.
Im Labor werden zunächst zerstörungsfreie Messungen an den Bohrkernen durchgeführt.
Im Labor werden zunächst zerstörungsfreie Messungen an den Bohrkernen durchgeführt.

15. Januar: Wir sind an der Bohrlokation!

So langsam wird es nochmal richtig spannend, um 7:00 Uhr Ortszeit sind es nur noch 42 Meilen bis zur Bohrlokation. In wenigen Stunden werden wir ankommen, nachdem wir in neun Tagen insgesamt 2.249 Seemeilen zurückgelegt haben – das entspricht in etwa der Luftlinie zwischen Bremen und dem Nordpol und noch ein bisschen, genauer 150 Kilometer, weiter.

Seit ein paar Tagen liegt der untere Teil der Bottom Hole Assembly (BHA) bereits auf dem Rig Floor, der Bohrplattform, bereit. Die BHA ist der untere Teil des Bohrstrangs, angefangen mit dem Bohrkopf und verschiedenen, je nach Einsatz dazu montierten Komponenten wie Stabilisatoren und anderen. Seit kurzem rumpelt es draußen auch mächtig, Bohrstangen werden bereits aus ihrem Lagerplatz geholt.

Seit ein paar Tagen liegt der untere Teil der Bottom Hole Assembly (BHA) bereits auf der Bohrplattform bereit.
Seit ein paar Tagen liegt der untere Teil der Bottom Hole Assembly (BHA) bereits auf der Bohrplattform bereit.
Wir sind da: die Umgebung der Bohrlokation bei Ankunft.
Wir sind da: die Umgebung der Bohrlokation bei Ankunft.

Als wir dann um 11:30 Uhr Ortszeit die Bohrlokation (ca. 52° 13,43‘ S / 166° 11,48‘ E) erreicht haben, werden zunächst die sogenannten Thruster heruntergefahren. Thruster sind Motoren, die das Schiff stabilisieren. Das Wissenschaftlerteam trifft sich auf dem Brückendeck, um das Geschehen zu beobachten.

Der Thruster ist oben…
Der Thruster ist oben…
…und jetzt wird der Thruster heruntergelassen. Thruster sind spezielle Motoren, die die JR in Position halten.
…und jetzt wird der Thruster heruntergelassen. Thruster sind spezielle Motoren, die die JR in Position halten.
Die Bohrkrone wird herabgelassen.
Die Bohrkrone wird herabgelassen. Fotos: Ursula Röhl, MARUM

Danach wird das Bohrgestänge aus den verschiedenen Segmenten zusammengesetzt unter Einsatz einer gewaltigen Apparatur, dem sog. Iron Rough Neck und abschnittsweise auf den Meeresboden in 1.225 Meter Wassertiefe herabgelassen und die genaue Länge ermittelt. Ebenso wird dann der oberste Teil des Bohrstrangs aufgesetzt. Dieser Vorgang kann weitere Stunden in Anspruch nehmen. Am besten ist, sich nun um 15 Uhr nach 17 Stunden auf den Beinen etwas auszuruhen, der erste Bohrkern wird schon gegen 22:00 Uhr erwartet.

Das Bohrgestänge wird nach und nach aneinander geschraubt.
Das Bohrgestänge wird nach und nach aneinander geschraubt.
Das iron rough neck.
Das iron rough neck.
Jetzt werden auch die Bohrstangen aus ihren Lagerplatz geholt.
Jetzt werden auch die Bohrstangen aus ihren Lagerplatz geholt.

Credit Drohnenvideo: Phil Christie & International Ocean Discovery Program (IODP)

13. Januar: Vorbei an Neuseeland

Willkommen in den „Roaring Fourties“ – Wellen rollen auf die JR zu, aber der Sonnenaufgang ist phänomenal.
Willkommen in den „Roaring Fourties“ – Wellen rollen auf die JR zu, aber der Sonnenaufgang ist phänomenal.

Bei 42°S / 176°E, ungefähr auf der Höhe zwischen der Nord- und Südinsel von Neuseeland, wird es gegen 4 Uhr Ortszeit langsam ungemütlicher, erste Anzeichen der sogenannten „Roaring Fourties“? Es sind die Auswirkungen der Winde durch die Cook-Straße, der Meerenge zwischen den beiden Hauptinseln von Neuseeland, die zu den stürmischsten Meeresstraßen der Welt zählt. Ich war kurz an Deck und man sieht wie die Wellen aus dem Westen seitlich auf uns zulaufen, das Rollen des Schiffs ist nicht gerade angenehm, der Geburtstagskuchen für Sonal wird auf den nächsten Tag verschoben, aber der Sonnenaufgang ist phänomenal. Nach ein paar Stunden später sind wir im Schutz der Südinsel, dennoch bleibt erstmal der Zugang zu den unteren Decks und zum Helideck abgesperrt.

Seit zwei Tagen sind wir relativ nah an Neuseeland, gestern gab es Landsicht. Das Wetter ist traumhaft, das Meer glatt wie ein Ententeich, eine Gruppe von Delfinen war in der Ferne auszumachen, und wir hatten an Deck das erste BBQ-Lunch dieser Expedition. Gut, dass die Chance an diesem Samstag genutzt wurde, der Sonntag war ja dann sehr turbulent.

Labore und Probenplanen

Nichtsdestotrotz wird in allen Laboren emsig gearbeitet, die Arbeitsabläufe geübt und weitere Testdurchläufe an den Instrumenten durchgeführt. Ohne die unendliche Geduld und umfangreiche und teilweise langjährige Erfahrung der Labortechniker*innen wäre das alles nicht so reibungslos! Die Teilnehmer*innen arbeiten an den Entwürfen der Methodenkapitel für die jeweiligen Arbeitsbereiche, die meisten sind inzwischen abgegeben worden, und Debbie, Laurel und ich sehen sie durch. Gegen Ende der Expedition werden diese nochmal überarbeitet und dabei genau geprüft, ob in allen Details auch so vorgegangen wurde wie jetzt vorgeschlagen.

Lindy (links) und Isabella halten Ausschau nach tierischen Meeresbewohnern.
Lindy (links) und Isabella halten Ausschau nach tierischen Meeresbewohnern.
Sonntags wird an Deck gegrillt – jetzt aber ausnahmsweise mal samstags.
Sonntags wird an Deck gegrillt – jetzt aber ausnahmsweise mal samstags.
Der Entwurf für die Methodenkapitel im Expeditionsbericht steht.
Der Entwurf für die Methodenkapitel im Expeditionsbericht steht.
Mit den Pressen wird das Porenwasser aus den Sedimenten gepresst und anschließend chemisch untersucht.
Mit den Pressen wird das Porenwasser aus den Sedimenten gepresst und anschließend chemisch untersucht.

Eine weitere wichtige Aufgabe in dieser Phase ist, den Plan für die an Bord zu nehmenden und zu analysierenden Proben erneut durchzugehen. Damit soll sichergestellt werden, dass Material entnommen wird um eine erweiterte Bohrkernbeschreibung nach IODP-Standards zu ermöglichen, aber gleichzeitig sowohl Probenhäufigkeit als auch Probenvolumen soweit es geht einzuschränken. Damit soll sichergestellt werden, dass so wenig wie mögliche Material an Bord entnommen wird. Proben für die Untersuchungen in den Heimatlaboren der Teilnehmer*innen werden dann im Sommer im texanischen Kernlager entnommen, dann hat man die an Bord gewonnenen Messdaten weiter ausgewertet und kann gezielt vorgehen.

Darüber hinaus sprechen wir auch mit jedem Teilnehmer*innen über seine/ihre geplanten Forschungsprojekte und den dazu benötigten Probentyp (Porenwasser (Foto Porenwasserpresse) und/oder Sediment) und die Probenmengen (Häufigkeit und Volumen). Dazu haben wir seit ein paar Tagen jeweils um die Mittagszeit herum Zeitfenster eingeplant - Debbie (Schicht 12:00-24:00h Ortszeit), Laurel (Schicht 6:00 bis 18:00h) und ich (Schicht 00:00 bis 12:00h) sind dann gleichzeitig auf.

Um zu vermeiden, in den vorbeiziehenden Sturm zu geraten, haben wir die Geschwindigkeit, verlangsamt, wir werden dennoch wie geplant am 15. Januar, nun aber gegen 12 Uhr Ortszeit an der Bohrlokation ankommen. Inzwischen werden immer mehr Sturmvögel gesichtet.

Route der IODP Expedition 378
Route der IODP Expedition 378
Ein Begleiter auf dem Weg. Fotos: Ursula Röhl, MARUM
Ein Begleiter auf dem Weg. Fotos: Ursula Röhl, MARUM

10. Januar: Transit – viel zu tun...

Unsere 2.249 Seemeilen weite Fahrt von Lautoka, Fidschi zur Bohrlokation südlich von Neuseeland dauert etwa neun Tage. Wie verbringen wir diese Zeit an Bord? Keine Sorge es ist so viel zu tun! Wir haben inzwischen an einer Rettungsbootübung teilgenommen und unsere Rettungsanzüge anprobiert. 

In den Laboren wurden wir auf spezifische Sicherheitsaspekte der jeweiligen Arbeitsbereiche hingewiesen und haben über die ordnungsgemäße Archivierung der Bohrkerne viel erfahren. Außerdem wurde das gesamte Expeditionsteam mit dem generellen Arbeitsablauf (der sogenannte Core Flow aus mehreren Arbeitsschritten) in und zwischen allen Laboren vertraut gemacht.

Das Team ist für verschiedene Laborbereiche eingeteilt: Es gibt die Kernbeschreibungsgruppe, mehrere Geochemiker*innen, etliche Mikropaläontolog*innen für verschiedene Mikrofossilgruppen, Paläomagnetiker*innen, eine weitere Gruppe, die sich mit den physikalischen Eigenschaften oder der Bohrkernkorrelation beschäftigt. Darunter versteht man die parallelen Bohrungen an einer Lokation. Alle Laborgruppen arbeiten nun fieberhaft daran, sich mit den Messinstrumenten im Detail vertraut zu machen und die Eingabe der Analysen und Beschreibungen in die Datenbank zu testen. Wenn die ersten Bohrkerne an Bord kommen, sollte jeder wissen, was zu tun ist! Darüber hinaus stellt jede Laborgruppe Entwürfe für die Methodenkapitel des Expeditionsberichts zusammen. Diese enthalten Informationen, wie im Einzelnen vorgegangen wird, damit nachfolgende Expeditionsteilnehmer*innen jeden Arbeitsschritt nachvollziehen können.

Unser fröhliches Team Öffentlichkeitsarbeit, das aus Lindy (USA), Claire (Neuseeland) und Yiming (China) besteht, hat ihre Pläne für Aktionen inklusive soziale Medien, Videoschalten, Blogs und Podcasts an Bord sowie Projekte im Anschluss der Expedition in ihren jeweiligen Museen vorgestellt. Was für ein beindruckender Trommelwirbel!

Das Outreach-Team an Bord der JR (von links): Lindy Newman, Claire Concannon und Yiming Yu.
Das Outreach-Team an Bord der JR (von links): Lindy Newman, Claire Concannon und Yiming Yu.
Das dynamische Positionierungssystem hilft dabei, das Schiff beim Bohren stabil zu halten.
Das dynamische Positionierungssystem hilft dabei, das Schiff beim Bohren stabil zu halten.
Nur so kann überhaupt an einer Stelle gebohrt werden. Fotos: Ursula Röhl, MARUM
Nur so kann überhaupt an einer Stelle gebohrt werden. Fotos: Ursula Röhl, MARUM

Debbie und ich haben einen Vortrag für die Schiffscrew gehalten. Das Interesse war groß, es ist eine Gelegenheit, allen Beteiligten, die zum Gelingen der Expedition beitragen, zu danken.

Das Expeditionsteam hat eine Einführung mit Demonstrationen für das immer komplexere Feld der Bohrkernkorrelation bekommen: Bei mehreren Parallelbohrungen muss darauf geachtet werden, dass sich die Kerne überlappen, damit wir eine vollständige Abfolge aus verschiedenen Bohrungen definieren können.

Ein Vortrag über Vorarbeiten an der geplanten Bohrlokation rundete diesen Tag ab. Beindruckend immer wieder auch die Tour vom Operations Superintendent von Brücke bis Maschinenraum. Staunenswert dabei auch das dynamische Positionierungssystem, das ermöglicht es, ein Schiff überhaupt relativ stabil über einem Bohrloch zu positionieren und zu bohren.

Das Schiff zieht ein Instrument, das die Intensität des geomagnetischen Feldes misst. Foto: Ursula Röhl, MARUM
Das Schiff zieht ein Instrument, das die Intensität des geomagnetischen Feldes misst.
Und da ist das Magnetometer!
Und da ist das Magnetometer!
Diese Messung ist nur außerhalb jeglicher sogenannter Ausschließlicher Wirtschaftszonen möglich.
Diese Messung ist nur außerhalb jeglicher sogenannter Ausschließlicher Wirtschaftszonen möglich.
Nach dem Bergen wird das Instrument gereinigt.
Nach dem Bergen reinigt die Crew das Instrument...
Das relativ kleine Instrument ist am Heck des Schiffs mit einem Tau befestigt. Fotos: Ursula Röhl, MARUM
Das relativ kleine Instrument ist am Heck des Schiffs mit einem Tau befestigt. Fotos: Ursula Röhl, MARUM
Und die Knabberspuren eines Tiers werden sichtbar.
... und entdeckt Knabberspuren eines Tieres.
Sonnenuntergang auf dem Helideck.
Sonnenuntergang auf dem Helideck.

Als wir in internationalen Gewässern außerhalb jeglicher sogenannter Ausschließlicher Wirtschaftszonen waren, bestand die Möglichkeit ein Messinstrument, das die Intensität des geomagnetischen Feldes misst, hinter dem Schiff herzuziehen. Mit Hilfe dieser Daten kann der magnetische Charakter des Meeresbodens quasi während der Fahrt ermittelt werden. Debbie und ich konnten bei der Bergung und Reinigung des Instruments durch marine Techniker am Heck unter dem Hubschrauberdeck dabei sein. Das Instrument zeigt im vorderen Drittel Abdrücke, wahrscheinlich von einem Haibiss, und ist nun bis zum nächsten Einsatz in internationalen Gewässern auf unserem Weg am Ende der Expedition nach Tahiti eingelagert. Dieser Einsatz war dann auch eine guter Anlass, sich endlich auf dem darüberliegendem Hubschrauberdeck – zumal bei Sonnenuntergang – etwas die Beine zu vertreten.

Ursula Röhl

9.Januar: Die Welt der JOIDES RESOLUTION

Erste Sicherheitsübung an Bord der JR – ausgestattet mit Helm, Sicherheitsweste und festen Schuhen. Foto: Simon George, IODP
Erste Sicherheitsübung an Bord der JR – ausgestattet mit Helm, Sicherheitsweste und festen Schuhen. Foto: Simon George, IODP

Ein Schiff, 30 Wissenschaftler*innen aus zwölf Nationen mit einem gemeinsamen Ziel: Südpazifik! Am 6. Januar stechen wir mit der JOIDES Resolution („JR“) in See mit Kurs gen Süden. Aus tropischen Gefilden in Fiji machen wir uns auf die Reise zum Campbell Plateau, 176 Kilometer südlich der Auckland Island gelegen (52°S), wofür wir 35 Breitengrade durchqueren werden. Dafür sind neun Tage Transit-Zeit angesetzt worden. Doch diese Zeit wird nicht zum Kaffeetrinken und Sonnen genutzt.

Um uns auf die großen wissenschaftlichen Herausforderungen dieser Expedition in aller Sorgfalt und Gründlichkeit vorzubereiten, werden wir über die kommenden Tage geschult. Um in die „Welt der JOIDES Resolution“ einzutauchen, hören wir anfangs Vorträge, die uns mit den Dimensionen dieses schwimmenden Labors vertraut machen werden.

Die JR ist seit 1985 im Einsatz wissenschaftlicher Bohrfahrten auf den Meeren unseres Planeten unterwegs. Auf 143 Meter Schiffslänge und sieben Decks verteilen sich Lagerräume, Maschinenraum, Labore, Brücke, Aufenthalts- und Computerraum, ein Kino, Kabinen, Kombüse, ein kleines „Krankenhaus“, Bibliothek und das wohl auffälligste Merkmal: Der 61.5 Meter hohe Bohrturm. Um uns in diesem Labyrinth zurechtzufinden, führt uns die Crew durch das Schiff. Dabei bekommen wir Tipps, wie wir unser Leben auf der JR am besten gestalten, sodass es angenehme vier Wochen auf See werden. Fragen wie „Wann gibt es Essen?“, „Wie trenne ich meinen Müll an Bord?“, „Wen rufe wir an, wenn die Toilette verstopft ist?“, „Wie und wo kann ich Emails abrufen, und wie halte ich Kontakt mit der Außenwelt, während wir an Bord sind?“ werden beantwortet. Für Außenstehende mögen diese Fragen banal wirken, an Bord sind sie essentiell. Noch dazu ist es für viele der Wissenschaftler*innen die erste Expeditionsfahrt auf der JR und daher eine völlig neue Welt.

Auf dem Schulungsplan steht auch das Thema Sicherheit. An Bord der JR gilt das Motto „Safety First“! Der Kapitän und der erste Offizier eröffnen, dass es wöchentlich Sicherheitstrainings gibt, in denen Feueralarm und Notfälle simuliert werden. Wir lernen, wie wir uns im Fall eines Notfalls kleiden, wo sich Schwimmwesten und Überlebensanzüge, Notausgänge und Notfallsammelplätze befinden. Und dann klingelt direkt am Dienstag, 7. Januar, der Alarm. Alle Wissenschaftler*innen müssen sich am richtigen Rettungsboot einfinden – mit Helm, Sicherheitsbrille und geschlossenen Schuhen ausgestattet. Dabei dürfen wir uns auch mal in die Rettungsboote von innen ansehen (nichts für Klaustrophobiker*innen).

Die JR als „schwimmendes Labor“ zu bezeichnen, rührt nicht von irgendwo her: An Bord befinden sich um die acht verschiedenen Labore, in denen unter anderem eine Menge Chemikalien gelagert werden und beeindruckende wissenschaftliche Gerätschaften stehen. Da darf natürlich eine Aufklärung über das Risiko bei der Arbeit mit Chemikalien und Sicherheitsrisiken in Punkto Strahlung nicht fehlen.

Blick von der Brücke. Foto: Ursula Röhl, MARUM
Blick von der Brücke. Foto: Ursula Röhl, MARUM

Dann nimmt uns Drilling Operation Superintendent Kevin Grigar auf eine Tour mit, die uns an die Orte und Anlagen auf dem Schiff führt, die diese Ausfahrt und unsere Forschung überhaupt ermöglichen. Erster Stopp ist die Brücke: Wir erhalten Einblick in die faszinierende Welt des Kapitäns und seiner Unteroffiziere. Sie steuern die JR Tag und Nacht in Richtung Süden zum Campbell Plateau südlich von Neuseeland. Nicht nur die Anzahl an Radaren, Steuerelementen und weiteren bunt-leuchtenden Knöpfen beeindruckt, sondern auch die spektakuläre Aussicht.

Von der Brücke machen wir uns auf in Richtung Heck. Wir machen Halt am ersten von zwei Lagerplätzen der Bohrstangen und Kevin erklärt, wie diese in Richtung Bohrturm über eine Rampe heraufgezogen werden. Anschließend kommen wir am magischen Ort dieses Schiffes an: dem Bohrturm. Zwar dürfen wir nicht auf den Turm heraufsteigen - dafür sind die Mechaniker an Bord speziell trainiert und tragen Sicherheitsequipment, um Stürze zu vermeiden. Aber unten drunter zu stehen und in den 61.5 Meter (zum Vergleich: das ist eine Höhe von etwa acht Einfamilienhäusern) hohen Bohrturm hinaufzuschauen, ist genauso spektakulär.

Labyrinth des Bohrgestänges: Aneinandergelegt hat die JR 8.000 Meter an Bohrgestänge dabei! Foto: Swaantje Brzelinski, IODP
Labyrinth des Bohrgestänges: Aneinandergelegt hat die JR 8.000 Meter an Bohrgestänge dabei! Foto: Swaantje Brzelinski, IODP
Das Kernstück der JR, der Bohrturm, ist 61,5 Meter hoch. Foto: Ursula Röhl, MARUM
Das Kernstück der JR, der Bohrturm, ist 61,5 Meter hoch. Foto: Ursula Röhl, MARUM
Von dieser Kabine aus wird der Bohrvorgang gesteuert. Foto: Ursula Röhl, MARUM
Von dieser Kabine aus wird der Bohrvorgang gesteuert. Foto: Ursula Röhl, MARUM
Für jede Bohrtechnik gibt es spezielle Bohrköpfe, mit denen in den Ozeanboden gebohrt wird. Foto: Ursula Röhl, MARUM
Für jede Bohrtechnik gibt es spezielle Bohrköpfe, mit denen in den Ozeanboden gebohrt wird. Foto: Ursula Röhl, MARUM

Kevin zeigt uns die Kabine, von der aus die Gerätschaften des Bohrturms aus gesteuert und kontrolliert werden, unter anderem die Last, die der Bohrturm aushält. Ein wenig erinnert diese Kabine an die eines Kranführers, nur viel größer und spektakulärer. Anschließend bewegen wir uns ein Stockwerk tiefer, mit Blick auf ein Labyrinth aus unzähligen Bohrstangen: Hier lagern weitere sage und schlage 8.000 Meter Bohrgestänge.

Weiter geht es zu Bubba Attryde (Core Tech/Toolpusher) und Mark Robinson (Offshore Installation Manager), die uns die verschiedenen Bohrtechniken und die dafür nötigen Bohrköpfe vorführen. Auf den ersten Blick erscheinen diese wie unfassbar massive, metallene Monsterköpfe, mit lustigen Knöpfen auf den Rotoren. (Foto). Doch diesen um die 35.000 US-Dollar teuren Bohrköpfen verdanken wir im Endeffekt unzählig erfolgreich erbohrte Kerne des internationalen Ozeanbohrprogramms (IODP). Essentiell dabei ist natürlich die langjährige Erfahrung und Expertise der Driller! 

Unsere Tour endet im Maschinenraum. Brummende und ratternde Geräusche vibrieren in unseren Ohren, etwas abgemildert durch vorher zur Verfügung gestellten Hörschutz. Hier wird uns noch einmal die Dimension der JR vor Augen (und Ohren) geführt, was für ein massives und großes Schiff!

Völlig baff und beeindruckt beenden wir unsere Tour und bleiben gespannt auf die Abenteuer, die uns im kommenden Monat erwarten.

Ahoi von der JR!

Swaantje Brzelinski, Doktorandin am Institut für Geowissenschaften der Universität Heidelberg

7. Januar: Portcall und Abreise

Die JR kehrte am Tag meiner Ankunft auf Fidschi erst wieder nach auf See überstandenen Sturm in den Hafen von Lautoka zurück, und nach diesem dunkelgrauem und aufgrund des Dauerregens sehr schwülem Montag schien am nächsten Tag bei viel angenehmerer, leichter Brise endlich die Sonne. Ausflüge an Strand, beeindruckende Küstenabschnitte mit zum Teil atemberaubenden Wäldern erleichterten etwas das Eingewöhnen an Klima und Zeitzone. Am Freitag, 3. Januar, ging es für uns Co-Chief Scientists bereits an Bord mit einem ersten Tag voller Besprechungen, aber auch endlich ans Gepäck auspacken in unseren Kabinen auf dem Brückendeck! 

Wir haben es uns nicht nehmen lassen, am Tag darauf das Wissenschaftlerteam – zu dem Zeitpunkt noch im Hotel am Flughafen Nadi – persönlich in Empfang zu nehmen und gemeinsam mit dem gecharterten Bus in den Hafen von Lautoka zur JR zu fahren. Nach großem Hallo haben alle ihre Kammern an Bord gefunden und sich eingerichtet. Dann stand gab es erstmal eine erste allgemeine Sicherheitseinweisung. Das Küchenteam versorgt uns mit einer Auswahl an schmackhaften Mahlzeiten, sorgsam wird auf persönliche Vorlieben oder mögliche Unverträglichkeiten Rücksicht genommen.

 

Ihr Zuhause für die die kommenden Wochen: Fahrtleiterin Ursula Röhl, Expeditionsmanagerin Laurel Childress und Fahrtleiterin Debbie Thomas auf der Gangway der JOIDES RESOLUTION.
Ihr Zuhause für die die kommenden Wochen: Fahrtleiterin Ursula Röhl, Expeditionsmanagerin Laurel Childress und Fahrtleiterin Debbie Thomas auf der Gangway der JOIDES RESOLUTION.
Kabinenausblick aufs Brückendeck
Kabinenausblick aufs Brückendeck.
Busfahrt der Teammitglieder vom Hotel zum Schiff.
Busfahrt der Teammitglieder vom Hotel zum Schiff.

Die nächsten beiden Tage waren durch eine ganze Reihe von Meetings gekennzeichnet: Zunächst stellten wir eine Zusammenfassung der wissenschaftlichen Ziele der Expedition vor und diskutierten, wie die verschiedenen Fachkenntnisse der Teilnehmer optimal eingesetzt werden können. Dann präsentierte Laurel Childress, unsere Expeditionsmanagerin, generelle Tages- und Arbeitsabläufe an Bord vor.

Ein besonderer Tag ... wir laufen aus!

Am Montag, 6. Januar, war es dann endlich soweit: die letzte Leine wurde um 7:20 Uhr Ortszeit gekappt, die JR startete, unterstützt von zwei Pilotbooten, nach dem relativ kurzen Hafenaufenthalt (sogenannter Portcall) dieser Expedition, die offiziell am 3. Januar begann, die Reise in den Süden. Alle Teilnehmer an Bord versammelten sich auf dem obersten Deck, um euphorisch das Geschehen zu beobachten. Endlich geht es los!

Los geht's! Glückliche Fahrtleiterinnen auf der JOIDES RESOLUTION.
Los geht's! Glückliche Fahrtleiterinnen auf der JOIDES RESOLUTION.
Leinen los! Nächster Stop: die Bohrlokation südlich von Neuseeland.
Leinen los! Nächster Stop: die Bohrlokation südlich von Neuseeland.

Drilling Superintendent, Kapitän und Schiffsarzt haben dann sich und ihre jeweiligen Arbeitsabläufe vorgestellt, und am ersten Nachmittag auf See haben alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre wissenschaftlichen Pläne in Kurzvorträgen vorgestellt. Besonders beindruckt hat, dass zu diesem relativ frühen Zeitpunkt der Expedition mehrere Teilnehmer bereits gemeinsame Projekte formuliert haben, der legendäre IODP-Teamgeist scheint schon zu wirken. Vor uns liegen noch circa sieben weitere Transit-Tage, an denen es viel in den Laboren zu lernen und testen geht. Die See ist weiterhin noch sehr ruhig und alle sind wohlauf.

Ursula Röhl

1. Januar: Weihnachten 2019 – und es kam dann doch anders

Ein paar Tage vor Weihnachten begann der sonst allgegenwärtige Emailstrom zu versiegen, und so langsam setzte etwas Entspannung ein. Die Planungen und aufwändigen Vorbereitungen für IODP Expedition 378 standen, und die Gedanken waren eher bei der persönlichen Packliste.

Ich freute mich auf die Abreise nach Fidschi, wo ich das amerikanische IODP Bohrschiff JOIDES Resolution (die „JR“), auf dem ich zuvor bereits an sechs zweimonatigen Expeditionen teilgenommen hatte, wiedersehen und alle 30 Teilnehmer des internationalen Teams von Forschenden treffen würde. Diesmal in neuer Rolle als sogenannter Co-Chief Scientist, zusammen mit Debbie Thomas von der Texas A&M University (USA).

Endlich sollte es losgehen, nachdem die ursprünglich für den Herbst 2018 angesetzte Expedition aus technischen Gründen (das Bohrschiff JOIDES Resolution benötigte zu dem Zeitpunkt neue Schiffspropeller) zunächst auf den Jahreswechsel 2018/2019 und dann letztendlich auf Anfang 2020 verschoben wurde. Die leicht mulmigen Gefühle, die sich einstellten, als die Wettervorhersage für das Wochenende tropische Stürme im Pazifik ankündigen, ließen sich gedanklich noch relativ leicht beiseiteschieben.

Die Nachrichten ... ein Schock?

Die Weihnachtswoche mit Familienbesuchen und Weihnachtsstimmung begann und alles schien in bester Ordnung - bis mich am Tag vor Heiligabend während eines Weihnachtsmarktbesuchs drei Nachrichten aus Texas mit der Bitte um sofortigen Rückruf erreichten. Ich erfuhr, dass bei einer Inspektion neue technische Probleme mit der JR, diesmal mit der Struktur und Stabilität des Bohrturms, entdeckt wurden. Diese hatten zur Folge, dass aus Sicherheitsgründen der Turm nur mit einem Bohrstrang bis zu maximal zwei Kilometern belastet werden darf.

Das hat große Auswirkungen auf Expedition 378 „South Pacific Paleogene Climate“, wo vier der fünf geplanten, sogenannten primären Lokationen in Wassertiefen von mehr als vier oder fünf Kilometern liegen und somit zu diesem Zeitpunkt mit dem Bohrstrang der JR unerreichbar – im ersten Moment eine sehr große Enttäuschung.

Weihnachtsstimmung und Entspannung waren im Nu verflogen, und es setzten über Weihnachten ein paar hektische Tage mit zahlreichen Telefonaten und Videokonferenzen ein, es galt Optionen zu diskutieren und weiteres Vorgehen zu entscheiden. Es wurde schnell klar, dass nur eine der geplanten Lokationen in 1.200 Metern Wassertiefe angegangen werden kann, die Expeditionszeit dementsprechend verkürzt und Transitzeiten, Hafenaufenthalte und Reisemodalitäten neu definiert werden mussten. Soll die JR doch dann auch so schnell und auf direktem Wege nach Panama um die aufwändigen Reparaturarbeiten vorzunehmen. Die logistische Unterstützung aus Texas und IODP-Gremien war trotz der Feiertage phänomenal und die positiven und aufmunternden Reaktionen aus dem Wissenschaftlerteam haben uns nahezu überwältigt.

Das Glas ist weit mehr als halb voll....

Schnell war uns allen klar, dass die machbare Bohrlokation umso mehr ein echtes Highlight ist. Es ist eine Lokation, die 1973 während eines Vorläuferprogramms (DSDP) mit einer einzigen Bohrung angegangen wurde, in dem für uns besonders interessanten Zeitintervall des Paläogens aber nur stichprobenartig gekernt wurde. Damals wurde zudem ausschließlich im Rotationsbohrverfahren gebohrt, welche für unverfestigtes Sediment sehr weit davon entfernt ist ungestörtes, qualitativ hochwertiges Material zu liefern. Dennoch gilt die Site 277 als klassische Abfolge des Känozoikums, das jüngste zurzeit andauernde geologische Erdzeitalter, das vor 66 Millionen Jahre begann. Eine der ersten Temperaturkurven für diesen Gesamtzeitraum und wurde aus dem damals nur spärlich vorhandenen Material und daraus resultierenden, relativ wenigen Messpunkten von Jim Kennett und Sir Nicholas Shackleton 1975 publiziert.

Während der in den frühen Januartagen von Lautoka, Fidschi, beginnenden Expedition besteht nun die ausgezeichnete, einmalige Gelegenheit, Site 277 mit moderner Bohrtechnik inklusive Einsatz des Advanced Piston Coring (APC) Systems in mehreren Parallelbohrungen, die eine kontinuierliche, hochqualitative und komplette Abfolge in hoher Auflösung ermöglichen, anzugehen. Zudem besteht die Möglichkeit die Bohrung auf bis zu 670 Meter unter dem Meeresboden zu vertiefen, wodurch im Gegensatz zur spärlich beprobten Abfolge aus 1973, die bei 480 Meter unter dem Meeresboden endete, auch die Kreide-/Paläogengrenze und damit der Beginn des Känozoikums vor 66 Millionen Jahren und sogar Teile der Oberkreide erreicht werden können!

Die Anreise ....

Während all diesem Geschehen entwickelte sich Zyklon Sarai (Kategorie 2, mit Winden um die 110 km/h und Böen von bis zu 150 km/h) von Westen kommend in Richtung Fidschi, Tausende Menschen wurden evakuiert und die zuvor im Hafen von Lautoka eingetroffene JR suchte im Süden der Inseln Schutz auf See.

Das war der Zeitpunkt, als ich meine 38-stündige Anreise antrat und in Texas fieberhaft an den neuen Daten der auch zeitlich verkürzten Expedition, die Auswirkungen auf Reisemodalitäten haben, gearbeitet wurden. Einreisen in Fidschi ist ohne Visum möglich, wenn man ein Rückflugticket vorweisen kann. Da die Teilnehmer am Ende der Expedition - nun 6. Februar statt vorher 4. März, nicht von Fidschi, sondern Tahiti heimreisen werden, stand wegen der kurzen Vorlaufzeit um die Weihnachtsfeiertage ein aktualisiertes Unterstützungsschreiben aus Texas noch aus. Man war aber optimistisch in Kooperation mit dem Immigrationsbüro auf Fidschi dieses dennoch zeitgerecht zu verschicken. Dann kam Zyklon Sarai und öffentliche Einrichtungen wurden geschlossen. Auf meinem Flug von London nach Los Angeles mit freiem Wlan-Zugang erreichte mich die Nachricht aus Texas, dass ich unbedingt vor der Ankunft auf Fidschi ein (stornierbares, voll erstattungsfähiges) Flugticket von Fidschi an einen Ort der Wahl erwerben müsste um in Fidschi überhaupt einreisen zu können, im Moment der Landung wurde das eTicket ausgestellt und ich konnte am Schalter von Fiji Airlines meine Boardingcard für den Weiterflug nach Nadi, Fidschi bekommen. Nach Ankunft auf Fidschi nach turbulenten und um mehrere Stunden verspäteten Flug sowie längeren Verhandlungen mit verschiedenen Immigration Officers am Flughafen konnte ich schließlich einreisen. Fidschi war allerdings zu dem Zeitpunkt noch eine Insel, die unter dem auslaufenden Zyklon und den Folgen litt (starke Winde, Dauerregen, Stromausfälle).

Happy New Year Fidschi! ...

Inzwischen ist der Spuk vorbei und nach und nach kommen die Teilnehmer aus zwölf Ländern hier an. Wir haben hier zwölf Stunden vor Bremen das Neue Jahr begrüßt!

Ursula Röhl 

Anreise Fidschi
Nach über 30 Stunden Anreise nähert Ursula Röhl sich den Fidschi-Inseln. Foto: MARUM - Zentrum für Marine Umweltwissenschaften, Universität Bremen, U. Röhl
Angekommen auf Fidschi
Neujahr unter Palmen. Foto: MARUM - Zentrum für Marine Umweltwissenschaften, Universität Bremen, U. Röhl