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Krise des zentralafrikanischen Regenwaldes vor 2600 Jahren menschengemacht

28.02.2018
Internationales Forscherteam veröffentlicht neue Befunde in Fachzeitschrift PNAS
Leichte Bohrplattform auf dem Barombi-See. Mit ihr konnten im rund 100m tiefen Barombi-See Sedimentproben erbohrt werden, die anschließend im Labor analysiert wurden. Man beachte das afrikanische ‚Wassertaxi‘ neben der Plattform. Foto: Yannick Garcin, Uni
Leichte Bohrplattform auf dem Barombi-See. Mit ihr konnten im rund 100m tiefen Barombi-See Sedimentproben erbohrt werden, die anschließend im Labor analysiert wurden. Man beachte das afrikanische ‚Wassertaxi‘ neben der Plattform. Foto: Yannick Garcin, Universität Potsdam

Dass der Mensch etwa durch Städtebau und Landwirtschaft seine Umwelt seit tausenden Jahren verändert, ist bekannt. Allerdings wird der zentralafrikanische Regenwald meist als urwüchsig und weitgehend frei von menschlichen Einflüssen angesehen. Als daher vor mehr als 20 Jahren entdeckt wurde, dass der Regenwald in Kamerun vor 2600 Jahren plötzlich verschwand und von einer Savannen-Landschaft abgelöst wurde, war das Urteil eindeutig: Es konnte nur das Klima gewesen sein, das den Regenwald verschwinden und etwa 600 Jahre später genauso schnell wieder zurückkommen ließ. Welche Klimaänderung genau dafür die Ursache gewesen sein sollte, blieb jedoch im Dunkeln. Dass diese Annahme nicht stimmt und der Mensch für die Regenwaldkrise verantwortlich war, fand jetzt ein internationales Forscherteam unter Beteiligung von MARUM-Wissenschaftlerinnen und -Wissenschaftlern heraus. 

Ihre Studie hat das internationale Team in der Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) veröffentlicht. 

Unter der Leitung von Dr. Yannick Garcin von der Universität Potsdam wurden 2014 neue Bohrkerne aus dem Barombi-See im südlichen Kamerun gewonnen, die mit modernsten Methoden untersucht wurden. „Wir haben eindeutige Belege für die Regenwaldkrise anhand von Pollen und Isotopenzusammenstellungen von Pflanzenresten gefunden“, sagt Dr. Lydie Dupont vom MARUM – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen. „Allerdings zeigen unsere isotopischen Analysen keinerlei Änderung des Regenfalls für diese Zeit“, ergänzt Dr. Enno Schefuß vom MARUM. Die Lösung des Rätsels lag in der Archäologie.

Eine zeitliche Zusammenstellung aller archäologischen Funde aus der Region wie Feuerstellen, Keramikreste und Spuren von Eisenverhüttung hat eindeutig gezeigt, dass die Bevölkerungsdichte und menschliche Aktivitäten vor etwa 2600 Jahre rasch zugenommen hat. Die Befunde zeigen jedoch auch, dass der Regenwald genauso schnell zurückkehrte, als die Bevölkerungsdichte vor etwa 2000 Jahren vor heute wieder abnahm. Lediglich in den geologischen Archiven lässt sich der menschliche Fußabdruck in Zentralafrika nachweisen. 

Originalpublikation
Yannick Garcin, Pierre Deschamps, Guillemette Ménot, Geoffroy de Saulieu, Enno Schefuß, David Sebag, Lydie M. Dupont, Richard Oslisly, Brian Brademann, Kevin G. Mbusnum, Jean-Michel Onana, Andrew A. Ako, Laura S. Epp, Rik Tjallingii, Manfred R. Strecker, Achim Brauer and Dirk Sachse. (2018). Early anthropogenic impact on Western Central African rainforests 2,600 y ago. PNAS. DOI: 10.1073/pnas.1715336115

Beteiligte Institute: 
Universität Potsdam (UP), Helmholtz-Zentrum Potsdam – Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ, MARUM – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen, Alfred-Wegener-Institut Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI), Potsdam, CEREGE – IRD, Aix-Marseille Université (Frankreich), Université de Lyon, Ens de Lyon (Frankreich), PALOC – IRD (Frankreich), UNIROUEN, UNICAEN (Frankreich), LCE, Aix-Marseille Université (Frankreich), University of Yaoundé I (Kamerun), IRGM (Kamerun)

Mehr Informationen

Kontakt: 
Dr. Enno Schefuß
Telefon: 0421 218 65526
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Dr. Lydie Dupont
Telefon: 0421 218 65532
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Bildmaterial: 
Ulrike Prange
MARUM Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Telefon: 0421 218 65540
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