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Kabeljau - Knurrhahn

Kabeljau,Dorsch,Skrei

Wie unterscheiden sich Kabeljau, Dorsch und Skrei voneinander?
Marion Rollin, Hamburg

Häufig haben Tiere oder Pflanzern derselben Art unterschiedliche Namen. Diese Synonyme entstehen durch regional abweichenden Sprachgebrauch oder aber, wenn ein und dieselbe Pflanzen- oder Tierart in unterschiedlichen Variationen auftritt. Erst das vom schwedischen Naturforscher Carl von Linne (1707-1778) entwickelte System der binären Nomenklatur mit Gattungs- und Artnamen sorgte hier für Klarheit; auch bei den Fischarten. Demnach handelt es sich bei Kabeljau, Dorsch und Skrei um dieselbe Art: Gadus morhua. Fische dieser Art besiedeln den Nordatlantik, das Nordmeer, aber auch die Ostsee und werden im Englischen einheitlich als Atlantic cod bezeichnet. Hierzulande kommen Fänge aus Nordsee und Atlantik als Kabeljau auf den Markt. Der in der Ostsee gefangene Gadus morhua ist in der Regel etwas kleiner. Er wird zumeist als Dorsch bezeichnet. Auch der norwegische Name Skrei hat sich hierzulande eingebürgert. Er steht für jene Hochseefische, die zumeist im Winter vor den norwegischen Lofoten in die Netze gehen. Nicht auszuschließen ist indes, dass hin und wieder ein naher Verwandter von Gadus morhua auf den Tellern der Verbraucher landet: Gadus macrocephalus, der pazifische Kabeljau, der insbesondere als Tiefkühlkost angeboten wird.

Kajak oder Kanu

Was ist ein Kajak, was ein Kanu?
Wolfgang Schiemann, Hamburg


„ … und was ein Kanadier?“, ließe sich ergänzen. Angesichts der mehrtausendjährigen Entwicklungsgeschichte dieser Bootstypen steht und fällt die K-Frage mit der Nationalität dessen, der sie beantwortet.

Im Deutschen ist „Kanu“ Oberbegriff für alle Paddelboote; dazu zählen offene und geschlossene Boote. Offene heißen Kanadier und werden per Stechpaddel, geschlossene heißen Kajaks und werden per Doppelpaddel bewegt. (Ausnahmen bestätigen diese schlichte Definition).

Das Wort „kanu“ ist indianischer Herkunft. Die offenen Boote wurden in tropischen und subtropischen Regionen Amerikas aus dem Einbaum entwickelt und erreichten ihre höchste Blüte in Nordamerika. Als britische Kolonisatoren bei der Erkundung Nordamerikas auf die leichten, schnellen Boote stießen, übernahmen sie den Begriff – und übertrugen ihn später auf die noch schnelleren, geschlossenen Kajaks der Inuit.

Heute spricht man in Britannien von „canoe“ als Oberbegriff, von „canadian“, wenn man offene Kanadier meint. Jenseits des Atlantiks sorgt diese Sprachlösung für Erheiterung, denn so kommt es schon mal zum Ausdruck „canadian canoe“. Denn in Kanada und den USA bezeichnet Kanu auch heute noch nur das, was wir Kanadier nennen.

Kalte Quellen

Was versteht man unter „Kalten Quellen“?
Besucher auf dem Wissenschaftssommer 2012 in Lübeck

Tief unter dem eigentlichen Meerwasser sind im Meeresboden große Wassermengen enthalten. Ihr Volumen wird auf 20 Millionen Kubikkilometer geschätzt. Aufgrund geologischer Prozesse tritt dieses Wasser in manchen Regionen aus dem Meeresboden aus. Die mit chemischen Stoffen angereicherten und oftmals mit Methangas gesättigten Wässer bezeichnet man als Fluide; deren Austrittsstellen als kalte Quellen oder „cold seeps“ oder „cold vents“. Ihre Namen erhielten die Quellen als Gegenstück zu den heißen Quellen, auch Hydrothermalsysteme genannt, aus denen über 400° Celsius heißes Wasser sprudeln kann. Die Fluide der kalten Quellen sind nur ein paar Grad wärmer als das sie umgebende Meerwasser. Die darin enthaltenen chemischen Verbindungen dienen als Lebensgrundlage für ein speziell angepasste Ökosysteme. In der Dunkelheit und Kälte der Tiefsee bilden kalte Quellen Oasen des Lebens. Sie sind dicht besiedelt von Lebewesen wie Muscheln oder Bartwürmer, die in Symbiose mit Bakterien leben. Ausgangsstoff für diese ungewöhnliche Nahrungskette ist Methan, das von Mikroorganismen in Schwefelwasserstoff umgewandelt wird. Dieser wird von den Symbionten der größeren Organismen genutzt, um für die Wirtsorganismen verwertbare Kohlenwasserstoffe herzustellen.

Kaltwasserkorallen

Was sind Kaltwasserkorallen?
Timo Eichner, London

Was ist das? Es wimmelt von Leben: Schwämme, Seeigel, Muscheln, Schnecken, Fische glitzern in allen Farben. Klar, es handelt sich um ein Korallenriff im flachen, tropischen Wasser. Zumindest waren Forscher bis vor einigen Jahrzehnten davon überzeugt, dass es sich nur darum handeln kann. Jetzt wissen wir, dass in kalten und zum Teil sogar lichtlosen Tiefen der Großteil aller Korallen weltweit wächst. Dort ernähren sie sich – im Gegensatz zu ihren warmen Brüdern – ausschließlich von dem, was sie an Kleinstpartikeln aus dem Wasser fangen. In Tiefen von 40 bis zu erstaunlichen 3.000 Metern beherbergen diese zerbrechlichen Ökosysteme mit 1.300 sogar mehr Arten als ihre tropischen Verwandten. Sie wachsen genauso langsam und bilden ebenfalls riesige Riffe, z.B. das Röst-Riff vor Norwegen. Noch wissen wir kaum, wo überall sie zu finden sind; immer wieder tauchen neue Berichte auf. Kaum entdeckt sind diese Wunder der Tiefsee akut bedroht: Tonnenschwere Schleppnetze rasieren den Meeresboden regelrecht ab. Etliche Korallenriffe im Ostatlantik wurden bereits weitgehend zerstört. „Tiefsee-Fischerei ist mit dem Kahlschlag eines Urwaldes gleichzusetzen. Ein Grundschleppnetz zerstört alles, was ihm in den Weg kommt“, erklärt Antje Helms, Meeresbiologin bei Greenpeace.

Kapitäne und Schiffsuntergang

Warum gehen Kapitäne so leichtherzig mit ihren Schiffen unter, ohne auch nur den Versuch zu machen, sich zu retten?
Christian Redeligx, per Email

Unser Leser bezieht sich auf den Untergang der Laconia. Der britische Truppentransporter wurde 1942 von einem deutschen U-Boot torpediert. 1.650 Menschen ertranken, darunter Kapitän Rudolph Sharp. Aus der Tragödie lässt sich indes nicht ableiten, dass Kapitäne, dem ungeschriebenen Gesetz „Frauen und Kinder zuerst“ folgend, immer als letzte von Bord gehen oder gar „leichtherzig“ mit ihren Schiffen untergehen. Im Gegenteil: Mikael Elinder und Oscar Erixson untersuchten 18 Schiffsuntergänge aus drei Jahrhunderten. In ihrer Studie, die 2012 in den Proceedings of the National Academy of Sciences erschien, stellen die Forscher der Universität Uppsala fest, das Kapitäne und Besatzungsmitglieder Schiffsuntergänge in einem signifikant höherem Maß überleben als Passagiere. Das zurzeit laufende Justizverfahren gegen Kapitän Francesco Schettino, der im Januar 2012 seine kenternde Costa Concordia frühzeitig verließ, scheint das zu bestätigen. „Allerdings muss man immer den Einzelfall betrachten“, sagt Kapitän Lutz Mallon vom Forschungsschiff Sonne. Und Niels Jakobi, der der Leitstelle Deutsche Forschungsschiffe vorsteht, ergänzt: „Wie Menschen in extremen Ausnahmesituationen agieren, lässt sich nur schwer vorhersagen.“

Kapitäninnen

Gibt es eigentlich Kapitäninnen?
Anna-Lina Bombis, per Email

Seit 1998 gibt es das Studium zur Nautikerin, so die offizielle Berufsbezeichnung von weiblichen Offizieren und Kapitänen. So sind im Studiengang Diplom-Wirtschaftsingenieur, den die Bremer Hochschule für Nautik anbietet, derzeit 410 Studierende eingeschrieben; 372 Männer und 38 Frauen. Daraus ergibt sich ein Frauenanteil von rund 9,3%. Dass legt den Schluss nahe, dass sich der Anteil weiblicher Offiziere auf den Schiffen der Bundesmarine bzw. an Bord der unter deutscher Flagge fahrenden Frachter zukünftig erhöhen wird. Denn bei der Marine sind derzeit 5.167 Offiziere tätig – im Truppen- und Sanitätsdienst, im Geo- und Informationsdienst sowie im militärfachlichen Dienst. 420 davon sind Frauen, was einen Anteil von 8,1% ergibt. Von diesen haben 104 den Kapitänsrang. Auf den Schiffen der deutschen Handelsmarine sieht das Verhältnis schlechter aus. Aus den Statistiken des Verbands Deutscher Reeder geht hervor, dass am30. Juni 2010 insgesamt 4.507 Kapitäne, nautische bzw. technische Offiziere auf den Kommandobrücken Dienst taten. Nur 2,7% davon waren Frauen. Dabei standen 1.438 männlichen Kapitänen lediglich 10 Frauen in gleicher Funktion gegenüber. Das sind 0,7%.

Kap Hoorn I

War der Kap Hoorn-Felsen in seiner tatsächlichen Gestalt in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eigentlich bekannt?
Klaus-Dieter Scheer, Goldenstedt

Die früheste Ansicht des 1616 von Willem Schouten erstmals beschriebenen Kaps stammt wohl von James Cook. Auf seiner ersten Weltumsegelung entstand im Januar 1769 eine Küstenansicht, in der das Kap als steiler Felsen aufragt. Ein genaueres Bild entsteht erst, als mit dem einsetzenden Tourismus ab der Mitte des 19. Jahrhunderts vermehrt wohlhabende Amerikaner und Europäer Kap Hoorn ansteuern. Die Wiener Weltreisende Ida Pfeiffer sichtet kahle, spitze Berge, als sie am 3. Februar 1847 an Bord eines englischen Seglers Kap Hoorn passiert. Zwar enthält ihr 1850 publizierter Bericht über „eine Frauenfahrt um die Welt“ keine Illustrationen. Zwei Jahre später wird in London jedoch eine englische, mit farbigen Stichen angereicherte Übersetzung veröffentlicht. Auf deren Titelseite ist ein Schiff mit dem Kap im Hintergrund abgebildet. 1879 erscheint in London eine Monografie über die Reisen Ida Pfeiffers. Sie enthält Stiche mit Landschaftsimpressionen, darunter eine recht naturgetreue Abbildung der Südspitze Südamerikas. Leider fehlen Angaben zu Autor oder Entstehungszeitpunkt. Beide Stiche zählen, gemeinsam mit wenigen anderen, ebenfalls zu Beginn der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erschienenen, wohl zu den ersten genaueren Abbildungen des legendären Kaps.

Kap Hoorn II

Wer war zuerst am Kap Hoorn? Francis Drake 1578 oder Willem Schouten 1616?
Ekkehard Klug, per E-Mail

Unstrittig ist, dass der holländische Seefahrer Willem Schouten 1616 die Gestalt des Kaps als Erster beschrieb. Tatsache ist aber auch, dass der englische Freibeuter Francis Drake sich mit seiner Galeone „Golden Hinde" während seiner Entdeckungsreise um die Welt bereits im Oktober 1578 in dem Seegebiet vor Feuerland aufhielt. Er hatte bereits den Pazifik westlich von Kap Hoorn erreicht, als ein Sturm ihn wieder gen Osten verschlug. Im Lee einer Insel wetterte die Besatzung das Unwetter ab. Offenkundig zählt die Insel zum Feuerlandarchipel, einer Inselgruppe, die auch die Isla Hornos mit dem Kap Hoorn umfasst. „Allen diesen Inseln verlieh unser General [Drake] einen Namen: Elisabethinseln", heißt es in einem Reisebericht, der 1637, also gut 40 Jahre nach Drakes Tod, in London erschien. Die große Frage aber ist, auf welcher Insel des Archipels Drake Schutz suchte. „Die äußerste Landspitze all dieser Inseln liegt auf 56 Grad", führt der Bericht weiter aus. Das entspricht recht genau der südlichen Breite Kap Hoorns. Aber wie exakt diese Position bestimmt wurde, wie es etwa um die Sichtverhältnisse bestellt war und ob Drake den Archipel hinreichend erkun­dete, bleibt indes unbeantwortet.

Kap Horn-Stürme

Warum ist es am Kap Horn so stürmisch?
Merle Rüdisser, per Email

Mit zerfetzten Segeln und gebrochenen Masten brachten sie sich einst in der Bucht von Stanley, dem Hauptort der Falkland-Inseln, vor den Stürmen um Kap Horn in Sicherheit. Inzwischen sind Wracks wie das der Bark Jhelum oder das des Kohlenfrachters Charles Cooper zur Touristenattraktion geworden. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden sie Opfer der "roaring fourties" und "screaming fifties".
Beim Versuch, das Kap zu runden, segelten oder dampften die Schiffe quasi entlang der Polarfront; einem Gebiet, das durch besonders starke horizontale Temperaturunterschiede in der Luft und im Ozean geprägt ist. "Dadurch werden Tiefdruckgebiete mit starken Windgeschwindigkeiten ausgelöst", erklärt der Meteorologe Dr. Christof Lüpkes vom Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut. "In dieses Westwindband ragt die Südspitze Südamerikas mit dem Kap Horn hinein."
Die Windgeschwindigkeiten sind hier auch deswegen höher als in den entsprechenden Bereichen der Nordhalbkugel, weil der Wind kaum durch Kontinente beeinflusst bzw. abgebremst wird. Im Gegenteil: Kap Horn und die 600 Meilen entfernte Antarktische Halbinsel wirken im sonst weithin offenen Ozean wie eine Düse, die eine frische Brise leicht zum Sturm werden lässt.

Infos zur Schifffahrtsgeschichte der Falklands und den Schiffswracks unter http://www.falklands-museum.com/maritime/maritime.htm

Kaspisches Meer

Stimmt es, dass der Meeresspiegel des Kaspisches Meeres sehr stark und unregelmässig schwankt?
Mustafa Ghaffari, Berlin

Im vergangenen Jahrhundert stieg der globale Meeresspiegel um 17 Zentimeter an. Das ist nichts im Vergleich zum Kaspischen Meer. Dort machen die Pegel erhebliche größere und schnellere Sprünge. Vor allem in den 30er und 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts sank der Wasserstand des weltweit größten Binnengewässers jährlich um etwa 15 Zentimeter ab. Ursache waren Klimaveränderungen und landwirtschaftliche Bewässerungsprojekte entlang der Wolga. Sie ist mit 3.500 Kilometern Länge der wichtigste Zufluss des Kaspisches Meeres und trägt allein vier Fünftel zu seiner Wasserbilanz bei. Bis in die 1990er Jahre nahm der Wasserstand des Kaspischen Meeres dann wieder mit 15 bis 20 Zentimetern pro Jahr zu. Insgesamt stiegen die Pegel um 2,5 Meter. Das Meer trat über die Ufer und überschwemmte die angrenzenden Küstensäume. Stellenweise wich das Ufer um 25 Kilometer zurück.

Seitdem schwankt die Meeresspiegelkurve des Mare Caspium in geringerem Maß. Zwar zählt das Gebiet zu den tektonisch unruhigen Zonen unseres Planeten. Wissenschaftler machen indes vor allem regionale klimatische Veränderungen für die unterschiedlichen Wasserstände verantwortlich. Während die Niederschläge ehemaliger atlantischer Tiefdruckgebiete in kühleren Klimaphasen über dem Wassereinzugsgebiet des Kaspischen Meeres niedergehen, verschieben sich die Wetterzonen in wärmeren Zeiten nordwärts. Welche weiteren Faktoren für die Seespiegelschwankungen verantwortlich sind, wird derzeit im Rahmen eines international angelegten UN-Forschungsprojektes erkundet.

Kattegat

Wozu gehören Skagerak und Kattegat – zu Nord- oder zur Ostsee? Und an welchem Meer liegt dann unser schwedisches Urlaubsgebiet Bohuslän?
Michaela Schikorra, per Email

Wasser ist unstet und verändert sich und seine Küsten ständig. Dies macht es schwierig die Grenzen der Meere festzulegen. Darüber hinaus, haben diese Grenzen keine politische Bedeutung. Kein Wunder also, dass die Bezeichnungen und Grenzen der Meere je nach Sichtweise variieren. Die Internationalen Hydrographische Organisation liefert jedoch in ihrem Werk „Grenzen der Ozeane und Meere“ von 1953 genaue Angaben für die Vermessung der Meere. Demnach verläuft die Trennlinie zwischen Skagerak und Kattegat von Skagens Odde an der Nordspitze Dänemarks nach Paternoster Skaer, knapp nördlich von Göteborg und weiter nordöstlich zur Insel Tjörn. Allerdings gibt dieses Werk Skagerak und Kattegat als eigene Seegebiete an. Die Ostsee beginnt danach erst südlich der dänischen Inseln, alles nördlich davon gilt als Kattegat, Belte und Sund. In der Nordsee befände man sich erst mit Überschreiten der Linie zwischen Hanstholm auf dänischer und Lindesnes auf norwegischer Seite. Gemeinhin zählen aber das Skagerak zur Nordsee und das Kattegat zur Ostsee. Die Region Bohuslän liegt also überwiegend an der Nordsee, in jedem Fall aber am Skagerak – klingt doch auch viel aufregender als Nordsee, oder?

Kartenorientierung

Warum zeigen geographische Karten heute fast immer Norden oben?
Steffen Tierse, per Email

Die Australier, so die Vorstellung vieler europäischer Kinder beim Blick auf den Globus, stehen auf der anderen Seite der Erde eigentlich kopfüber. Natürlich ist dem nicht so. Eine Kugel kennt kein oben und unten. Daher ist auch die Ausrichtung von Karten nichts Natur gegebenes. Prof. Joachim Neumann von der Deutschen Gesellschaft für Kartograhpie erklärt: "Bis ins 15. Jahrhundert zeigten christliche Weltkarten Osten oben, dort lagen nämlich die heilige Stadt Jerusalem und das Paradies." Der Begriff "Orientieren" bedeutete ursprünglich nach Osten ausrichten. Nicht nur die christliche, auch die muslimische Religion prägte ein eigenes Kartenbild: Noch bis ins 20. Jahrhundert waren arabische Karten auf Mekka ausgerichtet.

Genordete Karten kamen erst auf, nachdem der Kompass vom Orient nach Europa gelangt war. Ab dem 14. Jahrhunderts orientierten sich immer mehr Seefahrer an der nach Norden zeigenden Kompassnadel. Einheitliche Karten mit gleicher Ausrichtung wurden für den wachsenden internationalen Seehandel immer wichtiger und sind heute weltweit Standard. Vor kurzem entwarf allerdings ein australischer Kartograph eine Karte, die Australien nicht "downunder" sondern obenauf zeigt. Sie demonstriere, so behauptet er, das wahre Bild der Erde.

Kaventsmann

Woher stammt die Bezeichnung „Kaventsmann“?
Ulrich C. Berendsen, Bad Oeynhausen

Die Bezeichnung „Kaventsmann“ scheint jüngeren Datums zu sein. In einschlägigen älteren Seefahrtslexika und maritimen Wörterbüchern taucht der Begriff, der für riesige Wellenberge steht, jedenfalls nicht auf. Auch im Wörterbuch der Deutschen Sprache der Brüder Grimm sucht man vergeblich. Ein erster Hinweis findet sich indes in Peter Kämpferts „Französisch im Küstenplatt – Ein sprachgeschichtliches Wörterbuch aus dem Lande Hadeln“ . Dort heißt es: „Herkunft nicht sicher. Vermutlich aus Hochdeutsch Konventsmann gleich frommer Bruder oder Mönch“. Einem gängigen Vorurteil zufolge galten Mönche ja lange als feiste, beleibte Menschen. Der Kaventsmann als „dicke“ Welle also? Ganz sicher ist das nicht, Einiges spricht dafür, dass der Begriff im Lateinischen wurzelt. „Cavere“ steht für beistehen, bürgen, „cavens“ für Beistand geben. Bürgen konnte indes nur, wer hinreichend wohlhabend war. Als Zeichen des Wohlstands galten u.a. gutes Essen und – in der Folge – wie beim Konventsmann die entsprechende Figur. Wann der Begriff in die Seefahrersprache einging, ist allerdings ungeklärt.

An die Kette legen

Welchen Ursprung hat der Begriff, ein Schiff „an die Kette legen“?
Horst Gerschewski, per Email

Ausstehende Heuern, unbezahlte Bunker- oder Werftrechnungen: All das kann dazu führen, dass ein Schiff gepfändet, d.h. an die Kette gelegt wird. Damit sollen ausstehende Forerungen im Wege der Zwangsvollstreckung eingetrieben werden. Der Weg dahin ist in der Zivilprozessordnung beschrieben. Zunächst muss der Gläubiger bei Gericht einen Antrag auf Vollstreckung stellen. Aufgrund der kurzen Liegezeiten der Schiffe ist ein Eilantrag empfehlenswert. Nachdem der Gläubiger diesen gestellt und der Gerichtskasse einen Vorschuss gezahlt hat, schreitet der Gerichtsvollzieher zur Tat. Er geht an Bord und fordert den Kapitän auf, das Schiff zwecks Absicherung der Forderungen zu übergeben. Zugleich sichert er die Türen zum Steuerhaus mit Ketten und Vorhängeschlössern und verplombt oder versiegelt diese. Um auf Nummer sicher zu gehen, werden gelegentlich auch die Steuerhausschlösser ausgetauscht. So wird verhindert, dass das Schiff bei Nacht und Nebel ausläuft. Früher wurde die Kette durch die Speichen des Steuerrads gezogen. Das ist heute, in Zeiten, in denen Schiffe per Joystick gesteuert werden, schlecht möglich. Übrigens: ob ein Schiff „an“ oder „in“ die Kette gelegt wird, bleibt dem Sprachempfinden eines jeden Lesers selbst überlassen.

Kielholen

War das „Kielholen“ früher eine normale Art der Bestrafung?
Helmut Braun, St. Ulrich

In seinem 1960 erschienenen Buch See und Seefahrt schreibt Gustav-Adolf Wolter: „Kielholen war eine Strafe, die bei schweren Verstößen gegen die Borddisziplin verhängt wurde; die Strafe bestand darin, dass der Delinquent mit einer Leine von einer Seite des Schiffes unter dem Kiel hinweg zur anderen Seite gezogen wurde. Wer nicht sehr widerstandsfähig war, starb dabei.“ Kielholen war deshalb mit Todesgefahren verbunden, weil es auch darauf ankam, wie schnell die Matrosen am Seil zogen bzw. ob der Delinquent schwimmen und tauchen konnte. Denn meist war der Schiffsrumpf über und über mit scharfkantigen Seepocken oder Muscheln besetzt, die üble Verletzungen hervorrufen konnten. Von einer alltäglichen Bestrafung kann also keine Rede sein. Andererseits ordnet ein niederländisches Dokument aus dem Jahr 1537, das sich in der Textsammlung Diplomatarium Norvegicum findet, Kielholen bei Trunkenheit während der Wache oder Prügelei an. In der niederländischen Flotte wurde diese Art der Vergeltung erst 1854 abgeschafft. „Normale“ Strafen wie Entzug der Heuer, Schläge oder Kerker fielen weniger drastisch aus.

Kieselalgen und Sauerstoff

Stimmt es, dass die Hälfte des gesamten, jährlich produzierten Sauerstoffs durch Algen freigesetzt wird?
Rüdiger Kremer, Kronshagen

Es ist sogar deutlich mehr als die Hälfte! Etwa zwei Drittel des jährlich freigesetzten Sauerstoffs werden von Süß- und Salzwasseralgen produziert. Diese meist einzelligen Organismen gehören zu den ältesten Pflanzen der Erde. Sie schweben in den obersten 100 bis 200 Metern des Wassers. Nur dort können Algen genügend Licht und Nährstoffe aufnehmen, um Photosynthese zu betreiben. Die Pflanzen nutzen dabei die Energie des Lichts, um organische Substanz aufzubauen. Dabei entsteht Sauerstoff als Nebenprodukt.

Den Löwenanteil des Sauerstoffs produzieren die Kieselalgen. Sie sind so weit verbreitet, dass sie noch in der kleinsten Wasserpfütze vorkommen und sogar in feuchten Böden bei geringem Lichteinfall Photosynthese betreiben können. Schätzungen In einem Liter Meerwasser Tausende bis Millionen der kieseligen Einzeller, und in manchen Seegebieten wird die Planktongemeinschaft fast völlig von ihnen beherrscht. So verwundert es wenig, dass Kieselalgen als größte Sauerstoffproduzenten der Weltmeere gelten.

Klabautermann

Was macht ein Klabautermann?
Stephanie Hahner, Bremen


Poltern, Klopfen, Hämmern - Solange diese Geräusche an Bord eines Schiffes zu hören sind, ist alles in Ordnung. Denn sie beweisen: der Klabautermann hat angeheuert. Schon Heinrich Heine nennt ihn den "guten, unsichtbaren Schutzpatron der Schiffe, der da verhütet, dass den treuen und ordentlichen Schiffern Unglück begegne." Er hilft den Matrosen bei der Arbeit und weist mit seinem Klopfen den Schiffszimmermann auf Schwachstellen im Rumpf hin. Dazu trägt er immer seinen Kalfater-Hammer bei sich. Den braucht man nämlich, um die Ritzen zwischen den Planken eines Schiffes mit Teer und Werg abzudichten - zu kalfatern.
Laut Duden stammt von diesem Verb auch der Name des Klabautermannes ab. An Bord kommt das kleine Männchen schon während des Baues eines Schiffes, bei dem er kräftig mithilft. Verlassen tut er es nur wenn das Schiff dem Untergang geweiht ist oder die Mannschaft ihn schlecht behandelt. Sehen können den kleinen Kobold mit Meerschaumpfeife und Segeltuchhose nur diejenigen, die am 22.2 um Mitternacht geboren sind. Allen anderen zeigt er sich nur, wenn Gefahr im Verzug ist. Daher machen manche ihn auch verantwortlich dafür, wenn Schlimmes passiert. Doch so lange der Klabautermann an Bord poltert und hämmert findet das Schiff sicher in den Hafen zurück.

Knistergeräusche

Woher kommt das rätselhafte Knistern, das man bei Segeltörns häufig nachts am Schiffsrumpf hört?

„Und dann im Abendrot / mach ich das Abendbrot / auf unserem Segelboot“, und das ist wunderbar – still. Doch vor allem in warmen Gewässern ist es mit der Ruhe in der Koje oft vorbei. Es knistert und knackt ohne Unterlass, verstärkt durch die Resonanz des Schiffsrumpfs.

Kein friedliches Unterwasserkonzert ist hier zu hören, sondern das Ballern der Pistolenkrebse, die ihr Abendbrot jagen. Die kleinen Krustentiere schnappen ihre vergrößerte Schere so schnell zu, dass ein Wasserstrahl mit bis zu 90 km/h hervorschießt. Dabei reiben die Wasserpartikel so stark aneinander, dass sie sich auf über 4.500 Grad Celsius erhitzen. Das Wasser verdampft, und eine Luftblase bildet sich. Diese implodiert dann mit einem Knall, der so laut ist, dass schon mancher Skipper davon heftig erschreckt wurde.

Ihre Beute lähmen oder töten die Krebse mit Strahl und Knall regelmäßig – immerhin sind sie dabei etwa so laut wie ein Düsenflugzeug. Doch nicht nur die Krebse lärmen im Meer, auch drei Viertel aller Fische geben Laute von sich, die von Türknarren bis zu Trommelsalven reichen und schon viele Unterwasserlauscher verwirrt haben. Sie finden das unglaublich? Horchen Sie mal unter http://dosits.org/gallery/intro.htm.

Knoten

Warum ist es üblich, die Geschwindigkeit auf See in Knoten anzugeben?
Benjamin Ulshöfer, Pirmasens

Seemänner wissen: Ein Schiff, das einen Knoten Fahrt macht, legt eine Seemeile in einer Stunde zurück. Angegeben in Stundenkilometern – dem gebräuchlichsten Geschwindigkeitsmaß an Land – entspricht ein Knoten 1,852 km/h. Geschwindigkeitsmaße geben die zurückgelegte Strecke innerhalb einer bestimmten Zeit an. Doch wie wählt und misst man die zurückgelegte Strecke eines Schiffes auf dem bewegten Meer – von Welle eins bis Welle sieben? Früher verwendete man dazu ein so genanntes Logscheit, ein an einer Leine befestigtes Holzbrett. Das Brett wurde ins Wasser geworfen. Dann gab man so schnell Leine nach, dass das Brett möglichst an derselben Stelle auf dem Wasser blieb. Die Länge der Leine, die ausgegeben wurde, entsprach dann der zurückgelegten Strecke. Eine Messung betrug üblicherweise 14 Sekunden, gemessen mit einer Sanduhr, dem Logglas. In der Leine waren dann in einem Abstand von sieben Metern Knoten. So ergab die Anzahl der über Bord gegangenen Knoten umgerechnet die Geschwindigkeit des Schiffes in „Knoten“. Moderne Geschwindigkeitsmesser an Schiffen benötigen natürlich keine Knoten mehr, doch als Maßeinheit sind sie nach wie vor gebräuchlich.

Knurrhahn

Woher hat der Knurrhahn seinen Namen?
Herbert Stein, per E-Mail

Etwa 120 Arten der Meeresfische mit diesem kuriosen Namen sind weltweit in den Schelfmeeren verbreitet. Knurrhähne (Triglidae) sind zwischen 10 und 75 Zentimeter lang, haben ein breites Maul und einen eckigen, mit Hautknochenplatten gepanzerten Kopf. Mit den fingerartigen Strahlen ihrer Brustflossen können sie auf dem Boden laufen und nach Nahrung – kleinen Fischen, Krebsen und Weichtieren – tasten. Die Rückenflosse auf dem Kopf des Knurrhahns ähnelt einem Hahnenkamm, was ihm wohl den einen Teil seines Namens bescherte. Der andere Teil beruht auf der Tatsache, dass dieser Meeresbewohner tatsächlich knurren kann. Jeder Fischer, der schon einmal solch einen Fisch in der Hand hielt, weiß, dass man das Knurren nicht nur hören, sondern auch fühlen kann. Es entsteht durch spezielle Muskeln, die die Schwimmblase zum Vibrieren bringen. Da der Knurrhahn am Meeresboden lebt, benötigt er im Gegensatz zu anderen Fischarten seine Schwimmblase nicht wie üblich zum Auftrieb. Sie dient ihm stattdessen als Resonanzkörper.