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Internationales Bohrprojekt in Namibia gestartet

19.11.2019
Bohrungen über die Grenze des Ediacariums
Gesteinsschichten aus dem Ediacarium in Namibia. Foto: Tony Prave
Gesteinsschichten aus dem Ediacarium in Namibia. Foto: Tony Prave

Bohrungen mit internationalen Teams auf drei Kontinenten: Im Rahmen des ICDP-Bohrprojekts Geological Research through Integrated Neoproterozoic Drilling – The Ediacaran-Cambrian Transition (GRIND-ECT) haben im September die ersten Bohrungen begonnen. Besonderes Interesse haben die Forschenden dabei an altem Meeresboden auf dem Kontinent, an dem sie den Übergang zwischen den Erdzeitaltern Ediacarium und Kambrium untersuchen und Daten dazu sammeln können. Diesen findet man im heutigen Namibia, Brasilien und Südchina. Es ist das erste Bohrprojekt des Internationalen Integrierten Bohrprojekts ICDP, das Bohrungen auf drei Kontinenten durchführt: Afrika, Südamerika und Asien. Daran beteiligen sich auch Forschende des MARUM – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen

Das Neoproterozoikum vor 1.000 bis 541 Millionen Jahren ist eines der einschneidendsten Zeitalter in der Erdgeschichte: Mehrzellige Lebewesen entwickelten sich, der Superkontinent Rodinia bildete sich und brach auseinander, der globale Kohlenstoffkreislauf unterlag starken Schwankungen, die Sauerstoffkonzentrationen stiegen an und das Klima erlebte mindestens zwei Episoden der weltweiten Vereisung. Gesteinsaufschlüsse aus dem Neoproterozoikum, anhand derer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler das Zeitalter untersuchen können, sind zumeist schwer zugänglich und nicht durchgehend aufgeschlossen. Das erschwert es ihnen, quantitative Modelle zur Funktionsweise des Erdsystems zu diesem Zeitalter zu entwickeln. Bei den Aufschlüssen handelt es sich um alten Meeresboden, der in den drei Regionen besonders gut erhalten ist. Die alten marinen Gesteine bilden also ein durchgehendes Archiv für die damaligen ökologischen und biogeochemischen Bedingungen, in dem sich Leben entwickelten. 

Ziel des GRIND-Projektes ist, anhand eines Netzwerkes von zusammenhängenden Schichten, die den Übergang vom Ediacarium zum Kambrium vor etwa 560 bis 530 Millionen Jahren zeigen, eine zeitlich hoch aufgelöste geobiologische, stratigraphische und geochemische Datenbank sowie ein Langzeitarchiv für künftige Forschungen bereitzustellen. Um dieses Ziel zu erreichen und die Antriebsmechanismen der neoproterozoischen Revolution des Erdsystems zu verstehen, wird das Projekt Daten aus den drei entfernten Regionen zusammenführen.

An GRIND-ECT sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus über 14 Nationen beteiligt. Geleitet wird das Projekt von einem Team, zu dem folgende Personen gehören: Tony Prave (University of St Andrews, Großbritannien), Simone Kasemann (Universität Bremen), Francis Macdonald (University of California Santa Barbara, USA), Catherine Rose (University of St Andrews, Großbritannien), Kristin Bergmann (Massachusetts Institute of Technology, USA), Abner Nghoongoloka (Geological Survey Of Namibia, Namibia), Ricardo Trindade (Universität Sao Paolo, Brasilien), Moayan Zhu (Nanjing Institute of Geology, Palaeontology and Stratigraphy, China). Wissenschaftliche Berater sind Aivo Lepland (Geological Survey of Norway, Norwegen) und Bruce Levell (Oxford University, Großbritannien).

Am 24. September 2019 haben die Bohrungen bei Tierkloof in der südnamibischen Wüste durch die Günzel Drilling Company begonnen. Bis Ende November wird GRIND-ECT im Süden Namibias weitere vier Bohrlöcher in den Gebieten um Swartpunt und Orange River bohren. Die Kerne werden zur detaillierten Charakterisierung an das Kernlager der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Berlin verschifft.

 

Kontakt:

Prof. Dr. Simone Kasemann
Isotopengeochemie
Telefon: 0421 218 65930
E-Mail: [Bitte aktivieren Sie Javascript]

 

Das Team hat es durch 50 Meter harten Quarzit geschafft. Die Bohrkrone musste allerdings nach zehn Metern getauscht werden. Foto: Melanie Mesli
Das Team hat es durch 50 Meter harten Quarzit geschafft. Die Bohrkrone musste allerdings nach zehn Metern getauscht werden. Foto: Melanie Mesli
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Am ersten Loch in Tierkloof hat das Team die 500-Meter-Marke passiert. David und Henry vom Bohrteam mit einem 3-Meter-Kern. Foto: Melanie Mesli
Am ersten Loch in Tierkloof hat das Team die 500-Meter-Marke passiert. David und Henry vom Bohrteam mit einem 3-Meter-Kern. Foto: Melanie Mesli
Catherine Rose nimmt die Kerne der Nudaus-Formation auf. Foto: Melanie Mesli
Catherine Rose nimmt die Kerne der Nudaus-Formation auf. Foto: Melanie Mesli
Das Günzel-Bohrteam. Foto: Tony Prave
Das Günzel-Bohrteam. Foto: Tony Prave