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Meereswurm - Muscheln

Meereswurm

Gibt es einen freischwimmenden Borsten- oder Seeringelwurm, der in flottem Tempo die oberste Wasserschicht durchkreuzt?
Ernst Ernstchen, per E-Mail

Vermutlich handelt es um einen Nereiden (sprich Nere-i-den), einen Meerringelwurm. Ihren Namen verdankt diese Gattung dem antiken griechischen Gott der Seen, Nereus. Für eine genauere Bestimmung der Art sind allerdings mehr Informationen nötig. In der Nord- und Ostsee kommen vor allem zwei Arten dieser Würmer vor: der Grüne Meerringelwurm (Nereis virens) sowie der Schillernde Seeringelwurm (Nereis diversicolor). Beide graben sich in den Meeresboden ein und ernähren sich von Kieselalgen, Aas, Pflanzenteilen und kleineren Meeresbewohnern.

Die Fortpflanzung der Ringelwürmer hängt u.a. von den Mondphasen ab. Wenn die Wassertemperatur im Lauf des Frühjahrs sechs Grad Celsius erreicht und Voll- oder Neumond herrscht, steigen die Männchen bei Flut an die Wasseroberfläche, um - quasi als letztes Lebenszeichen - ihre Spermien abzugeben. Danach sterben die sie ab. Ihre Spermien "regnen" durch die Wassersäule, befruchten die Eier der Weibchen und ein neuer Lebenszyklus beginnt. Meerringelwürmer sind gerade zur Laichzeit elegante und schnelle Schwimmer. Ihre Schwimmfüße sind in dieser Lebensphasen zu "Paddeln" ausgebildet. Falls die geschilderte Beobachtung also an einem Tag mit Voll- oder Neumond gemacht wurde, ist es sehr wahrscheinlich, dass ein Meerringelwurm beobachtet wurde.

Mit vierzig Zentimetern Länge ist der Grüne Meerringelwurm übrigens der größte Wurm in der Nordsee. Mit seinen Beißwerkzeugen kann er selbst Menschen schmerzhafte, im Großen und Ganzen aber ungefährliche Bisse zufügen, wie die Autorin bestätigen kann.

Meerjungfrauen: Woher kommt die Legende?

Woher stammt die Legende der Meerjungfrauen?
Marc Hermel aus London

"Was die Meerjungfrauen, die sogenannten Nereiden, betrifft, so handelt es sich dabei nicht um Fabelwesen", wusste schon der Schriftsteller Plinius. Das war im ersten Jahrhundert nach Christus. Der Mythos der Meerjungfrauen geht aber noch weiter zurück. Bis ins fünfte Jahrtausend vor Christus. Seit jeher berichten Seefahrer immer wieder von Sichtungen. Im Jahre 1608 beschrieb der englische Skipper Henry Hudson, nach dem später die Hudson Bay benannt wurde: " ... ihre Haut war sehr weiß, und langes, schwarzes Haar hing ihr vom Kopf herab. Als sie abtauchte, sahen die Männer ihren Schwanz, der wie der Schwanz eines Tümmlers war und gesprenkelt wie der einer Makrele." Eine solche Schönheit lebendig einzufangen, ist nie jemandem gelungen. Stattdessen machten groteske Fälschungen die Runde. In Kneipen, Kaffeehäusern und auf Jahrmärkten des 18. und 19. Jahrhunderts bewunderte das Publikum geschickt zusammengesetzte Skelette kleiner Affen und getrockneter Fische. Bernard Heuvelman schrieb 1990 dazu: "Der Prozess der Mystifizierung kann manchmal bis zu einem Punkt vorangetrieben werden, an dem das Objekt bis zur Unkenntlichkeit verändert wird." Denn tatsächlich war es meist die Seekuh, aus der Seeleute dank lebhafter Fantasie und schlichter Unwissenheit eine Seejungfrau machten.


Die kleine Meerjungfrau im Hafen von Kopenhagen:
Im Gegensatz zu vielen anderen Wahrzeichen macht die kleine Meerjungfrau ihrem Namen alle Ehre: sie gilt als das kleinste Wahrzeichen der Welt.

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Meerwasser

Wie viel Wasser ist im Meer?

Eine Milliarde dreihundertsiebzig Millionen dreihundertdreiundzwanzig Tausend Kubikkilometer – diese völlig unvorstellbare Menge Salzwasser ist in den Weltmeeren gespeichert. Knapp 1,4 Milliarden Kubikkilometer also. Wäre die Erde eine Scheibe, würden die Salzwassermassen eine 2.686 Meter dicke Schicht ergeben. Würde man das auf den Kontinenten und in der Atmosphäre zirkulierende Süßwasser hinzu rechnen, stiege der Wasserspiegel noch einmal um mehr als 60 Meter. Die Weltmeere sind im Schnitt 3.729 Metern tief. Der durchschnittlich 3.332 Meter tiefe Atlantik fasst rund 355 Millionen Kubikkilometer Salzwasser, der im Mittel 4.028 Meter tiefe Pazifik mehr als doppelt so viel. Randmeere wie etwa die Ostsee – mickrige 21.631 Kubikkilometer Wasser – fallen dagegen kaum ins Gewicht. Interessant ist, dass nicht alles Salzwasser frei in den Ozeanen strömt. Ein bis zwei Prozent des Meerwassers zirkulieren durch die Ozeankruste. An mittelozeanischen Rücken und in anderen vulkanisch geprägten Regionen wird dieses Wasser auf mehrere Hundert Grad aufgeheizt, ehe es, zum Beispiel durch Schwarze Raucher, wieder in den freien Ozean zurückströmt.

Durchsichtiges Meerwasser

Warum ist Meerwasser durchsichtig?
Pedro Pardo Cordes, Langenhagen

Ob und inwieweit Meerwasser durchsichtig ist, hängt davon ab, wie viele Teilchen darin schweben. Küstennah können feine Ton- und Sandpartikel die Transparenz des Seewassers auf null herabsetzen. Zudem absorbieren die von Land eingetragenen Humusstoffe Licht auf bestimmten Wellenlängen. Weitab der Küsten, auf dem offenen Ozean, driften vergleichsweise weniger Überreste von Meerespflanzen oder -tieren im Wasser. Dort kann das Sonnenlicht in größere Tiefen vordringen. Allgemein gilt: je geringer die biologische Aktivität im Meer, desto klarer das Wasser. Der italienische Astronom Petro Angelo Secchi führte 1865 eine nach ihm benannte Scheibe in die Meeresforschung ein. Die mit einem Gewicht versehene weiße oder schwarz-weiß gemusterte Scheibe wird im Meer versenkt. Die Tiefe, in der die Secchi-Scheibe gerade noch sichtbar ist, ergibt die sogenannte Sichttiefe und damit ein Maß für die Transparenz bzw. Trübung des Wassers. Letzten Endes hängt die Durchsichtigkeit des Wassers von vielen Faktoren ab: dem Sonnenstand, der vom Seegang bestimmten Reflexion des Lichts an der Wasseroberfläche, aber auch der von Salzgehalt und Temperatur beeinflussten Streuung des Lichts.

Miesmuscheln

Ist es wahr, dass Miesmuscheln klettern?

Miesmuscheln gelten als nicht gerade agil. Die Larven treiben passiv umher, bis sie sich mit ihren so genannten Byssusfäden an Pfähle, Steine oder andere Muscheln heften. Eine Drüse am Fuß der Muschel presst bis zu 100 der zentimeterlangen Fäden hervor, die sie dann mit ihrem fingerförmigen Fuß am Untergrund festklebt. Dazu dient ein weiteres Sekret, der einzige Kleber, der in Salzwasser aushärtet. Gerade ihre Haltefäden sind es, mit denen sich die Muschel fortbewegt – allerdings nicht einmal im Schneckentempo. Will die Muschel an ihrem Pfahl hochklettern, so verankert sie ein weiteres Büschel Byssusfäden ein Stückchen weiter oben und zieht sich daran hoch. Den alten Faden löst sie ab und wiederholt die Prozedur.

Die Steckmuschel Pinna nobilis produziert übrigens so lange Fäden, dass kostbare Stoffe daraus gewebt werden. Legenden sagen, dass das Goldene Vlies des Jason aus dieser Muschelseide bestand. Falls dem so ist, erübrigt sich die Suche danach – obwohl die überwiegend aus Eiweiß bestehenden Fäden sehr widerstandsfähig, zug- und feuerfest sind, sind sie beliebter Mottenfraß.

Dünen am Mittelmeer

Warum gibt es an der Mittelmeerküste keine Dünen?
Ingo Petersen, München

"Auflandige Winde, flach zum Meer hin abfallende Küsten, ausgeprägte Strömungen und sandige Meeresböden - das ist die Rezeptur für eine von Dünen geprägte Küstenlandschaft", sagt der Bremer Geowissenschaftler Dr. Till Hanebuth. Die Nordseeküste bietet all diese Voraussetzungen. Wind, Wellen und Gezeitenströme transportierten riesige Mengen Sand auf die flach abfallenden Küsten zu. So bildeten sich in den letzten Jahrtausenden von Holland bis zur Nordspitze Dänemarks weite Dünengürtel aus. Anders die Lage am europäischen Mittelmeer. Dort fallen viele Küsten recht steil ab; auch sind Gezeiten und Strömungen wesentlich schwächer ausgeprägt.

Dennoch gab und gibt es auch rund um das Mittelmeer beeindruckende Dünenlandschaften: An der spanischen Costa Blanca etwa zwischen Cartagena und Alicante liegt das Dünenfeld von La Marina. Nicht weit entfernt liegen die von Pinien bedeckten "Dunas de Guardamar". Doch gerade in Spanien sind viele Dünen in den 60er und 70er Jahren Opfer des Tourismus geworden: wo sich einst Dünenzüge erhoben, sind inzwischen Hochhausburgen und Sportboothäfen aus dem Sand gewachsen.

Mittelmeer - Meeresspiegel

Warum liegt der Meeresspiegel des Mittelmeeres tiefer als der des Atlantiks und wie wird er sich in Zukunft entwickeln?
Vincent Kocher, per Mail

Vor fünf bis sechs Millionen war bei Gibraltar ein riesiger Wasserfall: Damals lag der Mittelmeer-Wasserspiegel weit tiefer als heute. Heute ist es nur noch ein sehr geringer Unterschied. Durch die 14 Kilometer enge Straße von Gibraltar strömt ein Zehntel mehr aus dem Atlantik in das Mittelmeer ein als heraus. Würde sie geschlossen, würde jedes Jahr ein Meter des Mittelmeeres verschwinden. Denn die heiße Mittelmeersonne verdunstet so viel, dass Regen, Flüsse und Zustrom aus dem Schwarzen Meer nur etwa ein Drittel des Verlustes ausgleichen können. Das Salz des verdunsteten Wassers bleibt zurück, so dass das restliche Wasser durch das größere Gewicht an Salz sozusagen zusammengedrückt wird. Das salzärmere Wasser aus dem Atlantik fließt durch die Erddrehung beeinflusst am südlichen Rand des Mittelmeeres Richtung Osten. Auf die 4.000 Kilometer Länge des größten Binnenmeeres der Welt ergibt sich so eine Schieflage von West nach Ost und in geringerem Maße auch von Süd nach Nord. Wie viel niedriger der Wasserspiegel gegenüber dem Atlantik ist, ist also regional bestimmt. In Zukunft wird sich auch der globale Meeresspiegelanstieg auf das Mittelmeer auswirken, so Dr. Michael N. Tsimplis vom Zentrum für Ozeanographie in Southampton, auch wenn regionale Effekte dies dämpfen können.

Meerwasser-Muscheln

Im Mittelmeer ist der Salzgehalt höher als im offenen Ozean. Als Meerwasser-Aquarianer möchte ich gerne wissen, ob das auch für die Spurenelement-Zusammensetzung des Mittelmeerwassers gilt ? Gibt es vergleichende Tabellen zu Spurenelement-Konzentrationen ?
Werner Doll, Ludwigsburg

Der Salzgehalt von Atlantikwasser liegt bei etwa 3,5 Prozent. Im Mittelmeer ist die Verdunstung größer als der Nachschub an Frischwasser; entsprechend liegt der Salzgehalt bei etwa 3,8 Prozent. Dieses Verhältnis gilt jedoch nicht für Spurenelemente wie Eisen oder Mangan, die über Staubeinträge aus der Sahara, über den Wasseraustausch zwischen oberen und unteren Meeresstockwerken oder über Flüsse ins Mittelmeer gelangen.

Im Vergleich zum Atlantik sind Aluminium und Blei im westlichen Mittelmeer höher konzentriert; Mangan, Phosphor und Cadmium jedoch niedriger. Eisen-, Kupfer- und Nickelkonzentrationen sind in beiden Meeren etwa gleich groß. Allerdings gibt es Unterschiede bei der Tiefenverteilung. So nimmt der Aluminiumgehalt im Mittelmeer mit zunehmender Tiefe stark zu, während dies in anderen Ozeanen umgekehrt ist. Solche Unterschiede, die auch für andere Gewässer gelten, nutzen Ozeanographen, um Strömungsverhältnisse und Herkunftsgebiete von Wassermassen zu bestimmen.

Mittelmeer - Tidenhub

Wie hoch ist der durchschnittliche Tidenhub im Mittelmeer? Größer oder kleiner als ein Meter?
Jürgen Koch, per email

Im etwa drei Millionen Quadratkilometer umfassenden und im Mittel 1.450 Meter tiefen Europäischen Mittelmeer liegen die maximalen Gezeitenunterschiede deutlich unter einem Meter. In der nördlichen Adria, etwa bei Triest, beträgt der Unterschied zwischen Flut- und Ebbepegel nur etwa 15 Zentimeter. In Genua und Neapel macht der Tidenhub ungefähr 20 Zentimeter aus. Die etwas mehr als 40 Zentimeter in Valencia markieren fast schon den absoluten Höchstwert.

Der Grund dafür liegt auf der Hand: Die Strasse von Gibraltar ist nur 15 Kilometer breit und nicht mehr als 320 Meter tief. Meerenge und untermeerische Schwelle verhindern weitest gehend, dass die atlantische Gezeitenwelle in das Mittelmeer eindringt. So kommt es, dass der Wasserstand manchenorts von anderen Faktoren viel stärker beeinflusst wird. Zum Beispiel in Venedig. Wenn der Po wie im Herbst des vergangenen Jahres Hochwasser führt oder südliche Winde das Wasser in der nördlichen Adria aufstauen, steigt der Pegel am Markusplatz schnell um bis zu einen Meter. Unter diesen Bedingungen spielen Gezeitenunterschiede nur noch eine untergeordnete Rolle.

Mollymauk

Woher kommt die Bezeichnung Mollymauk für den Schwarzbrauenalbatross?
Christa Tiemann, Bremen

Warum er seinen deutschen Namen trägt, beantwortet ein einziger Blick auf den schwarzen Lidstrich, der dem Vogel einen strengen Blick verleiht. In der Luft jedoch offenbart sich die ganze Eleganz seines Fluges. Stundenlang schwebt er ohne einen Flügelschlag über das Meer und hält Ausschau nach Nahrung: Krill und Tintenfisch. Fast sein ganzes Leben verbringt er über dem offenen Meer. Nicht verwunderlich, dass er bei der Landung auf festem Boden keine so gute Figur macht. Dies und die Tatsache, dass die Tiere keine Scheu zeigen, brachte die Holländer dazu sie als „Mallemuk“, als „närrische Möwe“ zu bezeichnen. Ende des 17. Jahrhunderts galt dieser Name zwar zunächst für die Sturmvögel in den nördlichen Breiten. Doch als die Seefahrer weiter in den Süden vordrangen, übertrugen sie die Namen einfach auf ähnliche Vögel. Zunächst die Sturmvögel und dann auch auf die kleineren Albatrosse. Immerhin gehören beide Gruppen zu den Röhrennasen. Nach und nach setzte sich der Begriff „Mollymauk“ in verschiedenen Variationen für den Schwarzbrauenalbatros und manche kleinere Albatrosse durch. Den Wanderalbatros mit bis zu 3,50 Meter Spannweite größten flugfähigen Vogel der Welt als Möwe, oder sogar „närrische Möwe“ zu bezeichnen, traute sich dann wohl doch keiner.

Mondschnecken

Woher kommen die runden Löcher, die man häufig in Muscheln und Schnecken findet?
Helmut Braun, St. Ulrich

So recht will das Bild eines Raubtieres mit gefährlichen Zähnen nicht zu einer Schnecke passen. Und doch sind es Schnecken, die hungrig über ihre Genossen herfallen, sie anbohren und verspeisen. Allerdings laufen ihre Beutezüge – wortwörtlich – im Schneckentempo ab. Immerhin dauert es bis zu acht Stunden, bis sie mit zahnbewehrter Zunge und Säure ein Loch in die Schale gebohrt haben: eine Minute bohren, eine halbe Stunde Säureangriff – zum aufweichen und weiter bohren. Ist die Schale geknackt, wird das Opfer verflüssigt und ausgeschlürft. Ganze Austernbänke wurden so von Mitgliedern der stark verschnörkelten Murex-Familie verspeist. Bei uns stammen die Löcher im Strandgut allerdings weit häufiger von Mondschnecken. Ihre Opfer erkennt man an den relativ großen, konisch zulaufenden Löchern. Sieht man das halb verborgene Tier durch Schlick und Sand pflügen, wirkt es fast wie eine Nacktschnecke. Denn sein Fuß ist mit Wasser aufgepumpt und fast komplett über die Schale gestülpt. Man glaubt kaum, dass der gesamte Körper in das Schneckenhaus passt. Doch bei Gefahr presst die Schnecke Wasser aus ihrem Fuß und verkriecht sich. Die Gefahr geht übrigens durchaus auch von bohrenden Artgenossen aus – und gegen die hilft auch verkriechen nicht.

Monsterwelle

Was hat es mit der jüngsten Monsterwelle im Mittelmeer auf sich?
Werner Schnell, per Email

Anfang März trafen im Mittelmeer mehrere, bis zu acht Meter hohe Wellen das Kreuzfahrtschiff Louis Majesty. Diese Brecher werden Monsterwellen oder Freakwaves genannt; Höhen von bis zu 30 Metern wurden gemessen. Es gibt drei Kategorien: Der „Kaventsmann“ ist eine hohe Welle, die nicht der Richtung des übrigen Seegangs folgt. Besagte Monsterwelle im Mittelmeer wird dem Phänomen der „Drei Schwestern“ zugeordnet. Das sind mehrere Riesenwellen, die sehr schnell aufeinander folgen. Die dritte Wellenart wird wegen ihrer Gischtschleier als „Weiße Wand“ bezeichnet. Wie Monsterwellen entstehen, können Wissenschaftler bislang nicht genau erklären. In der Regel treten sie auf dem offenen Ozean auf. Wie es scheint, spielen dabei lang anhaltende stürmische Winde und Meeresströmungen zusammen und schaukeln die Wellen auf. Monsterwellen sind eher kurzlebig. Treffen sie allerdings auf Schiffe oder steile Küsten, können sie verheerende Schäden anrichten. Darin unterscheiden sie sich von Tsunamis, die durch Erdbeben oder Hangrutschungen am Meeresboden ausgelöst werden, und sich erst zu ihrer vollen Größe auftürmen, wenn sie flache Küstengewässer erreichen.

Moses

Woher stammt der Begriff „Moses“ für frühere Schiffsjungen?
Hero Feenders, Bremen

Es gibt verschiedene Theorien zur Herkunft der Bezeichnung „Moses“. Eine Möglichkeit wäre, dass der Begriff aus dem Italienischen oder Französischen abgeleitet wurde, wo der Schiffsjunge „Mozzo“ bzw. „Mousse“ heißt. In seinem Seemännischen Wörterbuch lässt Wolfram Claviez aber keinen Zweifel daran, dass der Ausdruck auf die biblische Gestalt des Moses zurückgeht. Als der Pharao anordnete, alle neugeborenen Jungen des Volkes der Hebräer im Nil zu ertränken, setzte seine Mutter ihn im Alter von drei Monaten auf dem Nil aus. Im Buch Moses heißt es: Sie machte „ein Kästlein von Rohr und verklebte es mit Erdharz und Pech und legte das Kind darein und legte ihn in das Schilf am Ufer des Wassers.“ So wurde der kleine Moses gewissermaßen zum jüngsten Seefahrer aller Zeiten. Auch die Schiffsjungen waren mit sieben bis elf Jahren noch Kinder, wenn sie auf den Frachtseglern anheuerten. Ihre Fahrten gingen vermutlich nicht immer so glimpflich aus wie die Reise des Moses: Der wurde von der Tochter des Pharaos aus dem Nil gefischt und großgezogen. Übrigens hat nicht nur Moses selbst Eingang in den Seemannsjargon gefunden, sondern auch sein Körbchen: Das kleinste Beiboot eines Schiffes wird ebenfalls als „Moses“ bezeichnet.

Tanzende Möwen

Immer wieder beobachte ich die im Atlantikwind „tanzenden“ und schreienden Möwen. Ist das Ausdruck purer Lebensfreude oder verbirgt sich dahinter ein biologischer Nutzen?
Klaus-Peter Weigand, Praia de Carvoeiro, Portugal

Möwen sind sehr gesellige Tiere. Sie brüten in teilweise großen Kolonien. Auch während der Nahrungssuche sind sie meist gemeinsam unterwegs. Und das während des gesamten Jahres. Lachmöwen etwa machen gemeinschaftliche Flugjagd auf Insekten wie z.B. Ameisen. Im übrigen sind Lachmöwen sehr geschickt, wenn es darum geht, anderen Seevögeln Nahrung abzujagen. Je nach dem, was der Speiseplan gerade hergibt, kann man Lachmöwen während der Jagd im niedrigen Suchflug über Wasser, im Rüttelflug, aber auch in der Luft „tanzend“ und Nahrung suchend beobachten. Weil sie sehr ruffreudig sind, locken sie dabei natürlich Artgenossen an. „Ein sehr ähnliches Verhalten beobachten wir bei größeren Arten wie Silber- und Mittelmeermöwe “, sagt Seevogelexperte Prof. Peter Becker vom Institut für Vogelforschung „Vogelwarte Helgoland“ in Wilhelmshaven. „Auch sie fressen gemeinschaftlich.“ Hat sich erst einmal eine kleine Gruppe gebildet, die häufig laut schreiend im auflandigen Wind oder im Gefolge von Fischereifahrzeugen unterwegs ist, lockt diese weitere Individuen von weither an, denn die Vögel können ausgezeichnet sehen.

Muscheln: Ernährung

Wie ernähren sich Muscheln wie etwa die Riesenmuschel Tridacna gigas?
Martina Leschner, per E-Mail

Die meisten Muscheln "atmen" ihre Nahrung mit Hilfe ihrer Kiemen buchstäblich ein. Die sorgen zum einen dafür, dass der überlebensnotwendige Sauerstoff aufgenommen wird. Zudem filtern die Muscheln damit ihre Nahrung - mikroskopisch kleines Plankton - aus dem Wasser. Die Kiemen bilden ein feines Fangnetz. Es besteht aus mehreren, fein verzweigten Lamellen, die rechtwinklig zueinander angeordnet sind. Das engmaschige Netz verfügt über eine hinreichend große Oberfläche, damit die Muscheln genügend Nahrung aus dem Wasserstrom fischen können. Der Planktonfang wird in Schleim"pakete" verpackt, auf einem aus Flimmerhärchen bestehenden Förderband in Richtung Mund befördert und schließlich verdaut.

Damit nicht genug: Die Riesenmuschel Tridacna gigas und ihre kleineren Verwandten beherbergen zudem mikroskopisch kleine Algen, so geannte Zooxanthellen. Diese bewohnen den äußeren Mantelrand der Muschel. Eigentlich kleidet der Mantel das Muschelinnere aus. Bei geöffneten Schalen bedeckt er indes auch einen Teil der äußeren Schale. Für Tridacna sind die Untermieter äußerst wichtig, denn sie bauen mit Hilfe des Sonnenlichts organische Materie auf und stellen ein Teil davon der Muschel zur Verfügung.

Wie groß dieser Nahrungsanteil ist, hängt von der Menge der einfallenden Sonnenstrahlung ab. Im Fall von Tridacna spielt diese Art der Nahrungshilfe eine eher untergeordnete Rolle. Anders als ihre kleineren Verwandten muss die Riesenmuschel einen bedeutenden Teil ihrer Nahrung selbst filtrieren, da sie in größeren und daher lichtärmeren Tiefen siedelt.

 
Imprint | © marum | This page was last updated by: Albert Gerdes. Date: 17-02-2012, 01:53 PM 58