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Logbuch SONNE Nov-Dez 2003

Logbuch FS SONNE

Geologische Karte des Fahrtgebietes von FS Sonne

Auf dieser Webseite können Sie das Bordtagebuch der aktuellen Reise der SONNE einsehen. Das Forschungsschiff befindet sich derzeit im Golf von Cadiz . Expeditionsleiter Prof. Achim Kopf berichtet in Abständen von einigen Tagen über die Arbeiten an Bord des knapp 100 Meter langen Schiffs.

Die Reise ist hauptsächlich der Erdbebenforschung gewidmet, denn im Untersuchungsgebiet (siehe Karte) stößt die nordwärts driftende afrikanische Platte mit der eurasischen Platte, sprich: der iberischen Halbinsel zusammen. Erdbeben sind eine Folge dieser Plattenbewegungen. Eines dieser verheerenden Beben zerstörte am 1. November 1755 die portugiesische Hauptstadt Lissabon. Dieses Beben, das zu den stärksten der Geschichte zählt, war in weiten Bereichen Europas zu spüren. Es kostete etwa 60.000 Menschen das Leben. Viele Menschen wurden Opfer der durch das Beben ausgelösten meterhohen Flutwellen. - Weitere heftige Beben ereigneten sich in der Region 1964 und 1969. Sie erreichten Stärken von 6,9 bzw. 7,9 auf der Richter-Skala.

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Das Einsatzgebiet des Forschungsschiffs SONNE.

Sie können die Karte bzw. die unten stehenden Fotos in vergrößerter Ansicht betrachten, wenn Sie darauf klicken.

28. 12. - 30. 12. 2003

Dienstag, 30.12.
Europahafen Bremen
Um 8.00 Uhr fingen die restlichen Vorbereitungen für den heutigen Tag der offenen Tür an. Für 10.00 Uhr war geladen, doch die ersten Gäste standen schon um 9.15 Uhr an der Pier. Wenn selbst die Tagesthemen über die Heimkehr der Sonne berichten, dann erstaunt das nicht. Insgesamt war der Tag ein voller Erfolg mit über 2.100 Besuchern, die viele Fragen stellten und sowohl Technik als auch Wissenschaft bestaunten.

Einer der Stars war mit Sicherheit der Unterwasserroboter MOVE, der vor kurzem das erste Mal erprobt wurde. Er soll selbstständig Proben und Messungen am Meeresboden vornehmen. Ohne am Kabel zu hängen und u. U. monatelang. Über 2.000 Besucher konnten wir bis 16.00 Uhr zählen. Dann wurde der ganze Zauber wieder abgebaut und gegen 17.00 Uhr lief die Sonne wieder nach Bremerhaven aus. Alles in allem eine sehr gelungene Expedition sowohl aus wissenschaftlicher als auch aus öffentlichkeitswirksamer Sicht. Hierfür vielen Dank an die Mannschaft und die Schiffsleitung der Sonne auch im Namen meiner Kollegen sagt: Achim Kopf, Expeditionsleiter

Montag, 29. 12.
Bremerhaven/Bremen
Am Morgen kommen ca. 120 Gäste an Bord. Unter ihnen sind Journalisten, Angehörige der Reederei Forschungsschiffahrt aus Bremen, Mitarbeiter der Universität Bremen, Wissenschaftler und Persönlichkeiten aus der Wissenschaftspolitik. Außerdem eine Lesergruppe der Bremer Tageszeitung "Weser Kurier". Mehrere Hundert Leser hatten sich für diesen besondern "Blick hinter die Kulissen" beworben, doch nur 16 konnten mit. Vor dem Auslaufen stimmte ein Shanty Chor auf den Tag ein.

Während der Fahrt konnte das ganze Schiff besichtigt werden. Nach der wirklich leckeren Erbsensuppe gab es am Nachmittag Vorträge über die Ergebnisse der letzten beiden Expeditionen. Gegen 16.00 Uhr legten wir im Europahafen in Bremen an - auch hier empfangen vom Fernsehen - in diesem Fall die regionale Nachrichtensendung Buten und Binnen. Dann ging noch einmal die Hektik los und es wurde für den abendlichen Empfang und den Tag der offenen Tür aufgebaut. Beim Empfang gab es nicht nur lecker essen sondern auch Live-Musik und eine Reihe von Postern über die Arbeiten an Bord der Sonne.

Sonntag, 28. 12
Bremerhaven
Da die Sonne das erste Mal seit 12 Jahren wieder einen deutschen Hafen anläuft, bekommen wir einen großen Bahnhof. Bei kaltem und heftigem Wind kommt mit dem Lotsenboot ein Team vom NDR an Bord. Mit dem Team kamen auch der Eigner der Reederei Forschungsschiffahrt und deren Geschäftsführer an Bord. Die Mannschaft ist schon seit Tagen mit den Vorbereitungen für die nächsten beiden Tage beschäftigt. Wir bekommen nämlich viel Besuch.

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Das NDR-Fernsehteam kommt an Bord

Der Lotse hat heute ungewöhnliche Fracht für uns an Bord: ein Fernseh-Team des NDR.

Nach 12 Jahren der erste deutsche Hafen: Bremerhaven

Nach 12 Jahren das erste Mal wieder in Deutschland. Die Sonne legt in Bremerhaven an. Im Hintergrund der Zoo am Meer im Umbau.

18. - 27. 12. 2003

Donnerstag, 25. bis Samstag, 27.12.
Ärmelkanal bei Calais/Frankreich

In der nördlichen Biskaya überholt uns der Luxusdampfer Queen Mary II. Sie befindet sich auf einer Testfahrt nach Southampton. Wir fragen uns, was wohl eine Kabine auf diesem Kreuzfahrer kostet. Nach voller Fahrt bis hinein in den Ärmelkanal kann am Freitag eine Maschine abgeschaltet und auch die anderen beiden gedrosselt werden. Nichts steht einem pünktlichen Eintreffen in Deutschland mehr entgegen, und so dampfen wir gemütlich an der französischen und dann belgischen Küste entlang. Der Expeditionsbericht ist zum größten Teil verfasst, und die Mannschaft verschönert auf der Überfahrt das Schiff für die Rückkehr nach Deutschland.

Mittwoch, Heiligabend
Biskaya
Wider Erwarten empfängt uns die (zu dieser Jahreszeit sonst extrem raue) Biskaya mit kleinen Wellen, und mit drei Schiffsdieseln und günstigen Wind- und Strömungsverhältnissen durchkreuzen wir diesen gefährlichsten Reiseabschnitt unerwartet schnell. Nachdem der Kapitän eine Rede gehalten hat, gibt es Geschenke für die Mannschaft: Fliessjacken der Reederei. Da die Temperaturen merklich abnehmen gen Norden ein wahrlich passendes Geschenk!

Montag/Dienstag 22.-23.12., Lissabon
38 Grad 40 Minuten Nord / 8 Grad 15 Minuten West
Grosse Erleichterung beim Grossteil der wissenschaftlichen Truppe: Es geht nach Hause in die Weihnachtsferien! Vorher müssen freilich noch Container gepackt werden, um später in Deutschland leicht und systematisch löschen zu können. Gegen Mittag macht sich SONNE mit reduzierter Mannschaft auf die letzte Etappe von Lissabon ins heimatliche Deutschland.

Sonntag, 21.12.
36 Grad 2 Minuten Nord / 10 Grad 35 Minuten West
Heute werden alle Labore abgebaut und in Container verpackt. Nur die Wärmestromlanze wird noch mal für einige Stunden über der Gorringe Bank und in der Horseshoe-Tiefseeebene in den Grund gerammt. Am Nachmittag machen wir uns dann gen Norden auf, um nach etwa 4 Wochen wieder in der portugiesischen Metropole Lissabon einzulaufen.

Samstag, 20.12.
37 Grad 30 Minuten Nord / 11 Grad 1 Minute West
Auf der Tagus-Tiefseeebene im Norden des Studiengebiets nehmen wir heute den tiefsten Kern der Expedition - aus über 5.100 Metern unter dem Meeresspiegel. Das 5-stündige Manöver lohnt sich, denn wiederum geben gut geschichtete Sedimente Aufschluss über Trübeströme der jüngsten Erdgeschichte.

Freitag, 19.12.
36 Grad 48 Minuten Nord / 10 Grad 2 Mintuen West
Eine solche Rutschung nehmen wir uns dann für eine Detailstudie vor. Dazu untersuchen wir die Struktur des Untergrundes zunächst seismisch, also mit Schall. Danach können wir gezielt Proben nehmen, und es gelingt uns perfekt, die nördlichste Zunge des abgerutschten Materials zu durchstoßen. Die Porenwässer zeigen Anomalien, die darauf hindeuten, dass das Ereignis noch nicht lange zurück liegen kann.

Donnerstag, 18.12.
36 Grad 6 Minuten Nord / 10 Minuten 40 Grad West
Die letzten Expeditionstage verbringen wir mit dem Sammeln von Referenzsedimenten in den verschiedenen Tiefseeebenen um den Gibraltarkeil. Diese Arbeiten sind zeitaufwendig, da große Wassertiefen vorherrschen und unsere Geräte lange bis zum Meeresgrund unterwegs sind. Auf der Horseshoe-Tiefseeebene finden wir heute interessant geschichtete Sedimente, die durch Hangrutschungen und Trübeströme verursacht wurden.

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Blinde Passagiere auf dem Vorschiff

Blinde Passagiere auf dem Vorschiff

Die Queen Mary II ist schneller als wir

Der Luxusdampfer Queen Mary II überholt uns in der Biskaya.

Wir haben unsere eigene Championsleague

Viele sportliche Betätigungen gibt es auf einem Schiff nicht, aber die wenigen, die uns die langen Zeiten der Überfahrt verkürzen, werden ernst genommen.

Die Wissenschaftler gehen in Lissabon von Bord

Am 23. gehen die meisten Wissenschaftler von Bord.

Unser Lotse für den Hafen von Lissabon

Der Lotse empfängt uns im Hafen von Lissabon.

13. - 17. 12. 2003

Mittwoch 17.12.
34 Grad 49 Minuten Nord / 8 Grad 50 Minuten West
An einem mehrere Kilometer weiten untermeerischen Kegel haben wir heute erhöhte Wärmestromwerte gemessen. Sie könnten auf hohen Fluidfluss oder aber auf Salzstöcke im Untergrund hindeuten. Um diese Frage zu beantworten, haben wir zwei Sedimentkerne gezogen, die gerade im Labor untersucht werden. Nach Abschluss dieser Arbeit werden wir langsam weiter nach Norden dampfen.

Dienstag, 16.12.
34 Grad 58 Minuten Nord / 8 Grad 27 West
Nach der Rückkehr ins südliche Arbeitsgebiet messen wir den Wärmefluss über einige tektonische Störungen, denn durch Reibung der Gesteins- und Sedimentblöcke entsteht Wärme, die durch das Wasser im Sediment in Richtung Meeresboden abgeführt wird. Diese Studien werden wir bis morgen fortsetzen. Mittlerweile haben wir wieder mehr als 3.000 Meter Wasser unterm Kiel.

Montag, 15.12.
35 Grad 55 Minuten Nord / 6 Grad West
Aufgrund des herrlichen Wetters während fast der gesamten Fahrt haben wir etliche Ziele der Expedition schon erreicht und schieben einen Extraprogrammpunkt ein. In der Strasse von Gibraltar ganz im Osten unseres Untersuchungsgebioets existiert ein untermeerischer Rücken, der bis 50 Meter unter dem Meeresspiegel aufragt. Diese Untiefe war vor der letzten Eiszeit eine Insel. Unsere Videoschlittenuntersuchungen zeigen, dass sie in ihrem Zentrum einen magmatischen Kern hat, dass aber die Flanken von weichen Ablagerungen bedeckt sind. An den Rändern der ehemaligen Insel befinden sich Terrassen, die aus verbackenen Sedimenten bestehen. Sie sind mit allerlei Tieren und Pflanzen bewachsen. Eine Aufgabe nach der Expedition wird sein, die Alter sog. "beach rocks" (Strandterrassen) zu datieren.

Sonntag, 14.12.
35 Grad 37 Minuten Nord / 7 Grad 9 Minuten West
Die Kartierungsfahrt über Nacht brachten uns so dicht an die Küste Nordafrikas, dass wir nach Wochen der Abgeschiedenheit auf See endlich wiederper Handy mit den Lieben daheim telefonieren können. Am Morgen geht es nichtsdestotrotz weiter mit der Schlammvulkanforschung. Der Ginsburg Schlammkegel, der einen mehrere hundert Meter weiten Kraterbereich hat, zeigt in unserem TV-Greifer kleine Gashydratchips. Insgesamt zählt er zu den aktiveren Schlammvulkanen. Umgekehrt vermag keine unserer Videoschlitten-Untersuchungen direkt Hinweise auf bakterielle oder anderweitige Besiedelung aufgrund starken Gasausstosses zu geben. Um die Fluiddynamik quantitativ und längerfristig zu erfassen, liessen wir heute in den Captain Arutyunov-Schlammvulkan eine Lanze fallen, die über den Zeitraum von 4 Wochen Wärmestrom und Porendruck aufzeichnet und diese Daten dann per Satellitentelefon am 14. Januar 2004 ins Heimatlabor nach Bremen sendet. Auch diese Operation wurde durch ausgesprochen ruhige See begünstigt.

Samstag, 13. Dezember
35 Gtad 18 Minuten Nord / 6 Grad 47 Minuten West
Nach dem erfolgreichen Abschluss der seismischen Profilaufnahme studieren wir weitere Schlammvulkane. Gleich morgens beproben wir einen bisher nicht bekannten untermeerischen Hügel. Die Sedimentkerne weisen unter einer dünnen Deckschicht die klassischen dunkelgrauen Tonbrekzien auf. Das sind Schlämme in Schlammvulkanen, die beim Aufstieg aus grosser Tiefe Brocken des darüberliegenden Gesteins mitgerissen haben. Den Rest des Tages nehmen wir zahlreiche Sedimentkerne auf dem marokkanischen Schelf. Diese Meeresablagerungen werden uns durch Untersuchungen, die wir nach der Expedition durchführen werden, veraten, wie stark warmes Mittelmneerwasser in der jüngsten Erdgeschcihte in den Atlantik einströmte.

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Graphik: DFG-Forschungszentrum Ozeanränder

Echographischer Schnitt durch eine Gruppe von Schlammvulkanen; aufgenommen am 14.Dezember.

Foto: DFG-Forschungszentrum Ozeanränder

Die ehemalige, heute mit vielen Unterwasserpflanzen bewachsene Küstenlinie der am 15. 12. untersuchten eiszeitlichen Insel in der Strasse von Gibraltar.

Foto: A. Kopf, DFG-Forschungszentrum Ozeanränder

Feierabend: Nach einem langen Tag wird in der Abendsonne entspannt über die Ergebnisse des Tages diskutiert.

7.- 11. 12. 2003

Mittwoch, 10. und Donnerstag 11. Dezember
Am Morgen hat sich der Sturm gelegt und Petrus und Neptun haben ganz andere Laune: Der Nordatlantik im Golf von Cadiz ist glatt wie ein Ententeich und die warme Wintersonne verwöhnt alle, die ein paar Minuten Zeit haben. Heute steht neben Sedimentkerne ein langes seismisches Profil auf dem wissenschaftlichen Programm. Für dieses Profil schleppen wir über eine Strecke von 200 km eine so genannte Unterwasserkanone hinter uns her. Sie beschießt den Meeresboden mit Schallwellen, die tiefer in den Grund eindringen, als unsere Lote es können. Die Schallwellen werden von den Strukturen im Meeresboden unterschiedlich reflektiert und von Mikrophonen wieder aufgefangen und aufgezeichnet. Während unter uns die Unterwasserkanone schießt, findet an Deck die wöchentliche Sicherheitsübung statt: Für den Fall der Fälle.

Dienstag, 9. Dezember
35 Grad 40 Minuten Nord / 7 Grad, 20 Minuten West
Aufgrund der nächtlichen Videoaufnahmen entscheiden wir, wo wir heute Sedimentlote ziehen wollen: Die Stellen liegen unter mehr als 3.100 m Wasser. Die Sedimente riechen stark nach faulen Eiern, da sie Hydrogensulfid enthalten. Das ist zwar unangenehm, aber ein gutes Indiz dafür das es hier Mikroorganismen gibt und Gas und Wasser aus dem Meeresboden austritt. Ein weiterer untermeerischer Hügel auf unserer Ozeanbodenkarte einige Seemeilen entfernt ist enttäuschend: Die Sedimente sind gleichmäßig und zeigen keine Anzeichen von aktiven Schlammvulkanen.

Freude kommt trotzdem auf, denn das Nachtprogramm ist "locker", da unsere Geräte weitere Strukturen am Meeresgrund kartieren. Nebenbei begehen wir das traditionelle "Bergfest", das die Mitte der 28-tägigen Expedition kennzeichnet. Bei Musik und Erfrischungsgetränken treffen sich Matrosen und Wissenschaftler von SONNE und tanzen und feiern bis in den frühen Morgen. Die schwere See trübt das Vergnügen und sorgt nicht nur für wacklige Tanzbeine, sondern auch für Wassereinbruch in die Labore, wenn Brecher über Deck gehen. Der Wind hat inzwischen auf mehr als 9 Windstärken aufgefrischt und das Schiff schaukelt beängstigend.

Montag, 8. Dezember
35 Grad 46 Minuten Nord / 9 Grad 0 Minuten West
Heute haben wir Tag und Nacht den Ozeanboden kartiert, um geeignete Stellen zu finden, an denen wir Flüssigkeitsaustritt aus dem Meeresboden studieren können. Ein solcher Ort ist der Bonjardim-Schlammvulkan, der etwa 3 km Durchmesser misst und sich als untermeerischer Berg über den umliegenden Meeresboden erhebt. Unsere Ozeanbodenkarte zeigte weitere kleine Hügel, die eventuell auf Sediment- oder Schlammvulkane hindeuten. Dies wollen wir überprüfen und lassen sofort den Videoschlitten zu Wasser. Wir ziehen ihn einige Meter über dem Meeresgrund hinter SONNE her und bekommen so Fernsehbilder vom Bodensediment und seinen Organismen.

Am östlichen Ende des seismischen Profils liegt der Ginsburg-Schlammvulkan, der vermutlich Gashydrat enthält. Wir untersuchen ihn mit dem Videoschlitten, um festzustellen, ob es sich lohnt das Sediment und das eisartige Methangas-Wasser-Gemisch zu beproben.

Sonntag, 7.Dezember
35 Grad 30 Minuten Nord / 9 Grad 21 Minuten West
Nach einem Fest am Nikolausabend, das sich auf der sog. Kegelbahn abspielte, dem langen Flur mit den ganzen Laboren eine Etage unter dem Hauptdeck, geht es wieder an die Arbeit. Heute wollen wir Sedimentkerne aus der Tiefsee-Ebene ziehen, um Turbiditablagerungen zu untersuchen. Turbidit kommt vom englischen Wort für trübe. Turbidite sind Sedimentschüttungen oder mit Sediment beladene Ströme, die an den Kontinentalhängen abwärts fließen. Sie entstehen unter anderem durch Erdbeben, wie das schwere Lissabon-Erdbeben von 1755. Erstaunlicherweise fand sich in den Sedimentkernen aber kein Turbidit, sondern ausschließlich sehr fester Ton.

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Zum Vergrößern bitte auf die Fotos klicken.

So kann ein Turbidit aussehen

So kann ein Turbidit aussehen: Eine Ablagerung groben, dunklen Materials, das zur Oberfläche hin (nach links) feiner wird.

Meeresgeologen in ihrem Element

Schlammvulkansediment an Deck: Große Aufregung bei den Meeresgeologen.

Gute Stimmung an Bord: Die Hälfte ist geschafft!

Bergfest und Nikolaus: Trotz der vielen Arbeit kommt auch der Spaß nicht zu kurz und zu jeder Expedition gehört ein Gruppenfoto! Zweiter von rechts ist der Expeditionsleiter Achim Kopf

Sicherheit tut Not

Damit im Ernstfall jeder weiß, was er zu tun hat, wird geübt, geübt, geübt. Sicherheitsdrills sind Pflicht!

4. - 6. 12. 2003

Samstag, 6. Dezember
etwa 35 Grad 35 Minuten Nord
Es ist Nikolaus und wir befinden uns auf Schleichfahrt gen Westen. Wir schleppen geophysikalisches Messgerät hinter dem Schiff. Damit wollen wir uns ein Bild von Beschaffenheit und Struktur des Meeresbodens verschaffen. Diese Schleichfahrt hat einige Vorteile: Sie gibt uns nicht nur Zeit für wissenschaftliche Diskussionen. Auch unsere Sedimentproben können endlich aufgearbeitet werden. Und dann bleibt sogar noch Zeit für eine kleine Nikolaus-Party am Abend.

Freitag, 5. Dezember
35 Grad 40 Minuten Nord / 7 Grad 20 Minuten West
Der Capt. Arutyunov-Schlammvulkan war schon vor unserer Expedition als einer der aktivsten Punkte im Untersuchungsgebiet bekannt. Nichtsdestotrotz wollen wir mit der Beprobung sowie mit Wärmeflussmessungen belegen, welche Rolle er im hydrogeologischen Kontext spielt. Gleich am Morgen bringt ein TV-Greifer eine knappe Tonne blubbernden, übel riechenden Matsch an Deck. Der lässt das Herz der Gashydratexperten höher schlagen. Einige Lote in diesem Schlammvulkan sowie zwei neu entdeckte Vulkane sorgen für reichlich Arbeit sowie für geologische Überraschungen. Wir fanden feste, stark zerscherte und wieder verheilte Tonsteine, sog. Klasten. Sie wurden beim Ausbruch des Schlammvulkans aus tieferen Schichten des Meeresbodens an die Oberfläche gerissen. Der Schlamm hingegen erinnert uns, was seine Konsistenz angeht, an die Mohnsauce, die es heute mittag zu den Germknödeln gab…

Donnerstag, 4. Dezember
36 Grad 5 Minuten Nord / 7 Grad 23 Minuten West
Wider Erwarten können wir am untermeerischen Schlammvulkan Cibeles mit dem Greifer kaum Proben gewinnen. Das Sediment ist weitestgehend zementiert, so dass der Greifer nur einige Kilogramm an Deck befördert. Abends geht es besser. Mit dem Schwerelot stanzen wir in einem von Tiefseekorallen umsäumten Gebiet extrem gute Kerne aus dem Meeresboden. Lob sei der Heiligen Barbara, der Schutzgöttin aller Geologen, deren Ehrentag wir heute feiern… wollten - doch wir sind zu müde, denn auch die voran gegangene Nacht haben wir mit Videountersuchungen verbracht.

30. 11. - 3. 12. 2003

Mittwoch, 3. Dezember
Im Hafen von Cadiz
Während des nächtlichen Einsatzes wird unsere Wärmestromlanze durch hartes Kalkgestein beschädigt. Am Vormittag erreichen wir Cadiz, eine der ältesten Städte Spaniens, die etwa 1.100 v.Chr. gegründet wurde. Das TV-Team geht von Bord. Es wird durch einige Wissenschaftler ersetzt. Bald schon laufen wir wieder aus, um in unser Forschungsgebiet zurück zu kehren. Bei einem so kurzem Aufenthalt gibt es natürlich keinen Landgang. Schade eigentlich.

Dienstag, 2. Dezember
36 Grad 11 Minuten Nord / 7 Grad 19 Minuten West
An den Hesperides-Schlammvulkanen, die aus mehreren Gipfelkratern bestehen, liefert die Videokamera faszinierende Bilder: Gasaustritte, Karbonatschlote, Schwämme und Kaltwasserkorallen sind zu sehen. Wieder ist das Schwerelot im Einsatz. Einer der stählernen Hohlzylinder kam verbogen wieder an die Oberfläche. Er war offenbar auf allzu harten Meeresboden gestoßen. Trotzdem steigt die Stimmung unter den Wissenschaftlern deutlich. Dazu trägt der erfolgreiche Einsatz einer sog. Porendrucklanze bei. Dann steht der Einsatz des Greifers an. Er lädt mehrere Zentner Meeresboden an Deck ab. Darin finden wir Korallen in allen Farben und Formen, zementierten Schlamm, Holzfragmente und schornsteinartige Gebilde aus Kalkgestein. Der Tag endet mit einem Fest, um das Spiegel-TV Fernsehteam zu verabschieden. Crew-Mitglieder und Wissenschaftler treffen sich beim wohlverdienten Bier vor dem sozialen Dreh- und Angelpunkt der "Sonne", dem roten Kühlschrank unter dem Arbeitsdeck im Rumpf des Schiffes.

Montag, 1. Dezember
36 Grad 9 Minuten Nord / 7 Grad 47 Minuten West
Eine eher ruhige Nacht, in der wir den Videoschlitten hinter uns her schleppen, endet dramatisch. Nach einer Fahrt über den mehr als 500 Meter hohen Schlammvulkan Lolita, der wenig spektakuläres Bildmaterial liefert, ist der Schlitten plötzlich manövrierunfähig. Nur mit Mühe kann das Gerät mit der schiffseigenen Winde wieder aus dem Wasser gehievt werden: ein Tiefseekabel hat sich darin verfangen. Geistesgegenwärtig befreit die Schiffscrew den außenbords hängenden Schlitten von seiner unfreiwilligen Last. Dabei schlägt das Gerät um und knallt mehrfach gegen die Bordwand. Doch wir haben noch einmal Glück: das Instrument wird schließlich sicher an Deck abgesetzt. In der Nacht zum Dienstag ist es schon wieder einsatzbereit.

Sonntag, 30. November
35 Grad 47 Minuten Nord / 9 Grad 12 Minuten West
Für Ende November ist es fast zu warm und auch die See ist ungewohnt ruhig. Mit dem Schwerelot nehmen wir Proben vom Meeresboden. Im Prinzip besteht das Schwerelot aus einem bis zu 18 Meter langen stählernen Hohlzylinder mit etwa zehn Zentimeter Durchmesser. An seinem oberen Ende sind etliche Bleischeiben montiert. Sie sorgen für das nötige Gewicht um das Lot, das per Winde zum Meeresboden herabgelassen wird, in die weichen Sedimente zu drücken. Die Proben werden also aus dem Meeresboden herausgestanzt. An den heutigen Proben ist zu erkennen, dass die Sedimente nicht regelmässig abgelagert, sondern geradezu durcheinander gewirbelt wurden. Möglicherweise sind sie an den untermeerischen Hängen durch Erdbeben ins Rutschen gekommen. Näheres müssen wir später in unseren Landlabors herausfinden.

25. - 29. 11. 2003

Samstag, 29. November
35 Grad 54 Minuten Nord / 9 Grad 20 Minuten West
An einem Tag fast ohne Wellengang verlaufen alle wissenschaftlichen Manöver reibungslos. Ausgenommen davon ist nur das Zuwasserlassen eines Beiboots. Dessen qualmender Motor sorgt zum ersten Mal für "blauen" Himmel - und beschert zudem dem Fernsehteam Aussenaufnahmen von der "Sonne".

Auch unsere Lanzen werden wieder eingesetzt, um die Wärmeströme am Meeresboden zu messen. Damit kann eventuell erklärt werden, ob die Meersablagerungen an der Grenze zweier Erdplatten, wie wir sie hier vor Gibraltar vorfinden, verheerende Erdbeben auslösen können. Im Übrigen richtet sich der Blick aller an Bord auf den morgigen Sonntag: Es soll Entenbrust mit Orangen geben und obendrein mildes Wetter…

Freitag, 28. November
36 Grad 53 Minuten Nord / 9 Grad 45 Minuten West
An der ersten Untersuchungsstation der Reise, der Marques de Pombal-Störung, werden mehrere Geräte zu Wassser gelassen: der Videoschlitten für Unterwasseraufnahmen sowie Wärmestromlanzen und Geräte, um am Meeresboden Sedimentproben zu nehmen. Unter anderem soll damit untersucht werden, ob untermeerische Rutschungen etwas mit dem großen Erdbeben von 1755 zu tun hatten. An Bord gibt es erste Ausfälle durch Seekrankheit, die in starkem Kontrast zu den delikaten Lachssteaks des Küchenteams um Chefkoch Willi stehen.

Dienstag/Mittwoch, 25./26. November
Lissabon
Pünktlich zum Sonnenuntergang läuft das Forschungsschiff "Sonne" in Portugals Hauptstadt ein und wird vis-a-vis der Christusstatue vertäut. Das neue Expeditionsteam begrüßt das Schiff im Hafen. Noch eine letzte Nacht im komfortablen Hotel in der Altstadt Lissabons - dann heißt es Abschied nehmen um bis Weihnachten in eine schaukelnde Koje umzusteigen.

Am nächsten Vormittag heißt es "Anpacken für alle". Die zwei Dutzend Wissenschaftler aus fünf europäischen Staaten helfen beim Beladen und Verstauen des Expeditionsmaterials. Trotz einiger kurzfristiger Umbesetzungen hat sich eine Gruppe mit breiter Expertise zusammen gefunden. Sie wird in den kommenden Wochen im Golf von Cadiz unterwegs sein; u.a. um die Ursachen des grossen Erdbebens von Lissabons im Jahr 1755 zu studieren. Noch vor dem Ablegen kommen Dr. Pinheiro (Universität Aveiro, Portugal) und Dr. Hornibrook (Universität Bristol, England) an Bord, um ihre Kollegen im Rahmen einer angeregten Diskussion mit weiteren Informationen über die Geologie des Untersuchungsgebiets zu versorgen.

Um 21 Uhr heißt es "Leinen los!". Bei reichlich Wind und Dünung macht die "Sonne" sich auf den Weg nach Süden ins Arbeitsgebiet. Die Expedition wird begleitet von einem Spiegel-TV-Team, das eine Reportage über die Erdbebenforschung an Bord drehen wird.

 
Imprint | © marum | This page was last updated by: Nicole Mertz. Date: 27-07-2010, 12:40 PM 58