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Positionslichter - Pottwale

Positionslichter

Gibt es Situationen, in der man beide Seitenlichter eines Schiffes sehen kann?
Dieter Hausner, Michelbach

Auch auf hoher See gibt es Regeln und Vorschriften. Eine davon besagt, dass Schiffe bei Nebel und Dunkelheit Positionslichter führen müssen. Sie geben Auskunft über deren Größe, Art und Manövrierfähigkeit. Da es auf Wasserstraßen keine weder Seiten- noch Mittelstreifen gibt, sind verschieden farbige Lichter notwendig, um Havarien zu verhindern. Unter anderem muss jedes Schiff über sieben Meter Länge je ein rotes und ein grünes Licht an Backbord bzw. Steuerbord führen. Sie sind so angebracht, dass sie nach vorne und zur Seite strahlen. Sieht ein Schiffsführer beide Lampen gleichzeitig, so weiß er, dass er sich in Fahrtrichtung direkt vor einem anderen Schiff befindet. Diese so genannte Position Null ist besonders gefährlich, da sich beide Fahrzeuge dann auf derselben Kurslinie bewegen. Damit der Skipper sicher und schnell erkennt, dass sich sein Schiff in dieser Gefahrenzone befindet, dürfen sich die Lichtkegel der grünen und roten Lampen maximal sechs Grad überlappen.

Die Seglerzeitschrift "Palstek" bietet unter www.palstek.de/night_view.html einen tollen Service. Hier können Skipper und Skipperinnen ihr Wissen trainieren. Vom kleinen Ruderboot über den Fischkutter zum Saugbagger werden alle Lichterführungen simuliert. Der Clou: Man kann die Lichter sogar aus verschiedenen Positionen betrachten - einschließlich der Position Null.

Positionslichter II

Wie heissen die Positionslichter, die von Schiffen tags und nachts betrieben werden müssen?
Sonja Niemeier, per E-Mail

Eine scheinbar einfache Frage – deren Antwort en detail indes den Rahmen dieser Rubrik sprengen würde. Denn die Zahl der Sicht- und Schallzeichen, die unterschiedliche Schiffstypen auf hoher See, in Revierfahrt oder Häfen führen oder ertönen lassen müssen, ist unübersichtlich groß.

Beschränken wir uns also auf den Normalfall eines frei fahrenden Seeschiffs, das mehr als 50 Meter lang ist und nicht in die Kategorie der Spezialfahrzeuge fällt. Ist ein solches Schiff auf See unterwegs, dann ist von Sonnenuntergang bis -aufgang oder bei unsichtigem Wetter eine Lichterführung vorgeschrieben, die seine Lage und Fahrtrichtung erkennen lässt. Das sind zwei weiße „Topplichter“ mit Leuchtwinkeln von 225 Grad, also jeweils 112,5 Grad nach links und rechts von genau geradeaus. Dabei muss das achtere mindestens 4,5 Meter höher angebracht sein als das vordere. Sie müssen außerdem einen Abstand von mindestens halber Schiffslänge haben und ihr Licht noch in sechs Seemeilen zu sehen sein. Dies bezeichnen Nautiker als „Tragweite“. Backbord ist eine rote Positionslaterne vorgeschrieben, Steuerbord eine grüne. Sie müssen von direkt voraus ebenfalls jeweils 112,5 Grad zu beiden Seiten abdecken. Die noch fehlenden 135 Grad werden von dem weißen „Hecklicht“ bestritten. Sowohl die farbigen Seitenlichter als auch das Hecklicht müssen mindestens drei Seemeilen Tragweite haben.

Positionslichter III, Navigationslichter

Seit wann haben Schiffe Positionslaternen? Und ist es nur Zufall, dass Backbord Rot und Steuerbord Grün hat?

Maritime Lexika erwiesen sich als Fehlgriff. Nautiklehrer des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie zuckten mit den Schultern. Selbst die Experten des Deutschen Schiffahrtsmuseums wussten nicht recht weiter. Ein Artikel der Zeitschrift Der Seewart von 1957 zitiert den byzantinischen Kaiser Leo Isaurus, der um das Jahr 740 für nachts ankernde Schiffe ein weißes Licht vorschreibt. Diese erste Regel hielt sich mehr als 1.000 Jahre.

Erst als dampfgetriebene Schiffe häufiger werden und der küstennahe Verkehr wächst, kommt Farbe ins Spiel. 1834 schlägt der englische Ingenieur Shaw der City of Dublin Steamship Company vor: weißes Topp-, weißes Steuerbord-, rotes Backbordlicht. Zwei Jahre darauf führt die konkurrierende P&O Company aus Southampton an Backbord grün und an Steuerbord rot ein. Die britische Admiralität spricht 1847 ein Machtwort: Steuerbord grün und Backbord rot. Warum sich die Admirale so und nicht umgekehrt entscheiden, ist freilich nicht überliefert.

Die Hamburger und Bremer Handelshäuser ignorieren die neue Regelung zunächst. Erst 1853 schreibt das preußische Ministerium für Handel und Gewerbe die britische Lichterführung vor. 1858 einigen sich Frankreich, Österreich-Ungarn und die norddeutschen Küstenländer auf die von den Briten vorgegebenen Farben, jetzt auch für Segelschiffe. 1889 beschließen 27 Staaten in Washington eine international abgestimmte Seestraßenordnung.

Pottwale

Schlafen Pottwale mit geschlossenen Augen?
Margot Berger per Mail

Pottwale sind gesellige Schläfer und finden sich oft zu gemeinsamen Nickerchen zusammen. Dabei müssen sie darauf achten, dass sie nicht ertrinken, denn sie müssen sich ? als Anpassung an ihre tiefen Tauchzüge ? für jeden einzelnen Atemzug bewusst entscheiden. Wenn sie schlafen, bleibt daher immer eine Gehirnhälfte wach. Dementsprechend schließen sie vermutlich auch niemals beide Augen, wenn sie schlafen. Aber schließen können sie sie, denn wie wir besitzen sie Augenlider, was bei Walen nicht selbstverständlich ist. Wimpern haben sie jedoch nicht. Stattdessen sondern sie eine fettreichen Tränenflüssigkeit an, um ihre winzigen Augen vor dem aggressiven Salzwasser zu schützen.
Mit sieben bis acht Zentimetern scheinen die rötlich-braunen Augen für einen bis zu achtzehn Meter langen Giganten wirklich zu klein. Doch sie liefern ? zumindest unter Wasser ? ein scharfes Bild. Daran kann es also nicht liegen, dass sie in ihrem ?Halbschlaf? mit Schiffen zusammenstoßen. Wohl aber daran, dass sie dabei lieber ihre Artgenossen beobachten, als das, was um sie herum vorgeht. Was sie aber an ihren schlafenden Artgenossen so interessant finden, konnten Wissenschaftler noch nicht ergründen.

Quallen

Bei einem Urlaub auf Korsika habe ich fest gestellt, dass Kinder Angst vor Quallen haben. Ist diese Furcht berechtigt?
Elke Thalwitzer-Zirck, Duisburg

Eigentlich sind es grazilie Schönheiten; gleichwohl sehen kleine wie große Badetouristen meist scheel auf Quallen herab. Sie erscheinen ihnen als schleimig-eklige Gebilde, die man besser meidet. Ob diese Quallenphobie berechtigt ist, hängt nicht zuletzt von der Giftigkeit der Nesselzellen ab. "In korsischen Gewässern kommt vor allem eine Quallenart in Betracht, die für den Menschen sehr unangenehm werden kann", kommentiert Dr. Robert A. Patzner von der Universität Salzburg: "Es ist dies die Feuerqualle Pelagia noctiluca." Sie erreicht einen Durchmesser von etwa fünf Zentimetern; ihre Tentakeln können allerdings mehr als einen halben Meter lang sein.

"Diese Quallenart kann so unangenehm nesseln, dass Wunden oft längere Zeit nicht verheilen, sondern ständig nässen und erst allmählich vernarben," sagt der Meereszoologe. Feuerquallen kommen einzeln vor, können vom Seewind aber auch zu großen Schwärmen zusammen getrieben werden - besonders in Sommermonaten nach milden Wintern. Gelegentlich müssen deswegen Strände gesperrt werden. Hin und wieder driften aus dem Atlantik Portugiesische Galeeren ins Mittelmeer. Diese sogenannte Staatsquallen entwickeln bis zu fünfzig Meter lange Fangfäden, die extrem nesseln. "In seltenen Fällen ist es durch Schockwirkung schon zu Todesfällen gekommen" weiß Robert Patzner.

Weitere Informationen: Horst Moosleitner / Robert Patzner; Unterwasserführer Mittelmeer: Niedere Tiere; Verlag Delius & Klasing

Qualleninvasionen

Wie kommt es zu solchen Qualleninvasionen wie in diesem Sommer an Spaniens Mittelmeerküste?

Quallenqualen erlitten im Sommer 2006 Tausende Mittelmeerurlauber, besonders entlang der spanischen Küste. Mehr als 10.000 von ihnen mussten sich bis August behandeln lassen, nachdem sie Bekanntschaft mit der Leuchtqualle Pelagia noctiluca machten. Ihre Invasionen sind nichts Neues. Schon früher wurden Strände gesperrt, wenn warmes Wasser in Küstennähe gelangte und Schwärme der Wärme liebenden Quälgeister mit sich führte.

Die globale Erwärmung sorgt aber dafür, dass das Mittelmeer immer mehr zur Badewanne wird, mit bis zu 33 Grad Celsius Wassertemperatur. Vom Menschen eingeleitete Nährstoffe lassen die Algen, die Nahrung vieler Quallen, zusätzlich gedeihen. Hinzu kommt, dass der Mensch fast alle Fressfeinde der Quallen wie Meeresschildkröten und Fische (auch Tun- und Schwertfische) erbarmungslos dezimiert. Lederschildkröten fressen täglich das Doppelte des eigenen Körpergewichts an Quallen. Doch häufig verenden sie in illegalen Treibnetzen. Welches Tier wie viele Quallen frisst, ist übrigens schwer einzuschätzen – solche Fragen klärt man unter anderem, indem man den Mageninhalt gefangener Tiere analysiert. Und Quallen, die 98 Prozent Wasser enthalten, erkennt man in dem Mischmasch nur selten.

 
Imprint | © marum | This page was last updated by: Albert Gerdes. Date: 15-06-2010, 03:24 PM 58