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Nebel - Normalnull
Nebel auf See
Ist Nebel auf See ein Zeichen für Landnähe? Oder gibt es nebelanfällige Ozeanregionen?
Malte Schulz-Sembten, Homberg/Ohm
Nebeltröpfchen sind bis zu 20 Tausendstelmillimeter groß. Wenn sie sich ballen und die Sichtweite auf weniger als einen Kilometer schrumpft, herrscht laut meteorologischer Definition Nebel. Auf See kann dies durchaus ein Zeichen von Landnähe sein. So streicht im Herbst kühle kontinentale Luft seewärts über das noch 15 oder mehr Grad Celsius warme Ostseewasser. Die Folge: ausgedehnte Nebelfelder, so genannte Warmwassernebel. Umgekehrt werden Kaltwassernebel häufig im Frühjahr beobachtet, wie zum Beispiel in der Nordsee. Grund ist feuchtkalte Meeresluft, die auf feuchtwarme Festlandsluft trifft.
Freilich gibt es auch offene Ozeanregionen, in denen Nebel gehäuft auftritt. Dies ist im westlichen Nordatlantik und im Nordpazifik der Fall, vor allem im Juli. Berüchtigt ist der Neufundlandnebel, der sich im Grenzbereich zwischen kaltem Labradorstrom und warmem Golfstrom entwickelt. Aber auch im Indischen Ozean sind solche „Nebellöcher“ bekannt, in denen warme und kühle Meeresströmungen aufeinander treffen.
Nesselzellen
Wie funktionieren die Nesselzellen von Quallen?
Ein kleiner Krebs schwimmt nichts ahnend durch das Meer. Da streift er unachtsam den Fangarm eines gefährlichen Räubers. Eine Qualle. Durch den plötzlichen mechanischen Reiz des Tentakels schießen einige Nesselzellen ihre Harpunen ab. Mit der Wucht einer Gewehrkugel durchschlagen sie den Panzer des Opfers. Die chemischen und mechanischen Reize von Wundsäften und die Zuckungen des verletzten Tieres signalisieren der Qualle, dass die ursprünglichen Reize tatsächlich von Beute stammten.
Jetzt heißt es „Feuer frei!“ für ganze Batterien von Nesselzellen. Durch den Befehl lösen sich in der Zelle Kalziumionen von ihren Speicherproteinen ab. Das verursacht einen Wassereinstrom in die Zelle, sodass der Innendruck auf 140 bar steigt – das entspricht dem Druck in 1.400 Meter Wassertiefe. Um diesem Druck standzuhalten besteht die Zellwand aus einer Proteinkapsel so hart wie Stahl. In der Zelle aufgerollt ruht ein zwei Milliardstelgramm leichter, mit Gift versehener Faden. Der Deckel der Zelle wird durch den Druck weggesprengt und der Faden herausgeschleudert. Seine Stilettspitze erreicht knapp 70 km/h bei einer Beschleunigung von mehr als dem 5,4-Millionenfachen der Erdbeschleunigung. Das Gift dringt durch die Wunden und tötet den Krebs. Er hatte von Anfang an keine Chance.
Nordseemuscheln
Wie alt werden Nordseemuscheln und woran sind die Muscheln gestorben, deren Schalen man an den Nordseeküsten findet?
Karsten Jacob, per Email
Wer seine Muschelfunde aus dem Sommerurlaub am Meer wieder herauskramt, kann ganz leicht das Alter der Muscheln abschätzen: Man zählt einfach die Jahresringe. Denn ähnlich wie Bäume bilden Muscheln in ihren Schalen Wachstumsringe. Die maximale Lebensspanne einer Muschel ist abhängig von der Art. So werden Sandklaffmuscheln bis zu 13 Jahre alt, pazifische Austern maximal 40 Jahre. Der Methusalem unter den Muscheln ist die Islandmuschel: Wenige Exemplare werden über 400 Jahre alt. Dies macht sie zu gefragten Forschungsobjekten, da sie zu Lebzeiten in ihrer Schale Informationen über die Umweltbedingungen in der Nordsee speichern. Durch die Fischerei sind die Bestände der Islandmuschel in der Nordsee jedoch stark zurückgegangen. Aber auch strenge Winter und die Versauerung der Ozeane wirken sich negativ auf die Bestände aus. Die natürlichen Feinde der Muscheln sind vor allem Seevögel, die mit ihren Schnäbeln die Schalen zu knacken versuchen. Aber auch bei manchen Fischen und Seesternen stehen Muscheln auf dem Speiseplan. Seesterne können Muschelschalen sogar mit ihren Arme auseinanderdrücken. Dann stülpen sie ihren Magen in die Muschelschale und verspeisen diese.
Normalnull
Was versteht man unter Normanull und wie wird es ermittelt?
Marcel Veszeli, Basel
"In Deutschland sind die Höhenangaben der Landesvermessung auf das sog. Normalnull (NN) bezogen, dessen Lage durch eine Anzahl Höhenfestpunkte in der Nähe von Potsdam festgesetzt ist. An der deutschen Nordseeküste weicht das Normalnull nur um geringe Beträge vom mittleren Wasserstand ab", so lautet die auf der Webseite des Bundesamtes für Seeschiffahrt und Hydrografie (www.bsh.de) nachzulesende Definition.
Der Potsdamer Messpunkt wiederum ist auf den so genannten Amsterdamer Pegel (NAP) "geeicht", der 1662 erstmals urkundlich erwähnt wird. In Westeuropa beziehen sich die meisten Höhensysteme auf den NAP, im osteuropäischen Raum dient der Pegel Kronstadt am finnischen Meerbusen als Bezugspunkt. Selbst die küstenlose Schweiz ist über geodätische Messnetze mit dem Weltmeer verbunden. Eidgenössischer Bezugspunkt ist der Stein Pierre du Niton im Hafen von Genf; er liegt exakt 373,6 Meter über den Pegel von Marseille. Pegelhöhen als Bezugspunkte für Höhenvermessungen werden durch langfristige Beobachtungen des Meeresspiegels gemessen und festgelegt.
Seit 1988 kann den "Vater aller Pegel" im Amsterdamer Stadhuis, dem Neuen Rathaus, besichtigen. Die drei Wassersäulen zeigen den aktuellen Nordseepegelstand, gemessen bei Ijmuiden, den der Westerschelde bei Vlissingen sowie den höchsten Pegelstand während der verheerenden Sturmflut 1953. Damals lag der Wasserstand 4,55 Meter über dem Normalnull des Amsterdamer Pegels.

