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Meeresboden frisch geröntgt
Die Reise nach Rotenburg
In einer ungewöhnlichen Zusammenarbeit mit Radiologen eines Rotenburger Krankenhauses haben Geowissenschaftler der Universität Bremen Bohrkerne vom Meeresboden vor Nordwest-Afrika geröntgt.
Normalerweise sehen Patienten, die sich von Dr. Stephan Harmers untersuchen lassen, anders aus. Dort, wo sonst angeknackste Knöchel oder gebrochene Arme durchleuchtet werden, kamen am 13. Dezember 2005 drei Wissenschaftler des DFG-Forschungszentrums Ozeanränder der Universität Bremen mit einem Handwagen voller Schlickkerne vorbei. Sie hatten ein außergewöhnliches Anliegen. Die Sedimentkerne, die die Meeresforscher im flachen Wasser vor Nordwest-Afrika erbohrt hatten, sollten geröntgt werden. Im Vorfeld war man sich schnell einig geworden, da diese Zusammenarbeit für beide Seiten, für die Rotenburger Radiologen wie für die Bremer Geologen, etwas reizvoll Exotisches darstellte und von großer Neugierde begleitet war.
Im Forschungszentrum stehen in begrenztem Maß finanzielle Mittel bereit, mit denen flexibel auf aktuelle Forschungsfragen reagiert werden kann. Diese werden - wie bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft - per Antragsverfahren vergeben. Die Meereswissenschaftler um Dr. Till Hanebuth hatten bereits im Sommer mit dem Forschungsschiff METEOR Sedimentkerne vor Mauretanien erbohrt. Nun gaben ihnen die Mittel des Forschungszentrums die Möglichkeit, weiteres Material zu untersuchen, das Prof. Suzanne Leroy von der Londoner Brunel Universität im Jahre 2004 auf der Banc d'Arguin gewonnen hatte. Das riesige Wattgebiet an der Küste Mauretaniens ist mit unserem heimischen Wattenmeer vergleichbar; es ist ebenfalls Nationalpark. Sehr viele Watvögel, die im Sommerhalbjahr bei uns brüten, überwintern an der westafrikanischen Küste. Um solche Wattgebiete langfristig zu sichern, ist ein Grundverständnis für die in diesem Ökosystem ablaufenden Prozesse von großer Bedeutung.
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