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Vincent van Gogh

Der Schnitter von Vincent van Gogh
Les Alpilles
Die Alpilles, die van Gogh in seinem Werk im Hintergrund dargestellt hat, sind den meisten von uns als Seealpen oder Meeralpen bekannt, die den südlichsten Teil der Westalpen im Grenzgebiet von Frankreich zu Italien bilden. Die Gebirgszüge der Seealpen erstrecken sich im Süden bis zur Mittelmeerküste, wo sie in den Ligurischen Alpen ihre Fortsetzung finden und erreichen in dem 3.297 Meter hohen Argentra auf italienischer Seite ihre höchste Erhebung. Die Gebirgsbildung der Seealpen begann wie die des gesamten Alpenraumes vor ca. 100 Millionen Jahren. Die so genannte alpine Faltung setzte mit dem nordwärts gerichteten Driften der Afrikanischen Platte ein. Dabei wurde der Vorläufer des Mittelmeeres, die Tethys, eingeengt, und die in ihr abgelagerten Sedimente wurden gestaucht und verfaltet. Die eigentliche Heraushebung und -bildung des Gebirges vollzog sich in der nächsten Phase, der alpidischen Faltung. Die Alpen wurden während dieser Phase bis zu zehn Kilometer emporgehoben. Aber durch die gleichzeitig einsetzende Erosion wurde das Gebirge auch abgetragen, so dass die Alpen nie viel höher waren als heute. Dieser immer noch anhaltende Gebirgsbildungsprozess ist in den Zentralalpen am stärksten gewesen, weshalb dort auch die höchsten Gebirgszüge zu finden sind. In den Randbereichen, wie den Seealpen oder den Ostalpen, wurden die Gebirge durch die geringere Orogenese nicht so hoch aufgetürmt.
Der Schnitter
1889
Öl auf Leinwand, 74 x 92 cm
Van Gogh Museum, Amsterdam
Van Gogh (1853–1890): Felder. Das „Mohnfeld” und der Künstlerstreit – so heißt die große Sonderausstellung, die vom 19. Oktober 2002 bis zum 26. Januar 2003 in der Kunsthalle Bremen gezeigt wird. Ausgehend von dem Bremer Gemälde Mohnfeld wird das Motiv der Felder im Werk Van Goghs untersucht.
Unter den ca. 50 Bildern, die in der Ausstellung zu sehen sind, ist auch das Gemälde Der Schnitter. Van Gogh malte es 1889 während seines Aufenthaltes in Saint-Rémy, wo er freiwillig ein Jahr in der Heilanstalt Saint-Paul-de-Mausole verbrachte.
Dargestellt ist ein Weizenfeld mit Schnitter, das er durch sein Schlafzimmerfenster sehen konnte. Das Feld gehörte zu dem umfriedeten Bereich der Heilanstalt. Jenseits der Mauer erstrecken sich die Ausläufer der Alpilles.
Van Gogh hat die metaphorische Bedeutung des Bildes in seinen Briefen mehrfach beschrieben: „Ich sehe in diesem Schnitter – einer unbestimmten Gestalt, die in sengender Hitze wie der Teufel dreinhaut, um mit der Arbeit fertig zu werden -, ich sehe in ihm ein Bild des Todes in dem Sinne, daß die Menschen das Korn sind, das er niedersichelt. Es ist also, wenn man will, das Gegenstück zum Sämann, den ich früher versucht habe. Aber dieser Tod hat nichts Trauriges, das geht bei hellem Tageslicht vor sich, mit einer Sonne, die alles mit feinem Goldlicht überflutet.”
Mit seiner Interpretation lenkte der Künstler die ganze Aufmerksamkeit auf die kleine Figur des Schnitters. Diese Betonung des Literarischen ist im Brief verständlich, im Bild jedoch ist die Figur der Landschaft untergeordnet. Thema ist eigentlich das ummauerte Feld und dessen Farbe: das Gelb, das in zahlreichen Nuancen von grünlichem Zitronengelb bis zu orange- und ockerfarbenen Tönen reicht.

