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Transit zur Bohrstelle
13. August, 10.00 UTC
Position:
88.26 N, 88.00 E
Wetter und Eis:
bewölkt, zeitweise nebelig, Temperatur 0 Grad Celsius, Wind 5-10 m/s N
Bericht 4:
Mitten im Eis
Um mit einer angenehmen Anmerkung zu beginnen, berichten wir von einer uralten, schwedischen Tradition: Der Brauch, jeden Donnerstag ein Abendbrot bestehend aus Suppe, Pfannekuchen und Punsch zu servieren. Die Suppe aus Bohnen und Speck wird mit verschiedenen Kräutern, Gewürzen und Senf entlang des Tellerrandes garniert. Der Pfannekuchen - als zweiter Gang - wird mit einer breiten Vielfalt von Beilagen serviert: Eiscreme, Schlagsahne, Marmelade, Eingemachtes, Puderzucker und sogar Blauschimmelkäse. Der Punsch ist ein süßer Likör, der warm aus Tassen oder Bechern getrunken wird. Schiffsbesatzung und Wissenschaftler haben diese Mahlzeit außerordentlich genossen - gemessen an ihrem breiten Grinsen und den lauten "Skol" - Rufen. Da man auf dieser Expedition leicht das Gefühl für Stunden und Tage verliert, kommt ein solch regelmäßig geplantes Abendessen sehr recht: Es erinnert die Menschen an zu Hause, hebt die Stimmung und macht deutlich, dass erneut eine ganze Woche vergangen ist.
Die erste Bohrstelle ist noch 85 Seemeilen entfernt, und wir hoffen, sie bis Freitagnacht zu erreichen. Wir sind dem Zeitplan noch immer voraus. Zum einen wegen der günstigen Wetter- und Eisverhältnisse, zum anderen wegen der schieren Kraft der SOWETSKIY SOJUS.
Die Helikopter transportieren weiterhin Mitarbeiter von Schiff zu Schiff. Wenn die Sicht gut ist, so wie am Donnerstag, fliegen sie auch längere Strecken zur Erkundung, um die bestmögliche Route für den Konvoi zu bestimmen.
Die ersten 24 Stunden an der Bohrstelle werden genutzt, um das Eismanagement einzurichten. Außerdem wird in dieser Zeit das Bohrschiff positioniert. Dann, falls alles gut läuft, werden wir die Bohrarbeiten starten, das ultimative Ziel dieser Expedition. Viel hängt dabei von Mutter Natur ab. Wir hoffen, sie wird uns weiterhin wohl gesonnen sein.
- 13. August, 10.00 UTC
- 12. August, 11.30 UTC
- 11. August, 14.00 UTC
- 9. August, 10 Uhr UTC

Die zurückgelegte Strecke des Konvois Richtung Bohrstelle. Karte vom Ozeangrund basierend auf dem International Bathymetric Chart of the Arctic Ocean, IBCAO.
12. August, 11.30 UTC
Position:
87.00 N, 39.13 E
Wetter und Eis:
Seit heute morgen erschwerte Eisbedingungen.
Bericht 3:
Der Konvoi führt seinen Weg durchs Eis fort.
Die SOWETSKIY SOJUS, die ODEN und die VIDAR VIKING bahnen sich mit etwa 11 Knoten Fahrt den Weg durch das Eis. Vorbei an zahlreichen eisfreien Flächen nehmen sie dieselbe Route, die zuvor bereits die YAMAL, das Schwesterschiff der SOWETSKIY SOJUS, auf ihrer Touristenfahrt in den Hohen Norden eingeschlagen hat. Es wurden ausgezeichnete Fortschritte gemacht. Die Hubschrauber wurden für spätere Einsätze vorbereitet und es fanden Sicherheitsübungen für mögliche Passagiere statt. Am späten Morgen flogen drei Wissenschaftler zur VIDAR VIKING, um Computer einzurichten und weitere Vorbereitungen zu treffen; in einem Transportkorb kehrten sie gegen 23 Uhr zurück, damit eine Gruppe von drei Chemikern/Biologen sie ablösen konnte.
Die Eisbedingungen haben sich heute Morgen verschlechtert. Trotzdem sind wir während der letzten Nacht ein gutes Stück vorangekommen - gegen 9 Uhr lagen 480 Kilometer hinter uns. Die Transferflüge zur VIDAR VIKING gehen weiter, damit dort ein Datenbanksystem installiert werden kann.
11. August, 14.00 UTC
Bericht 2:
Rendezvous an der Eiskante
Am Dienstagabend trafen sich alle drei Eisbrecher am Rande des Eises nordwestlich des Franz-Josef-Landes - geografische Breite 81.40 N. Der Schiffskonvoi, angeführt von der SOWETSKIY SOJUS, steuert jetzt mit einer Geschwindigkeit von 9-10 Knoten Richtung Norden.
Etwa gegen 19 Uhr wurde die erste Eisscholle gesichtet. Nach vier Stunden Fahrt im Packeis begegneten wir dann dem ersten Eisbären. Es folgten weitere Bären, sowohl einzelne Männchen als auch Weibchen, die - dicht gefolgt von ihren Jungen - neugierig die Schiffe beobachteten. In Bezug auf die Eisbeschaffenheit sagte Arno Keinonen, Leiter des Eismanagements: "Glücklicherweise haben wir solch günstige Bedingungen. Dadurch kommen wir schneller voran und sind dem Zeitplan voraus."
Die Hubschrauber haben heute mit den Flugoperationen begonnen. Ihre Hauptaufgabe besteht darin, Mitarbeiter von einem Schiff zum anderen zu transportieren. Zusätzlich werden sie aus der Luft das Eis im Auge behalten. Damit man sich von Schiff zu Schiff verständigen kann, wird eigens ein Kommunikationssystem errichtet. Die Labore werden organisiert, um später Bohrproben zu verarbeiten und Daten zu sammeln. Alles muss vorbereitet sein, wenn die intensiven Bohrarbeiten in wenigen Tagen beginnen.
- 13. August, 10.00 UTC
- 12. August, 11.30 UTC
- 11. August, 14.00 UTC
- 9. August, 10 Uhr UTC

Der Konvio auf dem Weg nach Norden, angeführt von der SOWETSKIY SOJUS mit ODEN und VIDAR VIKING im Gefolge.

Die Königin der Arktis...
9. August, 10 Uhr UTC
Position
ODEN: 75,44 N, 29,48 E
VIDAR VIKING: 74,34 N, 27,32 E
SOWETSKIY SOJUS: 81,00 N, 43,00E
Wetter (Position ODEN):
Temp: 5,9 C, Wind: 8 m/s NW, bewölkt, zeitweise Schauer, gute Sicht.
Bericht 1:
Um Mitternacht am Samstag, 7. August nahm der schwedische Eisbrecher ODEN vom norwegischen Hafen Tromsö aus Kurs Nord Richtung Barents See auf. Zwölf Stunden später verließ auch das Bohrschiff VIDAR VIKING Tromsö. Sie ist schneller und wir erwarten, dass sie die ODEN einholt, bevor wir die Kante des Meereises erreichen. Dort treffen wir dann auf den russischen Eisbrecher SOWETSKIY SOJUS. Bis jetzt haben wir gutes Wetter und ruhige See und die Teuilnehmer sind fleißig dabei, sich auf dir vor uns liegende Arbeit vorzubereiten: Der Tag war angefüllt mit Planungstreffen und Informationsaustausch.
Unser Kurs wird uns in den nächsten 24 Stunden östlich von Svalbard und White Island und westlich am Franz Josefs Land vorbeiführen. Letzteres wurde erstmals 1873 von einer österreichischen Expedition erkundet und von ihr nach dem Östereichischem Kaiser benannt. Es ist das letzte Land, dass wir für die nächsten fünf Wochen sehen werden, bis wir wieder Richtung Süden fahren.
Diese Gebiete haben eine große Rolle in der Entdeckungsgeschichte der Arktis gespielt. Auf White Island verendeten 1897der Schwede S.A. André und seine Begleiter nach einem Kräfte zehrenden Marsch nach ihrer unglückseligen Ballonfahrt. Im Jahr davor verbrachten Fridtjof Nansen und sein Assistent Johansen den Winter in einer primitiven Hütte, nachdem ihr Versuch den Nordpol zu Fuß zu erreichen gescheitert war. Sie hatten Glück, Mr. Jackson, einen britischen Entdecker, zu treffen. Er besuchte im Sommer 1896 Franz Josef Land und konnte sie nach Norwegen mit zurücknehmen.
Die ODEN hat die Mitternachtssonne bei 73 Grad Nord eingeholt. Die Expedition wird von nun an 24 Stunden am Tag mit Sonnenlicht gesegnet sein.
- 13. August, 10.00 UTC
- 12. August, 11.30 UTC
- 11. August, 14.00 UTC
- 9. August, 10 Uhr UTC

Blick von der Brücke des Bohrschiffs VIDAR VIKING durch das Bohrgestell hinüber zum Eisbrecher ODEN (Hintergrund).


