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Plattentektonik im Mittelmeerraum
Die meisten Georisiken stehen in engem Zusammenhang mit der tektonischen und somit seismischen Aktivität innerhalb des Mittelmeer-Beckens. Begründet liegt diese Aktivität in der Subduktion der Afrikanischen unter die Eurasische Platte. Das bedeutet, dass die Afrikanische Platte unter die Eurasische Platte absinkt. Diese Zonen zeigen die mit Abstand höchste Seismizität. Diese entsteht durch die starke Reibung der beiden Platten. Wenn sich die Platten verhaken und schließlich ruckartig wieder voneinander lösen, entstehen starke Erdbeben.
Bei genauerem Hinsehen lassen sich jedoch noch weitere Bewegungen ausmachen, wie die beginnende kontinentale Kollision im östlichen Mittelmeer. Dort sorgt die Nordanatolische Verwerfung durch die Anatolische Platte im Marmarameer für eine stetige Bedrohung durch Erdbeben. Zuletzt wurde Izmit 1999 im Nordwesten der Türkei durch ein Beben erschüttert. Über 18 000 Menschen fanden durch dieses tragische Ereignis den Tod.
Zusätzlich existieren Riftränder an den drei Becken der Ägäischen, Tyrrhenischen und Alborischen See, sowie in der Straße von Sizilien. Diese Becken erfahren durch eine entgegengesetzte Bewegung der Platten eine ständige Öffnung.
Die passiven Kontinentalränder des Mittelmeerbeckens sind das Balearen-Gebirge, der Golf von Valencia, die Ränder Sardiniens und Korsikas sowie der afrikanische Rand von Libyen bis Ägypten. Passive Kontinentalränder befinden sich normalerweise an tektonisch sehr ruhigen Bereichen, da sie abseits einer Plattengrenze liegen. Durch Jahrtausende lange tektonische Kompression entfernter Plattengrenzen können diese Ränder allerdings wieder aktiviert werden, wie im afrikanischen Becken von Tunesien bis Marokko.
Dennoch sind die Subduktionszonen unter den Plattengrenzen die mit Abstand am aktivsten in Bezug auf die Entstehung von Erdbeben, explosiven Eruptionen von Vulkangürteln und Tsunamis.

Schematische Darstellung der plattentektonischen Situation im Mittelmeerraum.
Quelle: F. Press & R. Siever 2003, modifiziert durch N. Mertz

