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Seesternregeneration - Süßwasser
Seesternregeneration
Wie ist es um die Regenerationsfähigkeit von Seesternen bestellt?
Simone Nürnberger
„Sich ein Bein ausreißen“ ist bei Menschen eine Redensart. Seesterne und ihre Verwandten, die Feder-, Haar- und Schlangensterne, tun dies allerdings regelmäßig – um Feinden zu entkommen oder sogar auch, um sich zu vermehren. Denn die Stachelhäuter, wie die Gruppe inklusive der ebenfalls verwandten Seegurken und Seeigel heißt, können nicht nur verlorene Gliedmaßen, Stacheln, und sogar Eingeweide neu wachsen lassen. Ein paar Arten nutzen ihre ausgeprägte Regenerationsfähigkeit durchaus auch, um Gebiete in denen sie sich wohl fühlen schnell mit vielen genetisch identischen Ablegern zu bevölkern. Sie lösen an Sollbruchstellen einen Arm oder auch mehrere ab. Diese wachsen dann im Laufe eines Jahres - wenn viel Nahrung zur Verfügung steht, auch schneller - zu einem kompletten Tier heran. Echinaster luzonicus treibt dieses Spiel so oft, dass kaum ein normales Tier mit fünf gleichlangen Armen zu finden ist. Auch Larven teilen sich zum Teil schon, sodass die Zahl der Nachkommen eines Tieres nach der Eiablage noch einmal stark steigen kann. Da wundert es nicht, dass die Idee Seesterne zu bekämpfen, indem man die gefangenen Tiere entzweischnitt und wieder ins Meer warf, nicht den gewünschten Erfolg brachte.
Seite pfeifen: Ursprung
Welchen Ursprung hat das "Seite" pfeifen bei der Marine?
Uwe Tesch, Hamburg
Sie hat sage und schreibe einundzwanzig Buchstaben, hängt an einem Bändsel und macht - so jedenfalls ist es in der Zeitschrift "Wehrausbildung" nachzulesen - "Rise, Rise". Außerdem erfordert sie bisweilen eine abgekniffene Hand. Die Rede ist, wie könnte es anders sein, von der Bootsmannsmaatenpfeife. Einem leicht gekrümmten, dünnen Metallrohr, dem sich lang gezogene Triller entlocken lassen. So, wenn ein Offizier sich anschickt, das Fallreep oder die Stelling eines Kriegsschiffs zu betreten. Dann gibt der Wachhabende Offizier das Kommando "Seite", der Bootsmannsmaat greift flugs zur Pfeife und im nächsten Moment schrillt das Ehrensignal für den an Bord Kommenden über Deck und bedeutet der Haltung annehmenden Mannschaft ("rise, rise") bzw. den Unteroffizieren, an welcher Schiffsseite der zu grüßende Gast erwartet wird.
Normalerweise halten Zeigefinger und Daumen der rechten Maatshand die Pfeife recht lose. Als erwiesen gilt jedoch, dass eine gewisse Virtuosität im Umgang mit der Pfeife nützlich ist. Echte Könner sind unschwer an der "abgekniffenen" Handhaltung zu erkennen. Laut Vorschrift werden dabei "Luftloch und Austrittsspalte so weit wie möglich abgekniffen; dazu kräftiges Hineinblasen."
Ein reiner, klarer Ton soll, so heißt es weiter, "sowohl bei nur hauchartigem als auch stärkstem Hineinblasen" entstehen. Doch mit dem hingehauchten Triller ist das so eine Sache. Er kann nur gelingen, wenn Maat und Material eine Einheit bilden. Sollte das grazile Instrument anhaltend fiepen, ist Feinfühligkeit freilich fehl am Platz. Laut Vorschrift muss das Austrittsloch der Pfeife in diesem Fall wenigstens teilweise zugelötet werden. "Bisweilen hilft auch, wenn der dem Austrittsloch gegenüberliegende Rand des Luftlochs der Kugel scharf gefeilt oder das Luftloch selbst erweitert wird."
Dies alles, lieber Herr Tesch, mag ihnen bereits geläufig gewesen sein. Was Sie nicht wussten ist, dass der Brauch aus der Zeit der Segelschifffahrt stammt. Wenn Offiziere im Beiboot an größere Schiffe herangerudert wurden, brauchten sie im Gegensatz zu ihren Untergebenen nicht über eine schwankende Strickleiter an Bord zu klettern sondern wurden per Korb an Deck gehievt. Der mehr oder minder schwankende Korb hing an einem Seil, das wiederum über eine Rolle lief. Damit das Manöver auch bei Sturm und flatternden Segeln buchstäblich wie am Schnürchen klappte, wurden die dazu notwendigen Befehle akustisch, per Pfeife eben, erteilt. So lange der alles übertönende Pfiff erklang, mussten die Decksleute hieven, was das Zeug hielt.
Auch heute noch soll der Triller erst enden, wenn der Offizier das Deck betreten hat - vorausgesetzt, der Bootsmannsmaat hat genügend Luft. Doch wie im richtigen Leben gilt auch hier: Keine Regel ohne Ausnahme. Sollte der Offizier während eines Bordgottesdienstes oder einer Munitionsübergabe an Bord kommen oder aber ständig das Fallreep hinauf- und hinuntereilen, so wird die "stille Seite" praktiziert. Die Pfeife bleibt stumm.
Sichtweiten auf See
Wie weit kann man auf offener See maximal sehen?
Michael Sander, Bremen
Bei bester Fernsicht stand einer unserer Leser auf einem 128 Meter hohen Kreidefelsen der dänischen Insel Møn. „Ich habe gestaunt, als ich mit dem Fernglas die Pfeiler der etwa 70 Kilometer entfernten Øresundbrücke sowie das ungefähr 140 Kilometer entfernte Bornholm zu sehen meinte.“ Gute Augen, gutes Fernglas – oder Sinnestäuschung?
Das lässt sich mit Hilfe einer Formel zur optischen Sichtweite (S) beantworten. Die hängt nämlich sowohl von der Augenhöhe des Beobachters (h1) als auch von der des angepeilten Objekts (h2) ab. Denn wir können nur sehen, was nicht hinter dem gekrümmten Horizont verschwunden ist. Was sichtbar ist und was nicht, errechnet man wie folgt: S (in Kilometern) = 3,843 x (?h1 + ?h2). Nun sind die Brückenpfeiler je 203,5 Meter hoch, die höchsten Erhebungen Bornholms aber nur 162 Meter. Demnach ergeben sich bei einer Augenhöhe von gut 130 Metern folgende maximale Sichtweiten: Richtung Øresundbrücke knapp 100, Richtung Bornholm gut 92 Kilometer.
Bornholm lag also hinter der Kimm. Möglich ist aber, dass die Kontur der Ferieninsel durch ungewöhnliche Lichtbrechungen über den Horizont gehoben wurde – als Fata Morgana des Baltischen Meeres.
Sieben Meere: Name und Herrscher
Wie heißen die Sieben Meere und wer ist ihr Herrscher?
möchte Herr Feenders wissen.
Die sieben Meere heißt eine Gedichtsammlung von Rudyard Kipling, dem Autor des Dschungelbuchs. Doch schon vor dem Erscheinen dieses Bandes 1896 war dieser Begriff weit verbreitet. Die Bedeutung allerdings wandelte sich im Laufe der Zeit mit dem wachsenden Wissen um die Meere, ihre Anzahl und Größe. Ursprünglich war dieser Begriff wohl nicht wortwörtlich gemeint, sondern meinte alle bekannten Meere. Unter sieben" verstand man dabei viele oder alle, nicht aber eine konkrete Zahl.
Der Begriff taucht u.a. in alten chinesischen, persischen und römischen Texten auf, meint aber jeweils andere Seegebiete. Frühe Seefahrer zählten zu "den sieben Meeren": das Rote Meer, das Mittelmeer, den Persischen Golf, das Schwarze Meer, das Adriatische Meer, das Kaspische Meer und den Indischen Ozean.
Heute kennen wir mehr von der Welt und beziehen den Begriff dementsprechend auf größere Meere: Nord- und Südatlantik, Nord- und Südpazifik, Indischer, Antarktischer und Arktischer Ozean. Doch da sich diese Meere nicht wirklich gegeneinander abgrenzen lassen und man auch vom globalen Weltozean spricht, meinen der Ausdruck "die sieben Meere" noch immer das, was er auch im Ursprung bedeutete: alle bekannten Meere der Welt. Nur sind heute mehr Meere bekannt als noch vor ein paar hundert Jahren.
Über ihren Herrscher lesen wir in der griechischen Mythologie folgendes: Einst teilten die drei Söhne des Titanen Kronos die Welt unter sich auf. Dabei fiel der Ozean dem Mann mit dem Dreizack zu. Fortan war Poseidon der Herr(scher) der Meere. Die alten Römer pflegten ihn mit ihrem Meeresgott Neptun gleichzusetzen. Künstler späterer Jahrhunderte stellten Neptun alias Poseidon meist als ehrwürdige, bärtige Mannsgestalt dar, die, bisweilen von Delphinen begleitet, ihre Harpune fest umschlossen hält.
Wer schon jemals auf einem Schiff den Nord- bzw. Südpolarkreis oder den Äquator überfahren hat, müsste dem Herren der Meere eigentlich schon begegnet sein. Denn er ist es, der Landratten, die in sein Reich eindringen, einem mehr oder minder grobem Taufritual unterzieht.
Sinkgeschwindigkeit von Schiffen
Wie schnell sinkt ein Schiff, wenn es voll Wasser ist?
Roger Schelker, Basel
Auch wenn es Schiffbrüchigen meist anders vorkommt, so sinken Schiffe doch relativ langsam. Es dauert meist Stunden bis Tage, ehe sich die Wellen über einem lecken Schiff schließen.
Es gibt daher keine Faustformel, wie schnell ein Schiff untergeht. Ist es erst einmal unter Wasser, sinkt es je nach Gewicht, Form und Lage unterschiedlich schnell, im Extremfall sogar mit 25 km/h, aber auch nur dann, wenn das Schiff mit dem Bug voran in die Tiefe geht. Meist liegt die Geschwindigkeit nur bei ein bis zwei Metern je Sekunde. Das sinkende Schiff hinterlässt ein Loch, in das Wasser nachströmt.
Ein Badewannenexperiment: Drückt man die flache Hand unter Wasser, so bildet sich eine "Delle" im Wasser, die aber sofort wieder gefüllt wird. Im Fall des Schiffes entsteht eine entsprechend größere Delle, so dass Schiffbrüchige mit dem Schiff in die Tiefe gesogen werden können. Auch für die Geräusche, die ein sinkendes Schiff von sich gibt, gibt es eine Erklärung: Während des Untergangs entweicht Luft aus dem Schiffsinneren; zusammen mit dem sich biegenden und berstenden Stahl entsteht so das typische laute und unheimliche Stöhnen und Knarren.
Sonnenblumen
Stimmt es, dass sich Sonnenblumen – wo vorhanden – nach dem Passatwind ausrichten?
Noch im 16. Jahrhundert galten Sonnenblumen als Raritäten. Sie waren aus Amerika zu uns gekommen und galten wegen ihrer großen Blüte als kostbar. Es wundert nicht, dass sie zunächst fast nur in den königlichen Gärten Europas wuchsen. Heute dagegen lächeln uns im Sommer ganze Felder der fröhlich-gelben Köpfe entgegen.
Auf einer Reise bemerkte einer unserer Leser, dass sich die Blumen in Richtung des stetigen Passatwinds zu neigen scheinen. Vermutlich beobachtete er dieses Phänomen nachmittags, denn: Die Sonnenblume wendet ihr Gesicht stets zur Sonne. Am Nachmittag weht auf der Nordhalbkugel der Nordostpassat der Sonne entgegen, die dann im Südwesten steht. Für den Rest des Tages gilt die Beobachtung allerdings nicht, da sich die Blüten stets der Sonne zuwenden, die ihren Stand vom Aufgang im Osten bis zum Untergang im Westen ständig verändert. Dies bedeutet, dass Sonnenblumen auf Nord- wie Südhalbkugel nur nachmittags in dieselbe Richtung zeigen wie der jeweils vorherrschende Passat.
Sonnencreme
Kann Sonnencreme das Wachstum von Korallen beeinflussen? Daniela Sandrock, Stuttgart
Auch in diesem Jahr zieht es wieder viele Sommerurlauber an die weißen Traumstrände der Tropen; mit im Gepäck oftmals der Sonnenschutz zum Eincremen. Beim Baden und Schnorcheln geben die Urlauber einen Teil des unsichtbaren Films auf ihrer Haut an das Meerwasser ab. Die in den Cremes enthaltenen UV-Filter gelten als umweltschädlich, da sie sich in den Körpern der Meeresbewohner anreichern können. Für Korallen sind sie besonders gefährlich. Wie ein italienisches Forscherteam herausfand, führen selbst geringe Mengen bei den Algen, die mit Steinkorallen in Symbiose leben, zu Virusinfektionen. Die Korallen bleichen aus und sterben ab. Dieses Phänomen der Korallenbleiche tritt weltweit auf und wird unter anderem von erhöhten Wassertemperaturen ausgelöst. Das hat fatale Folgen für das Ökosystem Korallenriff. Nach Abschätzungen der Forscher sind weltweit bis zu 10 Prozent der Riffe von der durch Sonnencremes verursachten Bleiche bedroht. In einigen Touristengebieten wie den marinen Ecoparks in Mexiko sind herkömmliche Sonnenlotionen daher bereits verboten. Hier schützen sich die Strandurlauber mit biologisch abbaubaren Cremes.
Spring
Woher kommt der Begriff „Spring“ in Vor- oder Achterspring?
Reiner Mischke, per Email
Im Seemännischen Wörterbuch werden als Vor- bzw. Achterspring jene Festmacherleinen bezeichnet, die vom Bug schräg nach achtern bzw. vom Heck schräg nach vorn verlaufen und verhindern, dass ein am Kai liegendes Schiff sich in Längsrichtung bewegt. Im Etymologischen Wörterbuch der deutschen Seemannssprache, das 1902 erschien, wird auf eine ältere Bedeutung verwiesen, auf jene Epoche, in der Schiffe noch ohne Motorkraft auskommen mussten. So wurden Segelschiffe in eine Lage quer zum Wind gebracht, indem die Matrosen eine Trosse querab vom Achterschiff an der Ankerkette, einem Dalben oder einer Boje befestigten. Sodann wurde der Segler „auf den Spring geholt“; er lag also, sei es, weil er entladen oder, als staubiger Kohlenfrachter, belüftet werden musste, „auf dem Spring“. Erstaunlicherweise wird in keinem der konsultierten Lexika und Wörterbücher auf die Etymologie, also auf die eigentliche Herkunft und Grundbedeutung des Begriffs eingegangen. Es liegt daher nahe zu vermuten, dass der Begriff Spring sich auf die Lage der Trosse querab vom Schiff bezieht; anders als Vor- oder Achterleine „sprang“ sie quasi vom Schiff weg.
Südsee-Grenzen
Wo liegen die Grenzen der Südsee?
Mechtild Müser, Bremen
Die Reisen Cooks und die Beschreibungen Polynesiens durch Georg Forster haben unser Bild von der Südsee geprägt. Bisweilen wird die Meeresregion gar mit der Inselgruppe um Tahiti gleichgesetzt. Dabei taucht der Begriff Südsee in keinem gängigen ozeanografischen Lehrbuch auf. Kein Wunder also, dass die Grenzen dieser Meeresregion nicht verbindlich definiert sind. Fest steht indes, dass der spanische Konquistador Vasco Nuñez de Balboa den Begriff Südsee prägte. Als er 1513 Panama durchquert und – deutlich nördlich des Äquators – den Pazifik erreicht hatte, wähnte er sich am Mar del Sur. In dieser Tradition zählt Werner Kreisel in seiner Monografie „Die Pazifische Inselwelt“ Mikronesien, Melanesien einschließlich Neuguinea und Polynesien zur Südsee. Da Neuseeland und Hawaii von Polynesien aus besiedelt worden seien, gehörten auch sie zur Südsee. Dies obwohl die Vulkaninseln Hawaiis ebenso wie viele mikronesischen Inseln deutlich nördlich des Äquators liegen. Die Südsee, gerne auch als Ozeanien bezeichnet, erstreckt sich also bis auf die Nordhalbkugel; laut Brockhaus bis zum Nördlichen Wendekreis. Sie endet, so der Brockhaus, auf 50 Grad südlicher Breite und umfasst mit etwa 70 Millionen Quadratkilometer ein Gebiet siebenmal so groß wie Kanada.
Süßwasser auf Inseln
Wo kommt das Süßwasser auf Inseln her?
Benjamin Deutsch aus Ritterhude
Ob auf Sylt, Mallorca oder Ibiza: Niemand tauscht während des Inselurlaubs gern Sonnen- gegen Regenschirme. Doch ohne Mistwetter wäre das Inselleben viel unangenehmer. Da Meeresinseln von Salzwasser umgeben sind, ist das Grundwasser einer Insel ebenfalls salzig. Doch wenn Regen und Schnee im Boden versickern, verdrängen sie das Meerwasser. Sie legen sich wie ein Fettauge auf das schwerere Salzwasser. Das liegt daran, dass ein Liter Süßwasser 25 Gramm weniger wiegt als ein Liter Meerwasser. Von der Seite betrachtet, erinnert die Form dieses Wasserdepots an eine Linse. Darum tauften Forscher es auch Süßwasserlinse. Salz- und Süßwasser vermischen sich nur in der zwei bis drei Meter breiten Grenzschicht, der Rest der Linse birgt gutes Trinkwasser, oft besser als Quellwasser. Bei Sturmflut allerdings kann Meerwasser von oben ins Depot dringen und es versalzen. Auch der Mensch greift die Linse an: Pumpen wir zu viel aus der Tiefe oder versiegeln den Boden übermäßig, schrumpft die Linse, und das Süßwasser wird knapp. Wir können dann zwar immer noch das salzige Bad im Meer genießen, für die Dusche danach reicht das süße Nass indes nicht mehr.

