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Klimakapriolen

Nature-Artikel mit neuen Erkenntnissen zum Super-Treibhaus

Vor 55 Millionen Jahren herrschte auf der Erde ein ausgeprägtes Treibhausklima. Wissenschaftler schätzen diese Zeit sogar als die wärmste Periode während der letzten 90 Millionen Jahre ein. Jetzt hat die Bremer Meeresforscherin Dr. Ursula Röhl gemeinsam mit internationalen Kollegen anhand von Sedimentproben aus dem Südatlantik neue Einblicke in das damalige Klimageschehen gewonnen. Offenbar war das Super-Treibhaus vor 55 Millionen Jahren kein einmaliges Ereignis. Die Sedimentproben zeigen, dass es 2 Millionen Jahre später nochmals ungewöhnlich warm wurde. Die Wissenschaftler bringen beide Warmphasen mit Veränderungen in den Erdbahnparametern in Verbindung. Die Studie erschien kürzlich in der Zeitschrift nature.

Das extreme Treibhausklima-Ereignis vor 55 Millionen Jahren, bekannt als Paläozän-Eozän Wärmemaximum - PETM, ist in den untersuchten Meeresablagerungen durch eine tiefrote Tonschicht mit einem sehr geringen Kalkgehalt dokumentiert. Es wird als das Studienobjekt zum besseren Verständnis der heute stattfindenden globalen Erwärmung genutzt. "Zwanzig bis dreißig Meter über dieser Schicht sind wir in unseren Sedimentkernen auf eine zweite, ebenfalls rote Tonschicht gestoßen", sagt Dr. Ursula Röhl vom Bremer DFG-Forschungszentrum Ozeanränder. "Diese ist etwa zwei Millionen Jahre jünger, der älteren Schicht in chemischer und biologischer Hinsicht aber sehr ähnlich." Daher nehmen die Wissenschaftler an, dass diese zweite Schicht eine ähnliche Erwärmung anzeigt - ein Eozänes Wärmemaximum. Der Temperaturanstieg war jedoch nur ca. halb so groß wie während des PETM.

Nachdem sie das zweite, ca. 53 Millionen Jahre alte Treibhausereignis identifiziert hatten, vermuteten die Wissenschaftler einen gemeinsamen Auslöser. Ein Vergleich der Alter beider Ereignisse mit den neusten Berechnungen der Erdbahnparameter ergab Erstaunliches: die beiden sich ähnelnden Klimaereignisse fanden genau zu einer Zeit statt, an denen die saisonalen Unterschiede zwischen den beiden Hemisphären besonders ausgeprägt waren. Dies hat vermutlich zur Erwärmung der Ozeane geführt, die wiederum nach Erreichen eines kritischen Schwellenwertes eine fatale Kettenreaktion in Gang setzte. Bislang wurden eher außergewöhnliche Ereignisse wie Vulkanausbrüche oder Kometeneinschläge als auslösende Faktoren für die starke Erwärmung vor 55 Millionen Jahren angenommen.

Klimamodelle sagen für die kommenden 100 Jahre eine globale Erwärmung auf Grund der steigenden Konzentration von Treibhausgasen voraus. Mengenmäßig ist die heutige CO2-Zunahme in der Atmosphäre mit der des PETM vergleichbar. Somit wird die Erforschung früherer Klimaereignisse zum Schlüssel, um zukünftige Klimafolgen genauer abschätzen zu können. Die Bremer Meeresforschung hat somit einen wertvollen Beitrag zum Verständnis der Folgen des globalen Klimawandels geleistet.



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Kirsten Achenbach

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Impressum | © marum | Diese Seite wurde zuletzt aktualisiert von: Kirsten Achenbach. Datum: 14.06.2006, 16:48 Uhr