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Heinrich Jakob Fried

Die blaue Grotte von Capri von Heinrich Jakob Fried

Die blaue Grotte von Capri von Heinrich Jakob Fried

Entstehung von Höhlen

Die Blaue Grotte (Grotta Azzurra) liegt auf der aus Kalkstein aufgebauten italienischen Insel Capri westlich der Stadt Anacapri. Die Ausmaße dieser Höhle, deren Zugang im Meer liegt, betragen in der Länge 53 Meter, in der Breite 30 Meter und in der Höhe zwölf Meter. Das Wasser in der Höhle ist 15 Meter tief. Die blaue Färbung des Wassers entsteht dadurch, dass das Tageslicht durch das Meerwasser in die Höhle einfällt. Solche natürlichen Höhlen entstehen vor allem durch die chemische und mechanische Tätig­keit von kohlensäurehaltigem Wasser. Die Geowissenschaften sprechen in diesem Zusammenhang von Korrosion und Subrosion, die häufig in Kalk-, Dolomit- und Gipsgesteinen zu beobachten sind. Diese unter dem Begriff Karst zusammengefassten Verwitterungsformen sind die weitaus größten, häufigsten und formenreichsten Höhlen. Da zu ihrer Entstehung Regenwasser notwendig ist, sind sie an feuchte Klimazonen gebunden. Bei der blauen Grotte auf Capri handelt es sich um eine Tropfsteinhöhle. In Tropf­steinhöhlen bilden sich durch die Ausscheidung von Kalkstein (Calciumcarbonat) aus dem abtropfenden Wasser Stalaktiten, die wie Eiszapfen vom Dach der Höhle hängen, und Stalagmiten, die ihnen vom Boden aus nach oben entgegen wachsen. Da der Boden der blauen Grotte von Meerwasser bedeckt ist, können dort nur von der Decke hängende Stalaktiten betrachtet werden.

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Die blaue Grotte von Capri

1835
Öl auf Leinwand, 50 x 63 cm
Erworben aus Mitteln der Freien Hansestadt Bremen (Stadtgemeinde) 1964
Inv. Nr. 894-1964/6

1826 entdeckten August Kopisch und der Heidelberger Maler Ernst Fries die Blaue Grotte auf Capri wieder. Schon in der in der Antike bekannt, war sie wegen abergläubischer Ängste der Einheimischen in Vergessenheit geraten. Nachdem die beiden ihr Grottenerlebnis veröffentlicht hatten, wurde dieser Ort ein beliebtes Ziel, besonders für deutsche Italienreisende.
Im Mai 1835 reiste auch der Maler und Schriftsteller Heinrich Jakob Fried nach Capri. In seinen Tagebuchaufzeichnungen schildert er den überwältigenden Eindruck der Grotte. Vor allem aber hielt er das Gesehene in zwei Bleistiftskizzen fest. Später entstand eine Ölskizze und dann ein großes Gemälde, das in einer ersten Fassung ohne Figuren angelegt ist. Erst in dem Bremer Bild setzte der Maler die Figuren ein und steigerte den Eindruck der Höhle, indem er die Gewölbe steiler ansetzte.
Mit dunklen Felsen rahmt Fried sein Bild, so daß das Blau der Grotte um so intensiver leuchtet. Durch den winzigen Eingang schimmert das Sonnenlicht, das auf dem spiegelglatten Wasser reflektiert wird. Sowohl das Motiv der Höhle als auch die Farbe Blau haben die Romantiker sehr fasziniert. Die Höhle war eine vieldeutige Metapher: Sie war Ursprungssymbol, Mutterschoß, Eingang zur Unterwelt, Zugang zur Urkraft und Zeugin der Erdgeschichte. Das Blau symbolisierte die Sehnsucht nach dem Geistigen, für das in der damaligen Poesie die Blaue Blume stand.
Fried zeigt im Vordergrund seines Bildes eine Reisegruppe, die mit dem Boot gelandet ist. Man ist zunächst damit beschäftigt, die Damen trockenen Fußes an Land zu bringen, um sich dann die „Sehenswürdigkeit” anzuschauen. So wird aus dem romantischen Naturerlebnis ein touristisches Idyll.

 

     
    Impressum | © marum | Diese Seite wurde zuletzt aktualisiert von: Dr. Frank Schmieder. Datum: 24.10.2006, 09:22 Uhr