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Meteor 84-1

Vom 9. bis zum 22. Februar 2011 findet der erste Fahrtabschnitt der 84. Expedition des deutschen Forschungsschiffs METEOR statt. Von La Valetta/Malta aus führt die Reise zunächst durch das östliche Mittelmeer. Dann passiert die METEOR den Bosporus und arbeitet für einige Tage im Schwarzen Meer. Die Fahrt endet in Istanbul.

Neben spannenden wissenschaftlichen Arbeiten zu Fragen des mikrobiologischen Lebens tief im Meeresgrund ist die Fahrt durch ein Projekt an der Schnittstelle Wissenschaft und Kunst gekennzeichnet.

Im Rahmen einer Kooperation zwischen dem MARUM, dem Hanse-Wissenschaftskolleg Delmenhorst und der Hamburger Zeitschrift "mare - Die Zeitschrift der Meere" nimmt der Düsseldorfer Maler (und Fotograf) Andreas Schön, Schüler und früherer Assistent von Gerhard Richter, an der Expedition teil. Gemeinsam mit dem Expeditionsleiter Dr. Matthias Zabel führt Andreas Schön ein Expeditionstagebuch, das Sie hier verfolgen können.

Informationen zur Forschung

Informationen zu Andreas Schön

Informationen zum Projekt "Art in Progress" des
Hanse-Wissenschaftskollegs Delmenhorst

Kooperation mit mare

Haben Sie Fragen an Andreas Schön oder den Expeditionsleiter Dr. Matthias Zabel? Schreiben Sie uns:
Email: E-Mail-Adresse

Expeditionslogbuch 7: Zurück nach Istanbul

Montag, 21. Februar 2011, 15:00 Uhr

Schiffsposition:
41° 16’ nördliche Breite, 29°04' östliche Länge
südliches Schwarzes Meer

Wetter:
Luft 6° C, Wasser 9° C, geschlossene Wolkendecke bei nordöstlichem Wind um 5 Beaufort, Seegang 1,5 bis 2 Meter


Dr. Matthias Zabel:
Wir liegen seit drei Stunden vor der Einmündung des Bosporus in das Schwarze Meer und warten auf den Lotsen, der das Schiff nach Istanbul dirigieren wird. Die letzten Tage waren für alle noch einmal ziemlich anstrengend, da bis zu unserer Rückkehr nach Istanbul sehr wenig Zeit bleibt, um alle Proben zu messen und zu verpacken. Zudem mussten diverse Berichte geschrieben, Rücktransporte organisiert, Abschlussbesprechungen gehalten, alle Gerätschaften verpackt und die Labore von vielen Schlammschlachten gesäubert werden. Heute Abend endet dann diese, aus wissenschaftlicher Sicht äußerst erfolgreiche Reise. Die meisten Rückflüge sind für morgen, Dienstag, geplant. Uns als Berichterstatter bleibt nur noch, Lebewohl zu sagen.


Andreas Schön:

Sonntag, 20. Februar 2011
Als ich um 3.00 Uhr morgens in die Koje klettere, sind die Gefährten noch mit Löffeln und Spachteln beschäftigt. Sie präparieren und markieren ihre Proben, die sie nach Bremen mitnehmen wollen. Zum Frühstück um kurz nach 7.00 bin ich jedoch erstmals alleine in der Messe. Alle anderen müssen sich offenbar erholen. Die Pumpen hängen an einem Stahlseil außenbords in 300 Meter Tiefe und filtern Kleinstlebewesen und ihre Hinterlassenschaften aus dem Meerwasser. Dies werden sie den ganzen Tag über durchhalten, um gegen 24.00 Uhr endgültig in den Feierabend zu gehen und eingepackt zu werden. Überhaupt beginnt jetzt das große Packen. Schweres Gerät wird zerlegt und unterm Kran festgekettet.

Entlang der Bordwand läuft lange, weiche Dünung; am niedrigen Himmel hängen Wolken, rosa und violettgrau; das Schwarze Meer glänzt speckig grüngrau. Regen, mittlerer, ziemlich kühler Wind.

Gebt mir einen kleinen schwarzen Kaffee in Konstantinopel! Ich male ein Aquarell "Venusarchaea" für das Gästebuch der Meteor.

In der Begegnung und den vielen freundlichen Gesprächen mit den Forschern glaube ich, so viel verstanden zu haben, dass Archaeen-Forscher gerade beim Gedanken an Räume richtig lebendig werden, in denen das uns vertraute Leben komplett erloschen ist. Darum ist gerade das Schwarze Meer ihr Garten der Lüste: ab 150 Meter Wassertiefe fehlt jeder Sauerstoff. Das hierdurch entstandene besondere Sediment lässt ihren Puls hochgehen. Das ist das Goldene Vlies dieser Fahrt. Für diese neue Sorte Argonauten wäre die Fahrt nach Kolchis Zeitverschwendung, deshalb stoppen wir so kurz davor im offenen Meer auf, ziehen einige Proben des kostbaren Schlamms und kehren wieder um. Denn der Gewinn eines goldenen Widderfells hat für sie keinen Reiz. Widder atmen Luft.

Der Archaeen-Forscher wird auf andere Art und Weise glücklich: In den Sedimentkernen, die geborgen und geöffnet wurden, finden sich feinlaminierte Schichten von Ablagerungen, die sich wie Baumringe lesen lassen, und darin Hinweise auf das, was sie zu sehen hofften; Leben ohne Sauerstoff. Alles Rote, Gelbe oder Ockerfarbene missfällt, da es auf Sauerstoff hindeutet. Ihre besondere Neigung gilt dem Grau und Schwarz; das verbindet sie mit den großen spanischen Malern Zurbaran, Velazquez, Goya - und deren etwas spezielles Verhältnis zum Tod.

Haben wir denn nun bereits Archaeen gefunden? Ich würde gerne eine streicheln. Doch dafür ist es noch zu früh. Hinweise haben sich vielfach feststellen lassen; durch Gasanalysen, Laseruntersuchungen und was das Arsenal der Forschungsgeräte sonst noch so hergibt. Aber sichtbar, geschweige denn tastbar, sind die Lebewesen nicht. Man kann begreifen, doch nicht anfassen.

In einigen Wochen, zurück in ihren Labors, werden die Wissenschaftler einiges mehr erkennen und vielleicht sichtbar machen können. Streicheln wird schwierig bleiben. Sie lieben ihre Tierchen aus der Todeszone dennoch.

Montag, 21. Februar 2011
Heute wird nur noch abgebaut, zusammengepackt, aufgeräumt und sauber gemacht. Die METEOR liegt vor der Einfahrt in den Bosporus. Noch einmal warten wir auf den Lotsen. Morgen früh werden wir das Schiff endgültig verlassen. Manche reisen heim, andere bleiben noch einige Tage in Istanbul.

Und während wir hier liegen, rollen noch einige müde Wogen gegen die Bordwand.

Aquarelle: A. Schön

Aquarelle für das Gästebuch der METEOR.

Frühere Logbuch-Einträge dieser Expedition finden Sie hier.

Frühere Logbuch-Einträge dieser Expedition finden Sie hier.


Die Verfasser des Bordtagebuchs: Andreas Schön (li) und Matthias Zabel (re).

Foto: A. Schön

Das Ende der Reise naht: Die Geräte werden an Deck und in Containern verstaut.

Foto: A. Schön

Das grüne Schwarze Meer.

Foto: A. Schön

Kurs Istanbul.

 
Impressum | © marum | Diese Seite wurde zuletzt aktualisiert von: Dr. Frank Schmieder. Datum: 02.08.2011, 13:37 Uhr