Login | Sitemap | English |
Seiteninhalt:
Pfad: Startseite - Entdecken - Echolot - Georisiken im Mittelmeer
 

Das Mittelmeer – Tsunamis, Erdbeben & Co. lassen die Urlaubsidylle zum interessanten Forschungsgebiet werden

16. Oktober 1979: Während der Bauarbeiten an einer Erweiterung des Flughafens von Nizza rutschen zehn Millionen Kubikmeter Erdmasse in das Mittelmeer und lösen einen Tsunami aus, der die Küste der französischen Riviera um Nizza trifft. Die Flutwelle erreicht eine Höhe von 3,5 Metern und bringt acht Menschen den Tod. Auch der wirtschaftliche Schaden ist enorm, da die Wassermassen bis zu 150 Meter ins Landesinnere vordringen und alles auf ihrem Weg mit sich reißen.

Das Beispiel zeigt: Auch in Europa finden vermeintlich „exotische“ Naturkatastrophen statt. Diese Seiten bieten allen Interessierten die Möglichkeit, sich schnell und übersichtlich über das Thema Georisiken im Mittelmeerraum zu informieren.

Das Direktorat für Forschung der Europäischen Kommission definiert Georisiken wie Vulkanismus, Erdbeben und Hangrutschungen als ein „geologisches Phänomen, das einen Schaden verursacht und ein unkontrollierbares Risiko beinhaltet“. Solche Ereignisse gefährden besonders die küstennah lebende Bevölkerung, da all diese Phänomene in der Lage sind, Tsunamis auszulösen. Da allein an den Küsten des Mittelmeers – Touristen jährlich nicht mitgerechnet – etwa 160 Millionen Menschen wohnen, wird die Brisanz der Thematik deutlich.

Warum ist das Mittelmeer so anfällig für Georisiken? Da sind zum einen Erdbeben. Sie können durch unterschiedliche Mechanismen ausgelöst werden: durch auseinanderdriftende Kontinentalplatten, wie im Golf von Korinth (Griechenland), durch aneinander vorbei driftende Platten, wie im tektonisch sehr aktiven Marmarameer (Türkei) und generell durch die aufeinander zu driftenden großen Erdplatten Afrikas und Eurasiens (Näheres siehe Plattentektonik).

Vulkanische Eruptionen und dadurch verursachte Schäden können sich im Ägäischen und Tyrrhenischen Meer durch aktive griechische und italienische Vulkaninseln wie Stromboli, Vulcano, Santorin und Nisyros oder durch Vulkane an den Küsten wie dem Ätna oder der Kaldera des Campi Flegrei ereignen.
Wenn untermeerische Hänge abrutschen, kann dies auf dem Meeresgrund verlaufende Internet- und Kommunikationsleitungen zerstören und zur Entstehung von Tsunamis führen, die wiederum ein beträchtliches Risiko für die Infrastruktur auf See als auch an Land darstellen.

Wo und durch was können Georisiken im Mittelmeer ausgelöst werden?

Quelle: Morgan et al. 2009

Diese Webseiten entstanden als Projektübung im Rahmen des Masterstudiengangs „Geowissenschaften“. Verantwortliche Autorin: Nicole Mertz.


Foto: N. Mertz

Das Mittelmeer bei Mallorca - Idylle für Urlauber und Gefahrengebiet zugleich.
Foto: N. Mertz

Quelle: NASA Visible Earth

Das Mittelmeer aus dem Weltraum betrachtet.
Quelle: NASA Visible Earth

Bild links: Geologische Rahmen, die zur Entstehung von Georisiken innerhalb eines Ozeans beitragen können.
Quelle: Morgan et al. 2009, modifiziert durch N. Mertz

Wächst die Bedrohung durch Naturkatastrophen?

Bis 2030 werden mindestens 60 % der Weltbevölkerung in Städten leben, im Gegensatz zu nur 30 % im Jahre 1950. Diese Entwicklung führt zu einer Ausweitung der Städte auf potenziell katastrophengefährdetes Land und eine Konzentration vieler Menschen auf engstem Raum. Somit können auf einen Schlag mehrere Tausend Menschen zu Schaden kommen.
Verstärkt wird das Risikopotenzial durch die fortschreitende globale Erwärmung, welche zu einer Verlagerung der Wetterereignisse hin zu Extremen führt. Oftmals sind solche Wetterextreme Auslöser von Hangrutschungen, Überschwemmungen und Stürmen.

Geoforscher der Münchener Rückversicherung registrierten alle Elementarschadenereignisse, die einen Sach- oder Personenschaden verursacht haben. Mit 860 Schadensereignissen wurden 2009 mehr Katastrophen dokumentiert, als im Vorjahr und im Mittel der letzten 10 Jahre. Die Statistik der Naturkatastrophen von 1980 bis 2009 lässt hierbei eindeutig einen leichten Anstieg der klimatisch verknüpften Naturkatastrophen erkennen. Lediglich Erdbeben und Vulkanausbrüche, welche unabhängig vom globalen Klima und anthropogenen Einfluss entstehen, bleiben auf einem relativ konstanten Level.

Da die Statistik jedoch auf dem Prinzip der Schadenserfassung basiert, ist der Anstieg der „Naturkatastrophen“ mit Vorsicht zu genießen. Wie bereits erwähnt, schreitet die Urbanisierung stetig fort. Daher fallen einem Erdbeben von heute auch wesentlich mehr Menschen und Häuser zum Opfer, als es noch vor 50 Jahren der Fall war. Zudem werden viele der heutigen Katastrophen, so auch der Tsunami von 1979 in Nizza, durch Menschen verursacht. Kann man also hier noch länger von Naturkatastrophen sprechen? Zukünftige Statistiken sollten diese Entwicklung besser berücksichtigen.

Quelle: Munich Re/NatCat

Die ermittelten Ereignisse von Naturkatastrophen zwischen 1980 und 2009 zeigen einen kontinuierlichen Aufwärtstrend. Eine Wende ist bis zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu verzeichnen.
Quelle: Munich Re/NatCat

Weiterführende Links

Naturkatastrophen im Jahresüberblick, Informationen zu aktuellen Trends und ein simples Einmaleins der bedeutendsten Georisiken. Das alles bietet der NatCatService der Münchener Rückversicherung.

Informationen rund um das Thema Georisiken vom US Geological Survey: das USGS Geologic Hazards Science Center

Das National Geophysical Data Center (NGDC) der National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) hält eine ganze Reihe von Bildern, Informationsmaterial und interaktivem Kartenmaterial zum Thema Naturkatastrophen bereit.

 
 
Impressum | © marum | Diese Seite wurde zuletzt aktualisiert von: Albert Gerdes. Datum: 04.05.2011, 09:17 Uhr