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Diatomeen- Durchsichtiges Meer
Diatomeen: Sauerstoffproduzenten
Stimmt es, dass die Hälfte des gesamten, jährlich produzierten Sauerstoffs durch Algen freigesetzt wird?
Rüdiger Kremer, Kronshagen
Es ist sogar deutlich mehr als die Hälfte! Etwa zwei Drittel des jährlich freigesetzten Sauerstoffs werden von Süß- und Salzwasseralgen produziert. Diese meist einzelligen Organismen gehören zu den ältesten Pflanzen der Erde. Sie schweben in den obersten 100 bis 200 Metern des Wassers. Nur dort können Algen genügend Licht und Nährstoffe aufnehmen, um Photosynthese zu betreiben. Die Pflanzen nutzen dabei die Energie des Lichts, um organische Substanz aufzubauen. Dabei entsteht Sauerstoff als Nebenprodukt.
Den Löwenanteil des Sauerstoffs produzieren die Kieselalgen. Sie sind so weit verbreitet, dass sie noch in der kleinsten Wasserpfütze vorkommen und sogar in feuchten Böden bei geringem Lichteinfall Photosynthese betreiben können. Schätzungen In einem Liter Meerwasser Tausende bis Millionen der kieseligen Einzeller, und in manchen Seegebieten wird die Planktongemeinschaft fast völlig von ihnen beherrscht. So verwundert es wenig, dass Kieselalgen als größte Sauerstoffproduzenten der Weltmeere gelten.
Dämmerung
Gibt es eigentlich eine genaue Erklärung für den Begriff Dämmerung?
Ulrike Lichtenberg, Tübingen
Im allgemeinen Sprachgebrauch erscheint der Begriff Dämmerung sehr unscharf. Aber auch in vielen Lexika wird die Übergangszeit zwischen voller Tageshelligkeit und vollständiger Nachtdunkelheit nicht exakt definiert. In nautischen Handbüchern geht es hingegen weitaus präziser zu. Dieses ist vielleicht damit zu erklären, dass das der Übergang vom Tag zur Nacht oft nur auf See oder vergleichbar offenen Landschaften verfolgt werden kann. Nur hier präsentiert sich der nicht verbaute Horizont als Bühne für ein immer wieder faszinierendes und facettenreiches Spiel der Farben.
Für den Beobachter auf See beginnt der Sonnenuntergang dann, wenn die Unterkante unseres Zentralgestirns die Horizontlinie berührt. Der Sonnenuntergang läutet die so genannte Bürgerliche Dämmerung ein. Sie endet, wenn die Sonne in einem Winkel von 6 Grad unter dem Horizont steht. Die nächste Phase der werdenden Nacht wird als Nautische Dämmerung bezeichnet. Sie dauert vom Ende der Bürgerlichen Dämmerung bis zu dem Zeitpunkt, an dem unser Himmelslicht 12 Grad unter dem Horizont steht und die Kimm, also die Horizontlinie, nicht mehr zu erkennen ist. Mit der astronomischen Dämmerung ist das endgültige Ende eines Tages gekommen. Sie schließt an die nautische Dämmerung an und endet bei einer Sonnenhöhe von 18 Grad unter dem Horizont. Bei diesem Sonnenstand ist am Himmel kein Reststreulicht mehr zu erkennen. Es ist tatsächlich zappenduster.
Dreistachliger Stichling
Wie viele Namen hat der Dreistachlige Stichling?
Christoph Berger, Pirmasens
Neben seinem allgemeinen deutschen Namen Dreistachliger Stichling hat der bis zu elf Zentimeter lange Fisch natürlich auch noch einen lateinischen: Gasterosteus aculeatus, wobei aculeatus „stachlig“ bedeutet. Aber da er Salz- und Süßwasser, Seen und Flüsse in ganz Europa (Ausnahme: Donaudelta), Algerien, Nordasien und Nordamerika bevölkert, hat er viele weitere Namen bekommen: Großer Stichling, Steckerling, Stachelbarsch, Wolf, aber auch Stichbeutel oder sogar Rotzbarsch. Auch die Wissenschaftler waren nicht geizig mit der Namensvergabe. Immerhin lebt er in vielen Laboraquarien neugieriger Verhaltensforscher, die ihn bei der Paarung studieren. Denn erstens färbt sich das Männchen zu dieser Zeit auf der Bauchseite leuchtend rot, und zweitens legt er ein ausgeprägtes Ritual an den Tag. Doch die Vielfalt der wissenschaftlichen Namen liegt eher daran, dass der Stichling überall ein wenig anders aussieht. So sind zum Beispiel Hochseespezies silbriger und schlanker als die in den Flüssen, und es kommen sogar schwarze Populationen vor.Kein Wunder, dass der kleine Fisch 33-mal beschrieben wurde – und jedes Mal bekam er einen neuen wissenschaftlichen Namen.
Dünen am Mittelmeer
Warum gibt es an der Mittelmeerküste keine Dünen?
Ingo Petersen, München
"Auflandige Winde, flach zum Meer hin abfallende Küsten, ausgeprägte Strömungen und sandige Meeresböden - das ist die Rezeptur für eine von Dünen geprägte Küstenlandschaft", sagt der Bremer Geowissenschaftler Dr. Till Hanebuth. Die Nordseeküste bietet all diese Voraussetzungen. Wind, Wellen und Gezeitenströme transportierten riesige Mengen Sand auf die flach abfallenden Küsten zu. So bildeten sich in den letzten Jahrtausenden von Holland bis zur Nordspitze Dänemarks weite Dünengürtel aus. Anders die Lage am europäischen Mittelmeer. Dort fallen viele Küsten recht steil ab; auch sind Gezeiten und Strömungen wesentlich schwächer ausgeprägt.
Dennoch gab und gibt es auch rund um das Mittelmeer beeindruckende Dünenlandschaften: An der spanischen Costa Blanca etwa zwischen Cartagena und Alicante liegt das Dünenfeld von La Marina. Nicht weit entfernt liegen die von Pinien bedeckten "Dunas de Guardamar". Doch gerade in Spanien sind viele Dünen in den 60er und 70er Jahren Opfer des Tourismus geworden: wo sich einst Dünenzüge erhoben, sind inzwischen Hochhausburgen und Sportboothäfen aus dem Sand gewachsen.
"Dolphin" auf der Speisekarte
Vor zwei Jahren habe ich auf Barbados in einem Fischrestaurant einen "Dolphin" gegessen. Um was für einen Fisch handelt es sich dabei? Etwa um einen Delfin?
Katy Polke, Frankfurt/Main
Ihre Befürchtung, liebe Frau Polke, dass Ihnen womöglich ein Delfinsteak aufgetischt worden ist, ist unbegründet. Im englischen verbirgt sich hinter der Gattungsbezeichnung "common dolphinfish" - nomen est omen - tatsächlich ein Fisch und keineswegs ein Säugetier, zu denen ja auch die sympathischen und liebenswerten Delfine zählen. Kurz und gut: Man hat Ihnen während Ihres Urlaubs eine Große Goldmakrele serviert. Sie wird im Spanischen als Dorado bezeichnet und hört auf den zoologischen Namen Coryphaena hippurus.
In der Regel werden diese aufgrund ihrer Kopfform etwas bullig wirkenden Makrelen etwas mehr als einen halben Meter groß. Ältere Tiere können indes eine Länge von fast zwei Metern und ein Gewicht von bis zu 40 Kilogramm erreichen. Dabei werden die Männchen deutlich grösser als die Weibchen. Die pfeilschnellen Makrelen, die Geschwindigkeiten bis zu 65 Stundenkilometern erreichen, schimmern metallisch blau, gelb und grün und durchstreifen die küstenfernen, offenen Meere der Tropen und Subtropen als Einzeltiere oder in Schwärmen, wo sie vor allem Fliegende Fische, aber auch Tintenfische und Krebse jagen.
Die Fischer im Mittelmeer oder auf den Kanaren stellen den Tieren mit Schleppangeln nach. Dabei treffen sie die schmackhaften Fische oft in der Nähe von Seegrasfeldern, Tangbündeln, Baumstämmen oder anderem Treibgut an. In Belize, dem früheren British-Honduras, sind die farbenprächtigen Tiere als Speisefische so beliebt, dass sie bereits 1968 auf einer 15-Cent-Briefmarke verewigt wurden
Duckdalben
Woher kommt die Bezeichnung "Duckdalben"?
Christa Klingel, per E-Mail
Beim Betrachten alter Hafenfotos fallen einem die Duckdalben, für die die Wasserbauer meterlange Eichenstämme verwandten, sofort ins Auge. Teils senkrecht, teils schräg wurden für jeden Dalben, je nach Anforderung an die Anlegestelle, bis zu zwei Dutzend Holzpfähle in den Schlick gerammt. Heute sind die Dalben zumeist aus Stahl. Ökonomische Überlegungen spielen dabei die Hauptrolle. In deutschen Ostseehäfen zum Beispiel macht die Bohrmuschel Holzdalben über kurz oder lang den Garaus. Nur nebenan, im Nord-Ostsee-Kanal, werden weiterhin 16-pfählige Dalben aus bis zu 18 Meter langen Lärchenstämmen gebaut.
Der Ursprung des Begriffs Duckdalben lässt sich leider nicht eindeutig klären. Der Brockhaus vermutet, dass das Wort in Zusammenhang steht mit dem niederländischen „duken“ für „tauchen“ und „dallen“ für „Balken“. In Kluges Etymologischem Wörterbuch wie auf vielen Internetseiten wird der Herzog von Alba (frz.: Duc d’Albe) ins Spiel gebracht, der von 1567 bis 1573 Statthalter der spanischen Krone in den Niederlanden war.
Denkbar ist, dass er Pfähle verwandte, um bedarfsgerecht und taktisch flexibel sichere Schiffsanlegestellen zu schaffen. Belege dafür sind in historischen Archiven indes nicht zu finden.
Dünung, Windsee
Wie unterscheiden sich Windsee und Dünung voneinander?
Nomen est omen, das gilt auch für die Windsee. Sie bezeichnet den Wellengang, der durch lokal vorherrschende Winde verursacht wird. Generell ist sie durch spitze Wellenkämme gekennzeichnet. Zudem unterscheiden sich die einzelnen Wellen in Höhe und Länge deutlich voneinander. So bringen labile Kaltluftlagen höhere Windseen mit sich als stabiles Warmluftwetter. Dagegen sind Dünungswellen deutlich länger als die der Windsee und stark abgerundet. Dünungswellen können mehrere Meter Höhe erreichen und ein Schiff selbst bei Windstille zum Schaukeln bringen. Sie sind Sendboten von Stürmen, die fern vom aktuellen Schiffsstandort gewütet haben. Da sich diese Wellen schneller voranbewegen als das sie verursachende Schlechtwettergebiet, können sie auch einen heraufziehenden Sturm ankündigen. Besonders unangenehm, zumal für kleinere Boote, wird es, wenn Dünung und Windsee aus unterschiedlichen Richtungen aufeinander zulaufen. Dann entstehen kabbelige Kreuzseen, die auch einem gestandenen Seebären zusetzen können.
Durchsichtiges Meerwasser
Warum ist Meerwasser durchsichtig?
Pedro Pardo Cordes, Langenhagen
Ob und inwieweit Meerwasser durchsichtig ist, hängt davon ab, wie viele Teilchen darin schweben. Küstennah können feine Ton- und Sandpartikel die Transparenz des Seewassers auf null herabsetzen. Zudem absorbieren die von Land eingetragenen Humusstoffe Licht auf bestimmten Wellenlängen. Weitab der Küsten, auf dem offenen Ozean, driften vergleichsweise weniger Überreste von Meerespflanzen oder -tieren im Wasser. Dort kann das Sonnenlicht in größere Tiefen vordringen. Allgemein gilt: je geringer die biologische Aktivität im Meer, desto klarer das Wasser. Der italienische Astronom Petro Angelo Secchi führte 1865 eine nach ihm benannte Scheibe in die Meeresforschung ein. Die mit einem Gewicht versehene weiße oder schwarz-weiß gemusterte Scheibe wird im Meer versenkt. Die Tiefe, in der die Secchi-Scheibe gerade noch sichtbar ist, ergibt die sogenannte Sichttiefe und damit ein Maß für die Transparenz bzw. Trübung des Wassers. Letzten Endes hängt die Durchsichtigkeit des Wassers von vielen Faktoren ab: dem Sonnenstand, der vom Seegang bestimmten Reflexion des Lichts an der Wasseroberfläche, aber auch der von Salzgehalt und Temperatur beeinflussten Streuung des Lichts.

