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Caspar Wolf

Blick vom Brünig her über das Aaretal bei Meiringen gegen die Große Scheidegg

um 1775
Öl auf Leinwand, 54 x 76 cm
Geschenk der Firma Kühne & Nagel 1968
Inv. Nr. 831-1961/2

Caspar Wolf (1735–1783) schildert eine Berglandschaft, die sich genau lokalisieren läßt: Es ist der Blick vom Brünig über das Aaretal zur Großen Scheidegg. Im Vordergrund links sieht man eine sonnenbeschienene Kuppe. Dort stehen zwei Wanderer mit ihrem Hündchen und genießen die Aussicht. Sie sind winzige Gestalten im Angesicht der gewaltigen Bergwelt.
Mit seinen Darstellungen von Bergen, Gletschern und Höhlen hat Wolf viele Motive der Romantiker vorweggenommen. Wie sie, so argumentiert auch er mit dem überwältigenden Natureindruck. Aber es gibt einen entscheidenden Unterschied: Wolf schildert zwar die Natur in ihrer Größe, doch er beschreibt sie möglichst objektiv, während jene das subjektive Gefühl des Individuums darstellen. Der Sachse Karl Gottlieb Küttner sprach von den „erhabenen” und „grausenvollen” Schönheiten der Schweiz, die Caspar Wolf gemalt habe. Das „Erhabene” und „Erschütternde” waren denn auch die zentralen Schlagworte in den ästhetischen Schriften des späten 18. Jahrhunderts.
Doch Wolfs Bilder hatten auch eine wissenschaftliche Funktion. Zwischen 1774 und 1778 malte er im Auftrag des Berner Verlegers Abraham Wagner nahezu 200 topographisch genaue Ansichten der Schweizer Alpen. Unter dem Titel Merkwürdige Prospekte aus den Schweizer-Gebürgen und derselben Beschreibung brachte Wagner seit 1777 kolorierte Umrißradierungen nach Wolfs Vorlagen heraus, mit Kommentaren von dem Naturwissenschaftler und Theologen Jakob Samuel Wyttenbach. Das Bremer Bild gehörte zu Wagners „Cabinet” in Bern, es wurde jedoch nicht als Umrißzeichnung publiziert.

Blick vom Brünig her über das Aaretal bei Meiringen gegen die Große Scheidegg von Caspar Wolf

Blick vom Brünig her über das Aaretal bei Meiringen gegen die Große Scheidegg von Caspar Wolf

Erosion

Die Erosion – die Abtragung – ist neben der Gebirgsbildung der Prozess, der das Relief der Erdoberfläche maßgeblich mitbestimmt. Unter Erosion versteht man den Vorgang, durch den Gesteine und Minerale der Erdoberfläche, besonders die durch chemische und physikalische Verwitterung entstandenen Lockermassen und Böden, abgetragen und in ein tieferes Niveau verfrachtet werden. Zu unterscheiden sind bei der Erosion im Gebirge die verschiedenen Elemente, die sie bestimmen. Es handelt sich hierbei um fließendes Wasser, um Gletscher und um Wind. Das Klima ist unauflöslich mit der Erosion verbunden, weil es deren durchschnittliche Geschwindigkeit wesentlich beeinflusst. Im Allgemeinen beschleunigen feuchtere Bedingungen den Erosionsprozess. Die klimatische Variabilität im Alpenraum, die ständig großen Temperaturschwankungen zwischen Winter und Sommer und die großen Mengen an Niederschlägen führen zu einem hohen Grad an Materialtransport von höheren Lagen in tiefere. Die dadurch entstehenden Flussläufe graben sich im Laufe der Zeit immer tiefer in den zumeist kalkigen Untergrund und bilden so das Ablagerungsgebiet der Alpentäler als Kontrast zu den zum Liefergebiet zählenden Berghängen.

 

     
    Impressum | © marum | Diese Seite wurde zuletzt aktualisiert von: Dr. Frank Schmieder. Datum: 24.10.2006, 09:28 Uhr