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Carl Gustav Carus

Abend am Meer von Carl Gustav Carus
Eiszeiten
Die von Carus eingefangene Szene spielt in Skandinavien, dessen Landschaft entscheidend durch die letzte Eiszeit geformt worden ist. Eiszeiten sind Perioden der Erdgeschichte, die durch eine Ausdehnung der Vergletscherung und eine Abkühlung gekennzeichnet sind. Die letzte Eiszeit begann vor etwa 2 Millionen Jahren, mit dem Beginn des Quartärs. Auf der Nordhalbkugel waren Teile Nordamerikas und Sibiriens sowie Nordeuropa, die Arktis und die Alpen von Eis bedeckt. Für letztere lassen sich in Norddeutschland vier große Eiszeiten unterscheiden, die nach den Flüssen als Elbe-, Elster-, Saale- und Weichseleiszeit bezeichnet werden. Die kontinentalen Gletscher zogen sich gegen Ende des Pleistozäns vor etwa 10.000 Jahren aus Nordamerika und Europa zurück. Unter dem zurückweichenden Eis trat in Skandinavien eine Landschaft zutage, die von Fjorden dominiert wird. Sie sind durch die erodierende Wirkung der Gletscher entstanden, die von einem nahen Hochgebirge ausgehend tiefe Rinnen in die Küstenregionen schnitten. Durch das spätere Ansteigen des Meeresspiegels in Warmzeiten füllten sich diese Rinnen mit Wasser. Während der Kaltzeiten haben die Eismassen sehr viel Gesteinsmaterial transportiert, so genannte Geschiebe, die Kratzspuren auf dem festen Untergrund hinterlassen haben. Anhand dieser geritzten Geschiebe, die zum Teil von Carus eingefangen wurden, ist es heute möglich die damalige Fließrichtung der Eismassen zu bestimmen.
Abend am Meer
1820/1825
Öl auf Leinwand auf Holz, 49,5 x 70,5 cm
Geschenk des Galerievereins 1935
Inv. Nr. 69-1935/4
Carus schildert eine abendliche Szene am Meer. Mächtige Felsen schieben sich von rechts in das Bild. Sie fallen zunächst jäh ab, während ein niedrigerer Ausläufer tiefer ins Wasser schneidet. An seiner Spitze liegt ein Boot, das die Gesteinszunge fortzusetzen scheint.
Das Boot liegt still auf dem glatten Wasser. Zwei Männer sitzen darin. Der eine hat dem Betrachter den Rücken zugewendet und blickt hinaus zum Horizont, wo neben einer Felseninsel ein Segelschiff auftaucht. Der andere Mann schaut nach rechts zum zart-orangefarben getönten Himmel, der vom Sonnenuntergang kündet, welcher hinter den dunklen Felsen verborgen bleibt. Eine rechteckige Tafel steht vor ihm, in der rechten Hand hält er einen Stift: Er ist ein Künstler, der das Naturschauspiel festzuhalten sucht. Auch sein Begleiter hat die Arme angewinkelt. Möglicherweise hält er Skizzenbuch und Bleistift.
Carus baut in dem Bild einen Kontrast auf: Der ruhigen Abendstimmung setzt er das dramatisch zerklüftete Gestein entgegen, dessen dunkle Silhouette sich scharf vor dem hellen Himmel und der ruhigen See abzeichnet. Dem fernen Segelschiff steht das Treibholz gegenüber, das sich in den Felsen verfangen hat und vom Scheitern eines Schiffes erzählt.
Carl Gustav Carus war neben Caspar David Friedrich der bedeutendste Landschaftsmaler der Romantik. Der Chirurg und Naturwissenschaftler war als Maler Autodidakt. 1831 veröffentlichte er seine Neun Briefe über die Landschaftsmalerei, in denen er Landschaftstheorie und Naturphilosophie miteinander verband. Sein Ziel war es, die natürlichen Erscheinungen so genau wie möglich darzustellen und darüber hinaus von den geheimen Kräften zu zeugen, welche den Wandel in der Natur bedingen. Dafür prägte er den Begriff Erdlebenbild.

