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Backbord - Blubber

Backbord und Steuerbord

Woher stammen die Begriffe Backbord und Steuerbord?
Evelyn Dupree, Antwerpen, per E-Mail

Dem "Seemännischen Wörterbuch" entnehmen wir, dass sich das Steuerruder eines Segelschiffs in früheren Zeiten nicht am hinteren Steven, sondern an der rechten Schiffsseite befand. Daher wurde diese als die Steuerbordseite bezeichnet. Da die meisten Menschen Rechthänder sind, sass oder stand der Rudergänger links von der Pinne. Sein Rücken - englisch "back" - war der Pinne ab- und somit der linken Schiffsseite, dem Backbord eben, zugewandt. Warum erst 1847 die Farben Rot und Grün für Positionslichter an Backbord und Steuerbord vorgeschrieben wurden, kann in den WAT-Rubriken bei mare und MARUM nachgelesen werden.

Baikalrobben: Überleben im Winter

Wie überleben die Baikalrobben im Winter, wenn der See zugefroren ist?
Rosemarie Acker, Hamburg

Der Baikalsee, mit 1.620 Metern der tiefste See der Welt, ist ein faszinierendes Ökosystem. Er bietet auch Lebensraum für die Baikalrobbe, einer Meeressäugerart, die sich von ihren arktischen Verwandten durch ein helleres Fell und ein deutlich größeres Blutvolumen unterscheidet. Wenn die Durchschnittstemperaturen im Januar und Februar auf minus 19 Grad Celsius fallen, schließt sich die Eisdecke des Sees und bricht erst im Mai wieder auf. Um Sauerstoff aufzunehmen, müssen die Nerpas, wie die Baikalsäuger genannt werden, Atemlöcher offen halten. Ihre scharfen Krallen sind dafür das geeignete Werkzeug. So schaffen es die Tiere, von denen vermutlich weit weniger als 100.000 im Baikalsee leben, die mehr als einen Meter mächtige Eisdecke stellenweise durchlässig zu halten.

Schneewehen nahe den Atemlöchern sind geeignete Rückzugsräume, in denen Muttertiere ihre gelb-grünlich gefärbten Robbenbabys gebären. Um den Nachwuchs aufzuziehen, gehen Nerpas auf Tauchgänge, die mehr als eine Stunde dauern können. Dabei entwickeln Nerpas Appetit: Drei Kilogramm Fisch sind ihre tägliche Ration.

Weitere Infos: http://www.icc.ru/baikal/animals.htm

Bernstein: Fundorte

Warum findet man von St. Peter Ording an der Nordsee bis nach Mecklenburg Bernstein, aber nicht auf der dänischen Insel Bornholm?
Angelika Pfalz, per E-Mail

Irrtum, Frau Pfalz. Bernstein kommt - wenn auch selten - doch auf Bornholm vor. Allerdings findet man ihn am ehesten nach Herbst- oder Frühjahrsstürmen, wenn die Bernsteinbrocken vom auflandigen Wind am Spülsaum der Strände abgelagert wird. Man muß die schöne Insel also außerhalb der touristischen Hochsaison aufsuchen, um fündig zu werden. Prinzipiell kann man in ganz Nordeuropa auf Bernstein stoßen. Vor 40 bis 50 Millionen Jahren erstreckte sich der so genannte Bernsteinwald vermutlich von Bornholm bis nach Nida in Littauen und vom estländischen Tallin bis nach Stockholm. Die Bäume produzierten sehr viel Harz, in dem manchmal Insekten, Spinnen und Samen eingeschlossen wurden.

Nachdem der Bernsteinwald infolge des ansteigenden Meeres-spiegels abgestorben war, spülte das Meer das angesammelte Harz fort. Die leichten Brocken des zu Bernstein verhärteten Harzes lagerten sich in ruhigen Meeresbecken ab. So vor dem heutigen Danzig, aber auch im Samland. Im blaugrünen tonigen Sand, der heute als "blaue Erde" bezeichnet wird, lagern vermutlich bis zu einer Million Tonnen Bernstein. Die "blaue Erde" ist durch verschiedene Umlagerungen von Kiev bis nach England verbreitet. Auf besonders reiche Vorkommen stößt man in der Nähe von Kaliningrad, das deshalb den Beinamen "Blaues Land" trägt. Dort werden 90 Prozent des weltweit gehandelten Bernsteins abgebaut.

Bewegter Ozean

Nimmt die Bewegung der Ozeane mit zunehmender Tiefe ab? Von Carola Flad per Mail

Grob gesprochen ja. Die Wellenbewegung an der Oberfläche des Ozeans reicht maximal wenige Hundert Meter in die Tiefe. Es gibt allerdings Wasserbewegungen unter der Oberfläche, die für das Leben auf der Erde eine große Rolle spielen. Die Bewegungen der Oberfläche und die in der Tiefe werden durch verschiedene Mechanismen ausgelöst. Wasserbewegungen unter der Oberfläche sind meist wesentlich größer, aber dafür oft langsamer als die Wind verursachten Bewegungen der Oberfläche. Sie teilen sich in interne Wellen und Strömungen.

Die so genannten internen Wellen transportieren im Gegensatz zu Strömungen nur geringe Mengen Wasser. Sie verlaufen an Grenzschichten innerhalb des Wassers, die durch Salz- und/oder Temperaturunterschiede geprägt sind. Da der Unterschied in der Dichte innerhalb des Wassers sehr viel geringer ist als der zwischen Wasser und Luft, können interne Wellen Höhen von mehreren Hundert Metern erreichen. Angetrieben werden sie unter anderem durch die Gezeitenkräfte.

Die Tiefenströmungen durchziehen unterschiedliche Stockwerke des Ozeans und umspannen alle Ozeane. Je kälter und salziger Wasser ist, umso schwerer ist es. Dadurch sinkt in den Polregionen Wasser ab und fließt am Meeresboden äquatorwärts. Allein im Nordatlantik fallen im Schnitt jede Sekunde 17 Millionen Kubikmeter Wasser in tiefere Wasserschichten. Das ist 20-mal mehr Wasser, als alle Flüsse der Welt zusammengenommen transportieren. In tiefem Wasser ist direkt über dem Meeresboden auf Grund von Reibung jedoch kaum Wasserbewegung zu spüren, außerdem nehmen die Dichteunterschiede mit zunehmender Tiefe ab.

Biolumineszenz

Beim Schwimmen in Thailand hat es hinter mir geglitzert, was war das?
Von Katharina Polke

Das Phänomen des Meeresleuchtens kann man in fast allen Meeren der Welt beobachten. Es wird durch winzige, im Wasser schwebende Wesen hervorgerufen. In der Nordsee ist vor allem der Dinoflagellat Pyrocystis noctiluca dafür verantwortlich und macht damit seinem Namen "nachtleuchtende Feuerzelle" alle Ehre.

Werden leuchtfähige Einzeller mechanisch angeregt, z. B. durch einen Schwimmer oder durch Wellenschlag, startet dies in ihrem Inneren eine chemische Reaktion. Sie setzt so viel Energie frei, dass Licht erzeugt wird. Aus Sicht der Evolution macht das Sinn, denn die Leuchtreaktion verbraucht Sauerstoff der in früheren Stadien der Evolution für viele Organismen giftig war. Biolumineszenz könnte daher als Sauerstoffschutz gedient haben. Im Laufe der Zeit verlor diese Funktion an Bedeutung, während gleichzeitig andere in den Vordergrund traten.

Viele Tiere und Pflanzen können ebenfalls Licht erzeugen: Tintenfische, Glühwürmchen, Pilze, Fische, Quallen, Tausendfüßer. Die Lichtsignale helfen, Partner zu finden, Beute zu fangen und sich zu tarnen. Faszinierende Farbspiele, die vor allem das Dunkel der Tiefsee erhellen, sind die Folge.

Blasentang

Warum hat der Blasentang Blasen?
Ulrike Lichtenberg, Tübingen; per email

Schleimig, zäh, braun und voller Blasen: So sieht der Blasentang aus, eine von etlichen Braunalgenarten, die auch an den Küsten von Nord- und Ostsee zu finden sind, beispielsweise auf der Felseninsel Helgoland. Mit seiner Haftscheibe klammert sich die bis zu 30 Zentimeter lange Alge auf anstehendem Fels, an Muschelbänken, Steinen, Hafenanlagen und Molen fest. Wie alle Pflanzen bezieht der Blasentang seine Energie aus dem Sonnenlicht. „Dafür ist es nötig, dass er nicht flach am Meeresboden liegt, sondern aufrecht im Wasser steht“, erklärt Dr. Inka Bartsch, Biologin am Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung. Für den dazu notwendigen Auftrieb sorgen glatte, gasgefüllte Blasen, die entlang des Stängels verteilt sind. Jeweils im Frühjahr bildet sich links und rechts am Stängel je eine neue Blase. So lässt sich das Alter einer Alge recht einfach anhand der Blasenpaare abzählen. Andere, warzig-blasige Strukturen, die im Sommer am Ende der Blätter gebildet werden, enthalten die männlichen und weiblichen Reproduktionsorgane. Die männlichen Spermatien treten durch Poren aus und befruchten benachbarte weibliche Pflanzen.

Blaues Band

Wer trägt zur Zeit das Blaue Band des Ozeans?
Leitner, telefonisch

Bis in die 50er Jahre hinein wurde das Blaue Band verliehen - an Schiffe, die den Atlantik am schnellsten überquerten. Wo liegt die Rekordmarke derzeit?

Die Ozeanriesen gingen tatsächlich bis in die 50er Jahre auf die Jagd nach der schnellsten Atlantikquerung. In den Bäuchen der Schiffe mussten dafür Hunderte von Heizern und Trimmern im Akkord und bei brütender Hitze tonnenweise Kohlen in die Feuerkessel der Dampfer schaufeln. Das Ziel war das Blaue Band für die schnellste Atlantiküberquerung von Europa nach Amerika. Es ist unklar, woher die Bezeichnug "Blaues Band" stammt. Mit Sicherheit existierte zu keiner Zeit ein blauer Stoffstreifen, der den Schornstein des aktuell schnellsten Dampfers geschmückt hätte.

Offiziell beteiligten sich die großen Reedereien aus England, Deutschland, Italien, Frankreich und den USA nicht an dem informellen Wettbewerb. "Sicherheit geht vor!", lautete die veröffentlichte Geschäftsphilosophie. Allerdings lehnten sie es nie ab, wenn die nationalen Medien voller Stolz einen neuen Rekord vermelden konnten. Das Blaue Band war auch Symbol für Stärke und Fortschritt einer ganzen Nation. Die Rekordzeit wurde enorm heruntergeschraubt: Im Jahr 1838 dauerte die kürzeste Atlantikquerung noch 18 Tage, waren es 1998 nur noch 41 Stunden. Der Katamaran "INCAT", ein Neubau für die dänisch-deutsch Fährgesellschaft Scandlines, schaffte die 2.709 Seemeilen zwischen New York und dem britischen Southampton in nur zwei Tage, 17Stunden und 59 Minuten. Mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 41 Knoten (76 km/h) konnte die Besatzung als erste ein Schiff in weniger als drei Tagen über den Atlantik bringen.

Zwar hat das Flugzeug die Passagierschifffahrt längst abgelöst, dennoch ist es auch heute für Sportsegler attraktiv, Besitzer des imaginären Blauen Bandes zu sein. Die großzügige Auslegung der ungeschriebenen Regeln läßt das zu, obwohl Puristen den Titel nur für die Personenschifffahrt und nur für die Passage von Ost nach West anerkennen.

Blaufußtölpel

Wieso haben Blaufußtölpel blaue Füße?
Janina Thormann, per Email

Mit ihrem braun-weißen Gefieder wirken diese großen Wasservögel eher unscheinbar, wären da nicht ihre auffällig blauen Füße. Auf der Suche nach passenden Partnern stolzieren voreinander auf und ab, strecken bei ausgebreiteten Flügeln Schnabel und Schwanzspitze gen Himmel und präsentieren prahlerisch ihre blauen Füße. Diese Blaufärbung hat zwei Ursachen: Zum einen befinden sich unter der Oberhaut ihrer Füße und Schwimmhäute bestimmte Fasern, die verstärkt bläuliches Licht reflektieren. Zum anderen rührt die Blaufärbung von besonderen Pigmenten her, die mit der Nahrung aufgenommen werden. Je erfolgreicher die Vögel bei der Jagd nach Fisch sind, desto intensiver das Blau. Dabei variiert die Färbung von einem blassen Graublau bis hin zu einem strahlenden Dunkelblau. Als Wissenschaftler Blaufußtölpel auf Diät setzten, beobachteten sie, wie sich die Blaufärbung innerhalb von zwei Tagen abschwächte. Für die Tölpel ist die Farbe somit ein Hinweis für Jagderfolg und Befinden ihres zukünftigen Partners, auf den sie bei Balz reagieren.

Blauwale

Wie viele Blauwale gibt es eigentlich noch?
Martina Salm, aus Ulm

Ein Herz so groß wie ein VW Käfer, eine Arterie, durch die bequem ein Mensch krabbeln könnte, bis zu 200 Tonnen Gewicht bei 33 Meter Länge – der Blauwal ist das größte Geschöpf, das es je auf unserer Erde gab. Und groß ist auch sein Appetit: Etwa 100 Kilogramm hauptsächlich Leuchtgarnelen, auch Krill genannt, verschlingt er auf einmal, bis zu vier Tonnen täglich. Feinde hat der Riese keine – außer dem Menschen.

Von dem 1926 auf 200.000 Tiere geschätzten Bestand lebt nur noch ein Bruchteil. Allein 1931 schlachteten Walfänger in der Antarktis 29.000 Blauwale ab: für Lampenöl und Korsettstangen. Erst seit 1986 ist er geschützt. Heute machen ihm Unterwasserlärm und Klimawandel zu schaffen. Wie viele Blauwale noch durch die Meere ziehen, lässt sich kaum bestimmen; zu selten begegnen wir ihm, wenn er zum Atmen auftaucht. Die Schätzungen schwanken zwischen 700 und 4.900 Tieren – nicht genug, glauben Forscher, um die Art zu erhalten. Denn Blauwale vermehren sich nur langsam. So groß sie auch sind, in den Ozeanen einen Partner zu finden fällt ihnen schwer.

Blitzschutz

Wie kann man ein Boot vor Blitzen schützen?
Manfred Kolte aus Bochum

Schlägt der Blitz ein, so sucht er sich den Weg des geringsten Widerstandes. Über das Metall an Mast und/oder Wanten und Stagen – mit möglichst über sechs Millimeter Durchmesser –gelangt die Energie bis zum Rumpf. Bei einem Metallschiff fließt die Energie über den Rumpf an der Kajüte vorbei direkt ins Wasser – Schutz vor allem für die Segler. Bei Holz- oder Kunststoffbooten ist es notwendig dem Strom einen Weg von den Wanten ins Wasser zu ermöglichen. Zum Beispiel über eine gutleitende Verbindung zum Metallkiel oder -schwert. Ist kein oder nur ein isolierter Metallkiel vorhanden, ist nachträglicher Blitzschutz schwierig. Über Spezialklemmen können an den Wanten acht Millimeter dicke Kupfer- oder rostfreie Stahlseile befestigen werden. Notfalls kann auch eine mehrfach um das Vorstag gewickelte Ankerkette helfen. Beides sollte mindestens eineinhalb Meter ins Wasser reichen. Trotz Blitzschutz auf den meisten Yachten gingen im letzten Jahr drei Prozent aller deutschen Yachtschäden bei Pantaenius, dem Marktführer in Sachen Yachtversicherung, auf Blitzschäden zurück. „Dass ein Schiff aufgrund eines Blitzschlages sinkt, ist jedoch die absolute Ausnahme, dies kam in 2006 nicht vor“, teilte uns die Pressesprecherin beruhigend mit.

Blubber

Was ist Blubber und was bedeutet das Wort?
per E-Mail

Als "Blubber" wird die zentimeter dicke Fettschicht von Walen und Robben bezeichnet, die sie vor Auskühlung in ihrem wenige Grad Celsius kühlen Lebensraum schützt. Thomas Orthmann, Meeressäugerexperte an der Universität Kiel, schreibt uns zur Herkunft des Begriffs: "Die deutsche Verwendung resultiert aus der Übernahme des amerikanischen Wortes "blubber". Dort wird es in erster Linie als Walspeck verstanden, meint aber generell auch "Wabbelspeck" bzw. als als "blubbery" = wabbelig. Uns fehlt im Deutschen einfach ein eigener Begriff für die Speckschicht der Meeressäuger, so dass wir in Fachkreisen immer das Wort "Blubber" verwenden."

Denkbar ist indes, dass der Begriff zur Zeit des frühen Walfangs im 17. Jahrhunderts von friesischen Walfängern geprägt und dann ins Englische übernommen wurde. Darauf deutet ein Eintrag im "Oxford Dictionary of English Etymology" hin, in dem die lautmalerische Entstehung des Wortes aus dem Plattdeutschen nicht ausgeschlossen wird. Es ließe sich also trefflich darüber spekulieren, ob friesische Seeleute den Begriff in Zusammen-hang mit dem Blubbern des Walspecks in den Trankochereien auf Jan Mayen und Spitzbergen prägten.

Immerhin findet sich ein entsprechender Eintrag im 1879 erschienenen "Wörterbuch der ostfriesischen Sprache". Auch dort wird das "weiche, fetttriefige Walfischspeck" als "blubber" bezeichnet.

 
Impressum | © marum | Diese Seite wurde zuletzt aktualisiert von: Albert Gerdes. Datum: 03.03.2011, 14:45 Uhr